Corona-Pandemie

Spritze bald in der Disco? Söder liebäugelt mit "Impfen to go"

Tobi Lang

Online-Redakteur

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10.7.2021, 19:04 Uhr
Die Impfkampagne stagniert - und das treibt Markus Söder um. 

© Matthias Balk, dpa Die Impfkampagne stagniert - und das treibt Markus Söder um. 

Seit Wochen belagert Markus Söder die Ständige Impfkommission (Stiko). Die Experten sollen ihre Einschätzung, die Corona-Schutzimpfung für Kinder und Jugendliche nicht generell zu empfehlen, überdenken. Das unabhängige Gremium zeigte sich zwar zuletzt auch öffentlich genervt von den Versuchen der Beeinflussung aus der Politik, sprach von "kontraproduktivem" Verhalten. Bayerns Ministerpräsident lässt sich davon aber nicht ausbremsen. In einem Interview mit dem Magazin Spiegel erneuerte er sein, wie der CSU-Chef es nennt, Plädoyer für eine neuerliche Prüfung der Empfehlung. "Wir lernen in dieser Krise ja alle jeden Tag dazu", sagte Söder.

Das Interesse an der Corona-Impfung lässt nach, spürbar, Experten sprechen bereits von einer ersten Ermüdung in der Bevölkerung. Termine sind auch in Franken oft in kürzester Zeit verfügbar - nur haben möchte sie kaum einer. Auch Söder treibt das um. Immer wieder ermutigte der Ministerpräsident Kommunen dazu, unkonventionelle Wege zu gehen. Jetzt bringt der CSU-Chef selbst neue Ideen ins Spiel.

"Das wäre dann eine Art 'Impfen to go'"

"Wir können uns vorstellen, dass wir bei bestimmten Freizeitaktivitäten oder am Rande von großen Gastronomiebetrieben Möglichkeiten zum Impfen schaffen", schreibt der Ministerpräsident in einem Post auf Facebook. Könnte also bald in Vergnügungsparks, Zoos oder sogar vor dem Disco-Besuch die Spritze gesetzt werden? So ließe sich Söders Vorstoß zumindest deuten. "Das wäre so eine Art 'Impfen to go'", so der CSU-Chef. Es gehe jetzt darum, "eine sehr mobile Zielgruppe zu erreichen, die kein Interesse daran hat, sich lange im Voraus bei einem Impfzentrum anzumelden", schreibt Söder auf Facebook.

Auch im Gespräch mit dem Magazin Spiegel denkt Bayerns Ministerpräsident laut über die kommenden Monate nach. Betreiber von Clubs und Bars etwa kämpfen nach über einem Jahr Lockdown um die Existenz - eine konkrete Öffnungsperspektive über die verlängerte Sperrzeit von 1 Uhr hinaus konnte die Staatsregierung noch immer nicht geben. "Der lange Schutz, den die Impfstoffe bieten, ermöglicht eine neue Freiheit, gerade für die jüngere Generation", sagt Söder. "Das Impfen bietet auch eine Perspektive für die Nachtgastronomie. Denn in einem Club oder in einer Disco Abstand zu halten und Maske zu tragen, ist schwierig."

"Im Umkehrschluss ist Nichtimpfen perspektivlos"

Die Reaktionen unter Söders Facebook-Post sind gemischt. "Das Impfen bietet also eine Perspektive. Das heißt im Umkehrschluss Nichtimpfen ist somit perspektivlos", schreibt dort ein Kommentator, der sich erpresst fühlt. "Die Nachtgastronomie könnte also damit schließen."

Erst kürzlich geriet Bayerns Ministerpräsident in die Schlagzeilen, als er seinen Koalitionspartner Hubert Aiwanger vorführte. Bei einer Pressekonferenz nötigte Söder den Freien-Wähler-Chef zu einer Rechtfertigung, warum der sich noch nicht habe impfen lassen. "Die Entscheidung, ob sich jemand impfen lässt oder nicht, ist eine persönliche Entscheidung. Die nehme ich auch für mich in Anspruch", sagte Aiwanger.

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