Gutes Raumklima

Richtig lüften im Winter: Bestimmte Fehler sollten Sie vermeiden

Elias Thiel

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6.2.2024, 15:32 Uhr
Kippen oder ganz auf? Hier erfahren Sie, wie Sie Ihre Wohnung richtig lüften.

© PantherMedia / Antonio Guillen Fernández via IMAGO Kippen oder ganz auf? Hier erfahren Sie, wie Sie Ihre Wohnung richtig lüften.

In diesem Artikel:

Ein gutes Raumklima ist wichtig – egal, ob bei der Arbeit, in der Schule oder in den eigenen vier Wänden. In Innenräumen verbringen wir die meiste Zeit des Tages: In Deutschland und anderen mitteleuropäischen Ländern verbringen erwachsene Menschen im Schnitt etwa 80 bis 90 Prozent ihrer Zeit in Innenräumen, berichtet das Bundesministerium für Umwelt und Naturschutz. Daher ist es umso wichtiger für die Gesundheit und das Wohlbefinden, dass die Raumluft unbelastet und das Raumklima angenehm ist.

In geschlossenen Räumen kann die Luft auf verschiedene Arten belastet sein, beispielsweise wenn es stickig ist oder abgestanden riecht. Das ist ein Zeichen für eine zu hohe Kohlendioxid-Kombination und zu wenig Frischluft. Auch Schadstoffe aus Möbeln und Baumaterialien, Tabakrauch und chemische Reinigungsmittel können die Luft in Innenräumen verschlechtern.

Die Qualität der Raumluft wird wesentlich von der Außenluft beeinflusst. Aber auch ein schlechtes Lüftungsverhalten spielt eine zentrale Rolle. Aber wie funktioniert richtiges Lüften und worauf sollte man dabei achten?

Verunreinigungen der Innenraumluft können durch verschiedene Aktivitäten wie Rauchen, Kochen und Heizen entstehen. Besonders Feuchtigkeit, die beim Kochen, Waschen und Duschen entsteht, begünstigt die Bildung von Schimmel, der wiederum gesundheitliche Probleme verursachen kann. Bei einem Schimmelbefall in der Wohnung können gesundheitliche Symptome wie Atemwegsprobleme, allergische Reaktionen und Reizungen auftreten. Schimmel kann mittelfristig auch die Bausubstanz schädigen. Schimmel in der Wohnung sollte man deshalb unverzüglich behandeln. Regelmäßiges Lüften ist eine vorbeugende Maßnahme gegen diese Probleme.

Regelmäßiges Lüften spielt eine entscheidende Rolle, indem die verbrauchte und belastete Luft durch frische Außenluft ersetzt wird. Dadurch wird nicht nur der Sauerstoffgehalt erhöht, sondern auch die Konzentration von Schadstoffen in der Raumluft reduziert. Diese Maßnahme trägt dazu bei, Allergene, Staub, Schimmelsporen und andere Schadstoffe zu entfernen, was die Raumluftqualität verbessert und Atemwegsprobleme sowie allergische Reaktionen verringern kann.

Richtiges Lüftungsverhalten ist aber auch essenziell, um Schimmelbildung und Feuchtigkeitsschäden an Möbeln und Wänden zu verhindern. In modernen, relativ luftdichten Häusern kommt es schnell zu ungünstigen raumklimatischen Bedingungen einschließlich eines erhöhten CO₂-Gehalts, wenn nicht genug gelüftet wird. Dies ist besonders problematisch in kleinen oder schlecht belüfteten Räumen mit vielen Menschen. Sogenannte Passivhäuser haben deshalb ein automatisches Lüftungssystem, um Gerüche, Feuchtigkeit und Schadstoffe nach außen zu leiten. Gibt es so etwas in Ihrem Haus oder Ihrer Wohnung nicht, müssen Sie aber selber tätig werden.

Ein angenehmes Raumklima setzt sich aus verschiedenen Faktoren wie der Luftfeuchtigkeit, -temperatur und -geschwindigkeit zusammen. Allerdings ist das Empfinden eines guten Raumklimas individuell und von persönlichen Vorlieben abhängig. Daher gibt es keine universelle Definition für ein optimales Raumklima.

Die empfohlenen Temperaturen variieren auch je nach Art des Raumes. Gemäß den Richtlinien des Umweltbundesamtes werden beispielsweise folgende Temperaturen empfohlen:

  • Wohn- und Arbeitsräume: 20 bis 22 Grad Celsius
  • Küche: 18 Grad Celsius
  • Schlafzimmer: 17 bis 18 Grad Celsius
  • Bad: 22 Grad Celsius

Während der Heizperiode ist es nachts ratsam, die Temperatur in Wohn- und Arbeitsräumen um etwa vier bis fünf Grad zu reduzieren, um Heizenergie zu sparen. Dennoch sollte die Temperatur nicht unter 17 Grad Celsius fallen, da dies das Risiko von Schimmelbildung erhöhen könnte. Die relative Luftfeuchtigkeit sollte zwischen 30 und 65 Prozent gehalten werden, empfiehlt das Bundesministerium für Umwelt und Naturschutz.

