17°

Mittwoch, 21.10.2020

|

zum Thema

Trump verschärft Angriffe gegen Biden - Zeitung appelliert an Wähler

"New York Times": Trump ist seines Amtes nicht würdig - 17.10.2020 16:50 Uhr

Die Anhänger der Präsidentschaftskandidaten Trump und Biden sind gleichermaßen davon überzeugt, dass bei einem Sieg des gegnerischen Kandidaten die Lage schlimmer würde.

© Charlie Neibergall, dpa


Zweieinhalb Wochen vor der Präsidentenwahl in den USA hat Amtsinhaber Donald Trump seine Angriffe gegen die Familie seines Herausforderers Joe Biden verschärft. "Joe Biden ist ein korrupter Politiker", sagte der Republikaner am Freitag (Ortszeit) bei einem Wahlkampfauftritt in Ocala im US-Bundesstaat Florida. "Und die Biden-Familie ist ein kriminelles Unternehmen."

Kommentatoren der "New York Times" riefen unterdessen die Wähler in einem eindringlichen Meinungsartikel zur Abwahl Trumps auf, der seines Amtes nicht würdig sei. Der Artikel wurde nicht in Zusammenhang mit Trumps jüngsten Aussagen, sondern mit Blick auf seine fast vierjährige Amtszeit veröffentlicht.

Große Anhäufung von Aufregern

Trumps Bemühungen um seine Wiederwahl stellten "die größte Bedrohung für die amerikanische Demokratie seit dem Zweiten Weltkrieg dar", schreibt das Editorial Board, eine Gruppe von Kommentatoren, die unabhängig von der Nachrichtenredaktion der renommierten US-Zeitung arbeitet. "Die Ungeheuerlichkeit und Vielfalt der Vergehen von Mr. Trump kann überwältigend sein. Wiederholung hat das Gefühl der Empörung abgestumpft und die Anhäufung neuer Aufreger lässt wenig Zeit, sich mit den Einzelheiten zu befassen."

Bilderstrecke zum Thema

Präsidentschaftswahl 2020: So stimmen Promis in den USA ab

Wer setzt sein Wahlkreuz bei Donald Trump? Welche Promis legen sich für Joe Biden ins Zeug? Viele prominente Amerikanerinnen und Amerikaner haben bereits Farbe bekannt.


Trumps Auftritt in Florida ist ein weiteres Beispiel dafür, dass er als Präsident mit seiner Art Normen und Gepflogenheiten außer Kraft setzte. Der 74-Jährige beschuldigte seinen Rivalen und dessen Familie, reich geworden zu sein, "während Amerika ausgeraubt wurde". Trump bezeichnete "Mainstream-Medien" als "Volksfeinde" und warf ihnen vor, über "die weltweit größte Geschichte" nicht zu berichten - gemeint war die angebliche Korruption des Demokraten Biden.


US-Wahl: Das will Trump-Herausforderer Joe Biden


Trump-Anhänger skandierten bei der Nennung von Bidens Namen "Sperrt ihn ein" - mit dieser Parole hatten Trump-Unterstützer im Wahlkampf vor vier Jahren dessen Herausforderin Hillary Clinton bedacht. Trump erhebt seit langem und ohne Beweise Korruptionsvorwürfe gegen Ex-Vizepräsident Biden und gegen dessen Sohn Hunter, die nun von der Boulevardzeitung "New York Post" befeuert wurden.

Bilderstrecke zum Thema

Donald Trump: Ein US-Präsident wie keiner vor ihm

Am 20. Januar 2017 wurde der Immobilien-Milliardär Donald Trump zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt. Längst ist klar: Einen solchen Präsidenten hatten die USA noch nie. Ständig gibt es Show und Selbstlob, während Fehler immer auf die Kappe anderer gehen. Und in der Substanz: Abreißen, was seine Amtsvorgänger in 70 Jahren amerikanischer Außenpolitik aufgebaut haben.


Die Zeitung versuchte in den vergangenen Tagen in mehreren Artikeln, Joe Biden mit früheren Geschäften seines Sohnes Hunter Biden in der Ukraine und in China in Verbindung zu bringen. Das Blatt veröffentlichte E-Mails, die belegen sollten, dass Hunter Biden damals versucht habe, Profit aus dem Amt seines Vaters als Vizepräsident unter Barack Obama zu schlagen. Die Zeitung wertete die Mails auch als Beleg dafür, dass Joe Biden entgegen seiner Aussage von den umstrittenen Auslandsgeschäften seines Sohnes gewusst habe. Biden bestreitet, dass er sich etwas habe zuschulden kommen lassen. Am Freitag nannte er die Artikel der "New York Post" eine "Schmutzkampagne".

