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Warum die deutsche Nationalhymne gut ist, wie sie ist

Thüringens Ministerpräsident Ramelow wünscht sich eine neue Hymne - 09.05.2019 20:04 Uhr

Der thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelow wünscht sich eine neue deutsche Nationalhymne. © Jens Kalaene (dpa)


Da hat der thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linkspartei) einen echten Debatten-Klassiker ausgegraben: die deutsche Nationalhymne. Viele seiner ostdeutschen Landsleute würden nicht mitsingen, gibt er zu bedenken, während er selbst die dritte Strophe des Deutschlandlieds zwar mitsinge, dabei aber das Bild von Naziaufmärschen zwischen 1933 und 1945 nicht ausblenden könne.

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Das muss bei jemandem, der einen Amtseid auf die Verfassung und damit auf die freiheitlich-demokratische Grundordnung geleistet hat, schon stutzig machen. Haben die Nationalsozialisten einst den Text von Hoffmann von Fallersleben für sich entdeckt und genutzt? Ja, haben sie, indem sie nur die erste Strophe schmetterten ("Deutschland, Deutschland über alles").

Doch gerade dadurch, dass wir heute die dritte Strophe dieses Liedes als unsere Nationalhymne betrachten ("Einigkeit und Recht und Freiheit"), setzen wir uns doch über jenes ideologisch eingeengte Weltbild hinweg. Welcher aufrechte Demokrat kann denn etwas gegen Einigkeit (aller Deutschen), Recht (im Sinne von Rechtsstaat) und Freiheit (das spricht für sich selbst) haben?

Der Bamberger Reiter müsste  auch verschwinden

Es ist grundfalsch, sämtliche Konnotationen mit dem Dritten Reich aus dem Alltag verbannen zu wollen. Wer so denkt, müsste konsequenterweise den Bamberger Reiter aus dem dort gelegenen Dom holen, auch diese Statue haben die Nazis für ihre Zwecke instrumentalisiert. Nein, Herr Ramelow, die Nationalhymne, wie wir sie heute singen, bietet ebenso wie viele historische Orte (z.B. das Nürnberger Reichsparteitagsgelände oder verschiedene Konzentrations- oder Vernichtungslager) die Chance, sich über dieses dunkle Kapitel in unserer Geschichte zu informieren, sich damit auseinanderzusetzen und Verantwortung dafür zu übernehmen, dass so etwas nie wieder geschieht.

Wenn manche Bürger in den ostdeutschen Bundesländern die im Lied angesprochene "Einigkeit" zwischen Ost und West nicht empfinden, so ist das bedauernswert, aber ganz sicher nicht der Lyrik in einem Lied aus dem 19. Jahrhundert geschuldet, sondern Politikern, die es fast drei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung nicht geschafft haben, annähernd gleiche Lebensverhältnisse in beiden Teilen Deutschlands zu schaffen. Es erscheint lohnenswert, für dieses Ziel etwas Hirnschmalz zu verwenden, anstatt eine Debatte zu befeuern, die letztlich bloß wieder einen Keil zwischen Ost und West treibt.

Anders ausgedrückt: Nicht die Hymne muss der Lebenswirklichkeit angepasst werden - umgekehrt wird ein Schuh daraus.


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