Vernetzung und Digitalisierung

Das Fahrrad wird zum Smart-Bike

8.5.2022, 10:10 Uhr
Heute spielt das Smartphone noch eine zentrale Rolle beim vernetzten E-Bike. Künftig soll das Fahrrad auch mit anderen Fahrzeugen und der Infrastruktur kommunizieren. Das erhöht die Verkehrssicherheit.

© Bosch Heute spielt das Smartphone noch eine zentrale Rolle beim vernetzten E-Bike. Künftig soll das Fahrrad auch mit anderen Fahrzeugen und der Infrastruktur kommunizieren. Das erhöht die Verkehrssicherheit.

Das Rad ist in den letzten Jahren mehr oder weniger neu erfunden worden. Zum einen, weil es sich dank elektrischer Unterstützung zum E-Bike beziehungsweise Pedelec weiterentwickelt hat. Zum anderen aber auch, weil es durch zunehmende Vernetzung zum Smart- oder Connected-Bike aufsteigt und sich so ins sogenannte "Internet der Dinge" (Internet of Things, IoT) integriert.

"Brauch ich alles nicht", mag der eine oder andere da granteln. Doch die Sache verdient nähere Betrachtung. Natürlich muss nicht jeder Freizeitradler die Möglichkeit haben, über eine App wie die des US-Herstellers Cannondale den hauseigenen Laufradsensor zu koppeln. Oder seine Fitnessdaten und Tourerlebnisse mit anderen zu teilen.

Der Helm holt Hilfe

Interessanter wird es aber schon, wenn Systeme an den nächsten Servicetermin erinnern oder via App eine Verbindung zum Reifendrucksensor herstellen. Und richtig relevant ist das Thema Sicherheit – ein Bereich, der auch vonseiten des Zubehörs digital optimiert wird. So registrieren Sensoren in Helmen, wenn es zu einem Sturz kommt, setzen in diesem Fall gleich einen Notruf ab und sorgen dafür, dass die Rettungskräfte die Unfallstelle orten und so schnellstmöglich helfen können. Der Hersteller Haibike beispielsweise stattet seine E-Bikes mit dem sogenannten eConnect-System aus – auch hier merken Sensoren, wenn die Fahrgeschwindigkeit abrupt abbricht und das Fahrrad auf der Seite liegt. Der Fahrer bekommt dann via Smartphone eine Meldung. Reagiert er nicht, erfolgt ein Notruf.

Virtuelle Schutzengel

Bei Bosch spricht man von "virtuellen Schutzengeln", die den Radfahrenden begleiten und im Ernstfall Hilfe holen. "Großes Potenzial", sagt Claus Fleischer, Chef der Sparte "e-Bike Systems", sehe man da auch im Bereich "Bike-to-X". Für viele Jahre bleibe das Thema zwar noch Zukunftsmusik. Irgendwann aber werden Fahrräder mit ihrer Umwelt kommunizieren können. Mit Autos oder Lkws beispielsweise: Unter anderem werden diese Fahrzeuge dann Warnsignale ans Bike schicken – eine Möglichkeit, das Risiko des Toten Winkels zu reduzieren und Abbiege-Unfälle zu vermeiden.

Schon heute spricht der Pressedienst Fahrrad davon, dass Digitalisierung ein neues Kaufkriterium sei. Deutlich verbessert hat sie bereits den Diebstahlschutz. Die RX-App von Riese & Müller ist nur eine, die Alarm schlägt, wenn das Fahrrad bewegt oder entfernt wird; auch andere Anbieter - Tout Terrain etwa - verbauen im Fahrrad einen GPS-Chip, mit dessen Hilfe dann die Position des Diebesguts festzustellen ist. Und der digitale Schlüssel einer App wie der von Fit – einem Spin-Off des e-Bike-Herstellers Flyer – verriegelt wie eine Wegfahrsperre bestimmte elektronische Komponenten.

Mehr Leistung freischalten

Und dann sind da noch Updates "Over the Air": Man kennt sie schon vom Auto, sie machen es möglich, dem Bike via Internet neue und verbesserte Funktionen aufzuspielen. Die "Flow App" von Bosch kann das beispielsweise, und über die von Fit lässt sich im Bedarfsfall mehr Leistung freischalten: Für die Mountainbike-Tour in den Bergen etwa, oder eine besonders anstrengende Tour mit dem Kinderanhänger.

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