Premium-Limousinen mit Allradantrieb

Prestige-Duell: Mercedes C 300 4Matic und BMW 330i xDrive

26.5.2022, 10:11 Uhr
Premium-Duell: 3er BMW (links) und Mercedes C-Klasse.

© Hersteller Premium-Duell: 3er BMW (links) und Mercedes C-Klasse.

Vor einem knappen Jahr hat Mercedes die neue Generation der C-Klasse in den Markt entlassen, der aktuelle 3er-BMW ist bereits seit etwa drei Jahren auf den Straßen unterwegs. Schon auf den ersten Blick gefallen Linienführung und Proportionen der beiden Kontrahenten. Im Falle der C-Klasse wirkt insbesondere die Motorhaube mit ihrem Powerdome sportlich, auch BMW hat die 3er-Karosserie ansprechend gezeichnet. Der 330i tritt mit Laser-Licht an, während der Mercedes mit digitalen LED-Scheinwerfern vorfährt. Beide Lösungen bedeuten auf nächtlichen Fahrten ein großes Sicherheitsplus.

Die C-Klasse kombiniert ein digitales Fahrerdisplay mit einem hochkant installierten Touchscreen fürs Infotainment.

Die C-Klasse kombiniert ein digitales Fahrerdisplay mit einem hochkant installierten Touchscreen fürs Infotainment. © Hersteller

Die Raum- und Sitzverhältnisse stellen jeweils vor allem vorne zufrieden. Im Mercedes finden Erwachsene von durchschnittlicher Körpergröße aber auch in der zweiten Reihe ausreichend Platz vor und genießen ein komfortables Unterkommen. Etwas enger geht es auf der straffer gepolsterten Rückbank des BMWs zu, der eher zur Spezies "Fahrer-Auto" gehören will.

Im 3er BMW verschmelzen die Bildschirme zu einer optischen Einheit.

Im 3er BMW verschmelzen die Bildschirme zu einer optischen Einheit. © Hersteller

Ansprache auf Zuruf

Im Cockpit des C 300 fällt besonders der große Zentral-Touchscreen ins Auge. Über ihn lässt sich das Infotainment-System MBUX weitgehend intuitiv bedienen. Per Touchscreen stellt man unter anderem die Assistenzsysteme, die Klimatisierung und die Funktionen der Sitzmassage ein. Die Stuttgarter haben in das System zwar viel hineingepackt, aber die Bedienung überfordert den Fahrer nach kurzer Eingewöhnung kaum noch. Zusätzlich wird die Ansprache auf Zuruf - "Hey Mercedes" – angeboten, dann hilft der immer schlauer agierende Sprachassistent. Rundum vernetzt ist die Mercedes C-Klasse sowieso - bis hin zu den Updates "Over-the-Air". Hinzu kommen viele, teils optionale elektronische Assistenten. Das farbige Head-up-Display beispielsweise zaubert sogar ein virtuelles, gleichsam über der Motorhaube schwebendes Bild ins Blickfeld des Fahrers/der Fahrerin.

Auch im BMW erweist sich die Bedienung als einfach und die Sprachsteuerung als formidabel, weniger gilt das für die Gestensteuerung. Und wie im Mercedes lässt es sich bei den Assistenzsystemen noch umfangreich aufrüsten.

Bei Materialien und Verarbeitung müssen praktisch bei beiden Modellen keine Abstriche gemacht werden. Nicht zuletzt ist dank umklappbarer Rückenlehnen Variabilität gegeben. Der Gepäckraum der C-Klasse fasst laut Norm 455 Liter, beim 330i sind es 480 Liter.

Bissig, aber kultiviert

Die jeweiligen Modellbezeichnungen könnten zwar auf Motoren mit größerem Hubraum schließen lassen, tatsächlich aber handelt es sich um turbogeladene Zweiliteraggregate. Die Leistung beträgt jeweils 190 kW/258 PS, die der BMW etwas früher (ab 5000 Touren) erreicht. Beim maximalen Drehmoment (400 Newtonmeter) ziehen beide gleich, der 3er stellt es schon bei niedrigeren Drehzahlen - ab 1550 Touren - bereit. Der BMW-Vierzylinder reagiert bissiger als der des Kontrahenten, gleichwohl agiert er kultiviert beim Hochdrehen, was sich als wahre Freude erweist.

Gemäß der sportlichen Markenphilosophie positioniert sich der 3er als "Driver's Car".

