Kirschbaum: "Habe über Zeitung von Club-Abschied erfahren"

20.4.2019, 08:18 Uhr
Böse Worten will Thorsten Kirschbaum nicht über seinen Ex-Verein aus Nürnberg verlieren. Doch ein wenig Enttäuschung ist beim derzeitigen Werkself-Keeper doch zu spüren.

© Sportfoto Zink / DaMa Böse Worten will Thorsten Kirschbaum nicht über seinen Ex-Verein aus Nürnberg verlieren. Doch ein wenig Enttäuschung ist beim derzeitigen Werkself-Keeper doch zu spüren.

Hallo Herr Kirschbaum. Sie sind die Nummer drei bei Bayer Leverkusen. Wie müssen wir uns Ihren Alltag vorstellen? Arbeit, sprich Training von Montag bis Freitag, und am Wochenende einen guten Platz auf der Haupttribüne?

Thorsten Kirschbaum: Klingt nicht schlecht, aber nein (Kirschbaum lacht). Ich bin hier bei Bayer keine klassische Nummer drei. Im Training bin ich voll dabei und bei jedem Spiel auf der Bank. Das hieß in dieser Saison mit Bundesliga, Europa League und DFB-Pokal natürlich auch viel reisen. Und in Larnaka durfte ich ja auch mal zwischen die Pfosten. Aber ja: Ich sehe super Fußball aus der ersten Reihe.

"Kirsche" erwartet Defensiv-Club

Heute geht es gegen Ihren alten Verein und Herzensklub 1. FC Nürnberg. Was erwarten Sie von dem Spiel?

Kirschbaum: Man braucht kein Fußball-Prophet zu sein, um zu wissen, dass der Club wohl erst mal den Fokus auf die Defensive legen wird. Sie werden versuchen, unser individuelles Tempo herauszunehmen und lange die Null zu halten. Wir sind aber gut in Form, würde ich sagen, auch wenn die Ergebnisse das zuletzt nicht ganz so widergespiegelt haben.

Für Sie selbst war nach drei Jahren beim FCN im Sommer Schluss. Zwar haben Sie 51 Spiele für den Club gemacht, dennoch hat man Ihnen immer wieder einen anderen Keeper vor die Nase gesetzt. Wie bitter war der Abschied aus Ihrer Heimat Mittelfranken?

Kirschbaum: Ich will nicht mehr viel darüber sagen, die Verantwortlichen sind ja auch gar nicht mehr beim Club. Aber: Es kam damals für mich sehr überraschend. Ich habe über Zeitungsberichte in meinem Urlaub davon erfahren, dass mein Vertrag nicht verlängert wird. Ich bin davon ausgegangen, dass ich nach dem Aufstieg bleibe. Ich habe mich ja auch superwohl gefühlt. Wieder weg zu müssen hat schon wehgetan. Aber so ist das Geschäft.

Das Schicksal als Nummer drei

Von einer Bundesliga-Fahrstuhlmannschaft zu einem Klub, dessen Anspruch es jedes Jahr ist, Europapokal zu spielen. Wie kam der Kontakt mit Leverkusen zustande?

Kirschbaum: Bayer 04 wollte mich schon zweimal haben, aber da hat es jeweils nicht ganz gepasst. Jetzt war es für mich eine tolle Chance. Ich habe aber nur für ein Jahr unterschrieben, weil ich es mir schwer vorstellen konnte, den Rest meiner Karriere als Nummer drei zu verbringen. Dennoch bin ich superglücklich, dass ich hierher gegangen bin. Gerade Euro League war einmalig.

Können Sie es sich jetzt vorstellen, als Nummer drei alt zu werden?

Kirschbaum: Ich mache mir natürlich meine Gedanken. Die Tendenz geht aktuell eher Richtung Abschied aus Leverkusen im Sommer. Es gibt die eine oder andere Anfrage und ich suche noch mal eine andere sportliche Herausforderung. In den nächsten Wochen werde ich mit meiner Frau Johanna dann eine Entscheidung treffen. Zweite Liga ist möglich, Dritte auch und Ausland auch.

Kirschbaum: Nein zu FCN-Comeback

Und zurück zum Club?

Kirschbaum: Nein. Man soll zwar niemals nie sagen, aber derzeit kann ich es mir nicht vorstellen. Ansonsten ist noch alles offen.

Sie trainieren jeden Tag mit Kai Havertz, Jonathan Tah und Julian Brand, Hoffnungsträgern im deutschen Fußball, und mit Leon Bailey, den ebenfalls internationale Top-Vereine jagen. Bekommen Sie jede Einheit die Bude voll?

Kirschbaum: Die individuelle Qualität im Kader ist enorm hoch. Das Schöne ist, dass ich jedes Training an mein Limit gehen muss und dadurch lerne ich jeden Tag noch dazu. Mit Leuten wie Kai zu kicken, der mit seinen 19 Jahren unfassbare Qualitäten hat, intuitiv unfassbar viele gute Entscheidungen auf dem Platz trifft und noch lange nicht am Ende seiner Entwicklung ist, ist eine super Erfahrung. Dazu kommt, dass die Voraussetzungen hier in Leverkusen brutal gut sind. Es fehlt an absolut nichts. Nur wenige Klubs in der Bundesliga sind in dem Bereich so gut aufgestellt.

Kai Havertz ist 19, Sie werden am Samstag 32. Brauchen Sie schon Wärmesalbe vor und die Eistonne nach einem Training?

Kirschbaum: Haha. Ja, es tut schon das eine oder andere öfter weh – das habe ich aber schon seit Jahren. Mit jedem Jahr Leistungssport mehr – und ich bin nun ja auch schon bei 14 – musst du vor den Einheiten oder im Urlaub mehr machen. Andererseits weiß man das Privileg, seine Leidenschaft als Job zu haben, aber auch anders zu schätzen. Noch macht es mir jedenfalls irre viel Spaß.

Kirschbaum wünscht Club den Klassenerhalt

Leverkusen liegt zwei Punkte hinter einem Euro-League-Platz, Nürnberg drei hinter dem Abstiegs-Relegationsplatz. Wer schafft sein Ziel noch?

Kirschbaum: Bei uns bin ich optimistischer. Für den Club wird es extrem schwer. Ich wünsche ihnen den Klassenerhalt, auch wegen ihrer tollen Fans.

Zum Abschluss ganz persönlich: Was war Ihr Jahres-Höhepunkt?

Kirschbaum:Das war natürlich das Spiel in Larnaka. Ich durfte 90 Minuten ran, wir haben 5:1 gewonnen und sind als Gruppensieger in die Zwischenrunde eingezogen. Es war mein Europapokal-Debüt. Ein überragendes Erlebnis, das mich durchaus ein bisschen stolz macht.

Verwandte Themen


5 Kommentare