Zum Wohnungslüften gibt es verschiedene Methoden, darunter das Stoßlüften, Dauerlüften, Querlüften und Fensterkippen.

Fensterkippen

Die Fenster "auf Kipp" zu öffnen, ist die wohl ineffizienteste Methode. Dabei wird das Fenster nur leicht geöffnet, was zu einem langsamen Luftaustausch führt. Dafür wird das Fenster lange offen gelassen.

Im Sommer ist das okay, im Winter sollte man gekippte Fenster definitiv vermeiden: Denn der Bereich um den Kippspalt herum kühlt mit der Zeit stark aus und Feuchtigkeit setzt sich dort ab. Zudem verbleibt vergleichsweise viel Feuchtigkeit im Raum, während Wände und Möbel auskühlen. Das erhöht die Schimmelgefahr.

Dauerlüften

Beim Dauerlüften wird ein Fenster stundenlang offen gelassen, entweder "auf Kipp" oder ganz offen. Auch das ist im Sommer machbar, für den Winter aber ungeeignet. Nach einigen Minuten bei offenem Fenster wird die Luft nicht mehr besser - dafür kühlen aber Wände und Möbel stark ab und müssen mit viel Heizenergie wieder auf erträgliche Temperaturen gebracht werden.

Stoßlüften

Beim Stoßlüften öffnet man alle Fenster und Türen für eine kurze Zeitspanne, normalerweise etwa 20 bis 30 Minuten im Sommer und 5 bis 10 Minuten im Winter. Dadurch erfolgt ein effizienter Luftaustausch, bei dem die verbrauchte Luft durch frische Luft ersetzt wird. Stoßlüften eignet sich besonders gut, um Feuchtigkeit und unangenehme Gerüche schnell zu beseitigen und kann mehrmals am Tag durchgeführt werden. Am besten lüftet man zudem quer.

Querlüften

Querlüften meint das Öffnen der Fenster auf gegenüberliegenden Seiten des Raumes, um eine effektive Luftzirkulation zu schaffen. Dies fördert einen schnellen Austausch von Innen- und Außenluft und trägt zur effizienten Belüftung des Raumes bei. Man kann auch quer durch mehrere Zimmer lüften, wenn man die dazwischenliegenden Türen öffnet und mit einem Türstopper oder Ähnlichem gegen das Zuknallen sichert. Dann merkt man in der Regel einen Luftstrom auch im Flur oder über die ganze Etage. Nach ein paar Minuten sollte man alle Fenster wieder schließen.

Das Stoßlüften sollte mindestens zweimal täglich durchgeführt werden. Wer den ganzen Tag arbeiten ist, kann dies beispielsweise sehr gut morgens und abends tun. Wenn man zuhause ist und die Möglichkeit hat, sollte man bestenfalls sogar viermal am Tag lüften. Vor allem in der Küche und im Bad ist häufiges Stoßlüften ratsam, insbesondere nach dem Kochen oder Duschen, um Schimmelbildung vorzubeugen.

Beim Stoßlüften reichen in der Regel 20 bis 30 Minuten im Sommer und 5 bis 10 Minuten im Winter. Wer es genauer wissen will, kann sich an diese Faustregeln halten:

  • Die Effizienz des Luftaustauschs ist bei kaltem Wetter höher, daher genügen von Dezember bis Februar 5 bis 10 Minuten Stoßlüften.
  • Bei Temperaturen um 0 Grad Celsius sind bereits 3 bis 5 Minuten ausreichend.
  • Für die Übergangszeiten im März und November reichen etwa 10 Minuten aus, während für April, Mai, September und Oktober eine Dauer von 15 Minuten für angemessen betrachtet wird.
  • In den wärmeren Monaten von Juni bis August wird hingegen eine längere Lüftungsdauer von 25 bis 30 Minuten empfohlen.

Im Sommer sollte bei schwüler Luft nur dann stoßgelüftet werden, wenn die Außentemperatur niedriger als die Innentemperatur ist. Dazu lüftet man am besten am frühen Morgen und lässt die Fenster dann tagsüber zu.

Wie oft und lange gelüftet wird, hängt allerdings auch von weiteren Faktoren wie Schimmel, Bauschäden, Innenraumschadstoffe, eigenen Wünschen, Belastung durch Gerüche und Schadstoffe, Dämmung des Gebäudes, Lage des Gebäudes und der Jahreszeit beziehungsweise dem Außenklima ab.