Gemäß der sportlichen Markenphilosophie positioniert sich der 3er als "Driver's Car". © Hersteller

Beim Mercedes unterstützt ein Mildhybridsystem, das zusätzlich zum Verbrenner bis zu 15 kW und 200 Newtonmeter Drehmoment elektrisch boosten kann. Während der Schubphasen erzeugt der Elektromotor Energie, die in einer Batterie gespeichert wird. Daraus schöpft das 48-Volt-Bordnetz den Strom für Elektronik und Elektrik, während das Fahrzeug im Eco-Modus "segelt" bzw. im Leerlauf ausrollt und der Ottomotor ausgeschaltet wird. Die Kraft des Vierzylinders überträgt eine harmonisch schaltende Neungangautomatik, beim ebenfalls mit 48-V-Mildhybridtechnologie ausgestatteten BMW 330i ist es eine Achtgangautomatik. Sie agiert nach unserem Fahreindruck hinsichtlich der Abstufung und der Leistungsentfaltung besser, hinzu kommt die erwähnt dynamischere Motorisierung.

Bei der Topspeed auf Augenhöhe

Das bestätigen auch die Fahrleistungen: Der 330i sprintet schneller von Null auf Tempo 100, 5,6 Sekunden stehen 6,0 Sekunden beim C 300 gegenüber. Zudem verbucht der BMW auch ein kleines Plus bei den Elastizitätswerten, was sich in den Zwischenspurts niederschlägt. Gleichauf liegen die beiden schließlich bei der Höchstgeschwindigkeit, die jeweils 250 km/h beträgt.

Stichwort Verbrauch: Nach WLTP-Norm konsumiert der Mercedes 7,1 l/100 km, der BMW 6,7 l/100 km. In der Praxis nehmen beide um die acht Liter auf der Distanz zu sich, mit leichten Vorteilen für den 330i. Zurückhaltend bewegt, sind beide mit kaum mehr als sechs Litern zu fahren.

Duo mit Allradantrieb

Beide Modelle treten mit Allradantrieb (4Matic beziehungsweise xDrive) an. Durch das straffe Fahrwerk wird der Komfort des BMW bei Autobahnfahrt auf Querrillen selbst im „Comfort-Modus“ reduziert. Dagegen kommt dem 330i die Abstimmung auf Landstraßen zugute: Da ist er in seinem Element, das ausgezeichnete Handling wird hier deutlich spürbar. Besonders präzise arbeitet dabei die Lenkung, sie reagiert vorbildlich, soll heißen, sie spricht dann nicht so spitz an wie bei höherem Autobahntempo. Auch gut: Der 330i verzögert vehement, beim C-300-Testwagen empfanden wir den Pedalweg der Bremsen als ungewohnt lang beziehungsweise weich.

Im C 300 4Matic lenken auch die Hinterräder mit - allerdings nicht serienmäßig.

Im C 300 4Matic lenken auch die Hinterräder mit - allerdings nicht serienmäßig. © Hersteller

Wenn gewünscht, macht eine Hinterachslenkung (1249 Euro Aufpreis) den "C" noch agiler. Dabei lenken die Hinterräder bis Tempo 60 um maximal 2,5 Grad gegenläufig zu den Vorderrädern. Das verhilft dem Mercedes zu mehr Handlichkeit in engen Kurven, verringert den Wendekreis und ist nicht nur für sportliche Fahrer empfehlenswert.

Mitbewerber mit vier Ringen

Zu den Preisen: Die von uns gefahrene Version des Mercedes C 300 4Matic kostet 53.015 Euro (Grundpreis), den BMW 330i xDrive M Sport gibt es laut Liste ab 56.500 Euro. Zum ganz engen Kreis der Mitbewerber zählt der Audi A4 TFSI Quattro, der in vielen Disziplinen auf einem ähnlich hohen Niveau rangiert. Seine Eckdaten: 195 kW/265 PS, 370 Newtonmeter, 460 Liter Kofferraumvolumen.

Vor allem den Vielfahrern unter der Kundschaft bieten Mercedes und BMW für C-Klasse und 3er weiterhin starke Diesel als Antriebsalternative an. Das gilt auch für die Kombiversionen.

Update: Aktuell hat BMW den 3er einer Modellpflege unterzogen. Beim 330i reduzieren innermotorische Maßnahmen den Schadstoffausstoß, parallel dazu sinkt auch die Leistung etwas, konkret auf 180 kW/245 PS. Die Höchstgeschwindigkeit bleibt davon unberührt. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h erfolgt nunmehr in 5,7 Sekunden. Die Produktion der überarbeiteten 3er-Modelle beginnt im Juli, ebenfalls im Juli werden erste Kunden ihre Fahrzeuge erhalten. Der Einstiegspreis für den 330i steigt dann auf 56.100 Euro, mit M-Sport-Paket auf 60.300 Euro.

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