Die Echtheit der Mails ist nicht bestätigt. Fragwürdig ist auch, wie sie öffentlich wurden. Sie sollen auf einem Laptop in einer Reparaturwerkstatt gefunden worden sein. Die "New York Post" bekam nach eigenen Angaben vor einer Woche eine Kopie der Festplatte von Rudy Giuliani, dem langjährigen persönlichen Anwalt und Vertrauten Trumps. Die Kopie sei vom Besitzer der Reparaturwerkstatt angefertigt worden, bevor der Laptop im Dezember 2019 von der Bundespolizei FBI beschlagnahmt worden sei, berichtete die Zeitung.

Bilderstrecke zum Thema

Joe Biden: Schicksalsschläge, Stottern und grenzenloser Ehrgeiz

Joe Biden - trotz seiner Bewerbung um das Amt des US-Präsidenten bleibt der Kandidat der Demokraten für viele eine blasse Figur. Zu Unrecht: Denn Biden blickt auf ein bewegtes Leben. In politischer wie persönlicher Hinsicht.


Hunter Biden war zwischen 2014 und 2019 Mitglied im Aufsichtsrat des Gaskonzerns Burisma. Trump bezichtigte Biden unter anderem, sein Amt als Vizepräsident genutzt zu haben, um zu versuchen, seinen Sohn vor der ukrainischen Justiz zu schützen. Biden weist das zurück. Trump wollte dazu Ermittlungen in der Ukraine erreichen. Der Konflikt brachte ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump ins Rollen, das im Februar an der republikanischen Mehrheit im Senat scheiterte.

Trump liegt in landesweiten Umfragen hinter Biden. Wegen des komplizierten Wahlsystems sind diese aber mit Vorsicht zu genießen. Die Sprecherin des Weißen Hauses warf den Umfrageinstituten am Samstag vor, mit "aufgeblasenen" Umfragen die öffentliche Meinung zu beeinflussen.


Trump: Der Patient im Weißen Haus - was wir alles nicht wissen


Die "New York Times" schreibt über Trump, er stehe "ohne echte Rivalen als der schlechteste amerikanische Präsident in der modernen Geschichte da". Die Kommentatoren vertiefen ihre Vorwürfe in weiterführenden Artikeln am Beispiel einzelner Themen. Trumps Amtszeit habe gezeigt, dass er nicht in der Lage sei, die dringlichsten Probleme des Landes zu lösen, weil er selbst das dringlichste Problem des Landes sei. Er sei ein "rassistischer Demagoge", ein "Isolationist" und ein "ewiger Showman".

Die "Fundamente der amerikanischen Zivilgesellschaft" hätten bereits gebröckelt, bevor Trump 2015 seine Bewerbung um die Präsidentschaftskandidatur bekanntgab, hieß es in dem Artikel weiter. "Aber er hat die schlimmsten Tendenzen in der amerikanischen Politik verschärft: Unter seiner Führung ist die Nation polarisierter, paranoider und gemeiner geworden." Es könne Jahrzehnte dauern, bis das volle Ausmaß seines Fehlverhaltens ans Licht komme. "Aber was bereits bekannt ist, ist schockierend genug."

Welches Zitat stammt wirklich von Trump?

© NICHOLAS KAMM / AFP

Hat er das gesagt - oder doch nicht? Testen Sie hier Ihr Trump-Wissen!

© NICHOLAS KAMM / AFP

© Screenshot

Frage 1/17:

"Es schneit und friert in New York. Wir brauchen globale Erwärmung!"

Ja - das war ein Tweet von Trump vom 7. November 2012.

© NICHOLAS KAMM / AFP

© dpa

Frage 2/17:

"Ich liebe ihren oberen Körper."

Ja - das sagte Trump über das Aussehen von Halle Berry in der "Howard Stern Show" am 6. Februar 2013.

© NICHOLAS KAMM / AFP

© dpa

Frage 3/17:

"Ich will nichts schwabbeln sehen."

Nein - das hat nicht Trump gesagt, sondern Heidi Klum in der 11. Staffel von "Germany's Next Top Model" (GNTM) am 30. März 2018.

© NICHOLAS KAMM / AFP

© ANDREW YATES/AFP/Getty Images

Frage 4/17:

"Es wird jetzt interessant - Quietschender-Hintern-Zeit nenne ich das."

Nein - es war Manchester Uniteds Trainer Alex Ferguson, der so den Kampf um die Premier-League-Meisterschaft kommentierte.

© NICHOLAS KAMM / AFP

© Brendan Smialowski / AFP

Frage 5/17:

"Das hier ist mehr Arbeit als früher. Ich dachte, es wäre leichter."

Ja – so antwortete Trump in einem Reuters-Interview am 28. April 2017.

© NICHOLAS KAMM / AFP

© Electronic Arts/dpa/tmn

Frage 6/17:

"Nur ich kann ewig leben."

Nein – das sagt Lord Voldemort in dem Harry-Potter-Band "Heiligtümer des Todes".