Häufig gestellte Fragen zum Thema "Richtig lüften":

Die kontinuierliche Belüftung im Kipp-Modus ist ineffektiv. Bei der Methode kühlt der Raum nicht nur schnell aus, sondern der Luftaustausch ist auch sehr gering und nimmt deutlich mehr Zeit in Anspruch.

Dauerlüften ist nicht empfehlenswert, da dies ebenfalls zu einem ineffizienten Energieverlust führt. Wenn Fenster oder Türen kontinuierlich im geöffneten Zustand belassen werden, kühlt der Raum stark aus. Dies kann wiederum Schimmelbildung begünstigen.


Am Morgen und am Abend ist das Lüften besonders wichtig, um die Luftfeuchtigkeit zu regulieren, insbesondere in den Wintermonaten. Vor dem Schlafengehen frische Luft zuzuführen, fördert außerdem einen guten Schlaf.

Zudem ist vor allem in der Küche und im Bad häufiges Stoßlüften ratsam, vornehmlich nach dem Kochen oder Duschen, um der Schimmelbildung vorzubeugen.

In der Wohnung sollte man regelmäßig lüften, um die Luftfeuchtigkeit in einem Raum auf einem angemessenen Niveau zu halten. In der Wohnung liegt die ideale Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 60 Prozent. Spätestens, wenn dieser Wert überschritten wird, sollte man den Raum gründlich lüften.

Diese Fehler gilt es, beim Lüften zu vermeiden:

  • Kurzzeitiges Lüften für wenige Sekunden
  • Kipplüften im Winter
  • Seltenes Lüften
  • Kein Lüften nach Wasserdampf
  • Räume auskühlen lassen
  • Heizkörper und kalte Wände mit Möbeln zustellen

Mit diesen 10 Tipps kann man Schimmel effektiv vorbeugen:

1. Regelmäßiges Lüften

Bestenfalls sollte man zwei bis viermal täglich lüften. Vor allem Stoßlüften und Durchzugslüften gelten als effektiv.

2. Bad und Küche öfter lüften

Nach dem Baden, Duschen und Kochen sollte man bestenfalls direkt lüften, um Schimmelbildung vorzubeugen.

3. Stoßlüften statt Dauerlüften

Anstelle vom Dauerlüften sollte man lieber häufiger stoßlüften, um Energieverlust vermeiden. Dafür öffnet man für 10 bis 15 Minuten vollständig die Fenster.

4. Freie Außenwände im Schlafzimmer

Damit die Außenwände frei sind und sich die Heizungsluft ungehindert ausbreiten kann, sollte man mindestens 10 Zentimeter zwischen den Möbeln und den Außenwänden frei lassen.

5. Kondenswasser am Fenster beachten

Bei vorhandenem Kondenswasser auf der Innenseite des Fensters sollte man dieses wegwischen. Zudem sollte man die Ursache ermitteln: Denn dies ist ein Zeichen für Schimmelgefahr. Möglicherweise sind die Fenster undicht oder es gibt zu wenig Luftzirkulation.

6. Richtige Raumtemperaturen

Um Schimmel vorzubeugen, sollte man den Wohnbereich auf 20 Grad Celsius und das Schlafzimmer auf 17 bis 18 Grad Celsius heizen. Bei Temperaturen unter 16 Grad droht Schimmel, sodass auch wenig genutzte Räume geheizt werden sollten.

7. Luftfeuchtigkeit messen

Mit einem Hygrometer kann man die Luftfeuchtigkeit messen. Diese sollte im Winter unter 50 Prozent liegen.

8. Wäsche im Freien trocknen

Um Schimmel entgegenzuwirken, sollte man zusätzliche Feuchtigkeit in der Wohnung vermeiden und zum Beispiel die Wäsche im Freien trocknen, falls möglich. Mehr Informationen finden Sie in unserem Beitrag "Wäsche trocknen im Winter".

9. Schimmelverdacht prüfen

Wer Verdacht auf einen Schimmelbefall hat, sollte diesen mit einem Schimmeltest oder einer Laboranalyse überprüfen und gegebenenfalls entsprechende Maßnahmen ergreifen.

10. Maßnahmen zur Wärmedämmung

Maßnahmen zur Wärmedämmung können dazu beitragen, die Gefahr von Wärmebrücken mit kühlen Wandtemperaturen zu verringern. Wenn im Zuge einer energetischen Sanierung jedoch luftdichte Fenster installiert werden, braucht es anschließend eine verstärkte Belüftung. Somit lässt sich die Feuchtigkeit im Raum reduzieren und das Risiko von Schimmelbildung minimieren.

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