© NICHOLAS KAMM / AFP

© Evan Vucci / dpa

Frage 7/17:

“Meine Finger sind lang und schön, wie gut dokumentiert wurde, auch andere Teile meines Körpers."

Ja – das war Trumps Reaktion auf eine spöttische Bemerkung im Spy Magazine, in auf die er am 4. März 2011 in einem Interview mit der Promiseite "Page Six" der New York Post antwortete.

© NICHOLAS KAMM / AFP

© Wolfgang Kumm / dpa

Frage 8/17:

"Wir können keinen Leuten trauen, die solch schlechtes Essen haben."

Nein – diese Aussage über die Briten machte Frankreichs Präsident Jacques Chirac am Rande des Treffens mit Bundeskanzler Gerhard Schröder und Russlands Präsident Wladimir Putin in Kaliningrad am 3. Juli 2005.

© NICHOLAS KAMM / AFP

© Rick Wilking/AFP

Frage 9/17:

"Ich habe ein gewinnendes Naturell. Ich weiß zu gewinnen."

Ja – das sagte Trump beim ersten TV-Duell gegen Hillary Clinton am 27. September 2016.

© NICHOLAS KAMM / AFP

© dpa

Frage 10/17:

"Du kommst nie bis zum Gesicht, weil der Body so gut ist."

Ja – das sagte Donald Trump über das Äußere von Paris Hilton in der "Howard Stern Show" am 7. Januar 2004.

© NICHOLAS KAMM / AFP

© Screenshot

Frage 11/17:

"Lerne immer von den Fehlern anderer, nicht von deinen eigenen – das ist der viel billigere Weg."

Ja – das ist ein Trump-Tweet vom 23. Dezember 2013.

© NICHOLAS KAMM / AFP

© David Giesbrecht/AP/dpa

Frage 12/17:

"Für die von uns, die es bis an die Spitze der Nahrungskette schaffen, darf es keine Gnade geben."

Nein – dieser Satz stammt von Frank Underwood aus der Netflix-Serie "House of Cards".

© NICHOLAS KAMM / AFP

© TIMOTHY A. CLARY / AFP

Frage 13/17:

"Wenn dich jemand angreift, zögere nicht. Ziele auf die Halsschlagader. Schlage massiv zurück!"

Ja – diesen Rat gibt Trump in einem 16 Seiten langen Kapitel über Rache in seinem Buch "Think Big And Kick Ass".

© NICHOLAS KAMM / AFP

© ANDREW LIPOVSKY/AFP/Getty Images

Frage 14/17:

"Sich zu entschuldigen ist eine großartige Sache. Allerdings musst du dafür unrecht haben."

Ja – das hat Trump gesagt im Gespräch mit Jimmy Fallon in dessen "Tonight Show" am 12. September 2015.

© NICHOLAS KAMM / AFP

© Twentieth Century Fox Film Corporation 2007

Frage 15/17:

"Um beliebt zu sein, muss man nett sein, jeden Tag. Um gehasst zu werden, muss man gar nichts tun."

Nein – das sagt Homer Simpson in der Serie "Die Simpsons".

© NICHOLAS KAMM / AFP

© Brendan Smialowski/AFP/Getty Images

Frage 16/17:

"Schwarze Typen zählen mein Geld. Ich hasse das."

Ja – so wird Trump zitiert in USA Today vom 20. Mai 1991. Das Foto zeigt Trump am 27. Februar 2017 bei einem Treffen im Oval Office mit Repräsentanten von Universitäten mit überwiegend schwarzer Studierendenschaft.

© NICHOLAS KAMM / AFP

© John Taggart / Pool/BLOOMBERG POOL/dpa

Frage 17/17:

"Ich habe Ideen, die die menschliche Existenz in den nächsten 100 Jahren besser machen kann. Punkt."

Nein – das hat Rapper Kanye West gesagt in der Talkshow von Ellen DeGeneres am 19. Mai 2016. Hier geht es zu unserem Themenarchiv: Alles über Donald Trump

© NICHOLAS KAMM / AFP

Lust auf ein weiteres Quiz?

Dann hier entlang!

Die "New York Times" hat sich Anfang Oktober offiziell hinter Joe Biden gestellt. Zuvor hatte bereits das Editorial Board der "Washington Post" Biden und der Vizekandidatin Kamala Harris offiziell die Unterstützung ausgesprochen und Trump als den "schlechtesten Präsidenten der Neuzeit" bezeichnet.


Kennen Sie schon unseren Chefredakteurs-Newsletter? Die NN-Chefredakteure Alexander Jungkunz und Michael Husarek liefern einmal wöchentlich Informatives und Unterhaltsames rund um unser Medienhaus. 

Hier kostenlos abonnieren!

dpa

1

1 Kommentar

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Politik