Alles, was Sie über die Stromtrasse wissen müssen

3.7.2015, 14:19 Uhr
Bei der vom Netzbetreiber Amprion geplanten Strompassage Süd-Ost handelt es sich um eine Gleichstromleitung. Die Gleichstromtechnik ermöglicht laut Amprion eine „verlustarme Übertragung großer Mengen Energie und stabilisiert das bestehende Wechselstromnetz“.
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Bei der vom Netzbetreiber Amprion geplanten Strompassage Süd-Ost handelt es sich um eine Gleichstromleitung. Die Gleichstromtechnik ermöglicht laut Amprion eine „verlustarme Übertragung großer Mengen Energie und stabilisiert das bestehende Wechselstromnetz“. © dpa

Die geplante Stromtrasse soll mithilfe der Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) Strom mithilfe einer weiteren Trasse von Norddeutschland in den Süden bringen. Bei diesem Verfahren werden große elektrische Leistungen bei sehr hohen Spannungen transportiert. Gleichstrom wird im Englischen durch das Kürzel DC ausgedrückt, das von der englischen Bezeichnung „direct current“ stammt. Aus unseren Steckdosen kommt übrigens Wechselstrom (AC = alternating current). Hier wird der Gleichstrom in Umspannwerken zu Wechselstrom umgewandelt.
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Die geplante Stromtrasse soll mithilfe der Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) Strom mithilfe einer weiteren Trasse von Norddeutschland in den Süden bringen. Bei diesem Verfahren werden große elektrische Leistungen bei sehr hohen Spannungen transportiert. Gleichstrom wird im Englischen durch das Kürzel DC ausgedrückt, das von der englischen Bezeichnung „direct current“ stammt. Aus unseren Steckdosen kommt übrigens Wechselstrom (AC = alternating current). Hier wird der Gleichstrom in Umspannwerken zu Wechselstrom umgewandelt. © A. Sichelstiel

Amprion ist beim Bau der 450 Kilometer langen Trasse von  Bad Lauchstädt in Sachsen-Anhalt nach Meitingen in Bayern - die
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Amprion ist beim Bau der 450 Kilometer langen Trasse von Bad Lauchstädt in Sachsen-Anhalt nach Meitingen in Bayern - die "Gleichstrompassage Süd-Ost" - für den Abschnitt im Freistaat zuständig. Ein ursprünglicher Entwurf sollte eigentlich mitten durch Franken und die Oberpfalz führen. © NN-Infografik

Die Amprion GmbH mit Sitz in Dortmund betreibt ein 11.000 Kilometer langes Übertragungsnetz zwischen Niedersachsen und Süddeutschland mit 160 Schalt- und Umspannanlagen. Aufgabe der rund 950 Mitarbeiter ist es, jederzeit Strom zu marktgerechten Preisen sicher zu übertragen.
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Die Amprion GmbH mit Sitz in Dortmund betreibt ein 11.000 Kilometer langes Übertragungsnetz zwischen Niedersachsen und Süddeutschland mit 160 Schalt- und Umspannanlagen. Aufgabe der rund 950 Mitarbeiter ist es, jederzeit Strom zu marktgerechten Preisen sicher zu übertragen. © Wolfgang Fellner

Es sind noch weitere Stromtrassen nach Bayern geplant. Die rund 800 Kilometer lange sogenannte Suedlink-Verbindung - von den Übertragungsnetzbetreibern TenneT TSO und TransnetBW - soll ab dem Jahr 2022 Windstrom von Schleswig-Holstein bis nach Bayern und Baden-Württemberg transportieren.
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Es sind noch weitere Stromtrassen nach Bayern geplant. Die rund 800 Kilometer lange sogenannte Suedlink-Verbindung - von den Übertragungsnetzbetreibern TenneT TSO und TransnetBW - soll ab dem Jahr 2022 Windstrom von Schleswig-Holstein bis nach Bayern und Baden-Württemberg transportieren. © AFP

Grundlage für die Leitungen ist der nationale Netzentwicklungsplan. Er soll den Ausbaubedarf des deutschen Strom- und Gasnetzes in den nächsten zehn bis 20 Jahren darstellen. 2012 wurde der Plan zum ersten Mal ausgearbeitet, und zwar von den vier Übertragungsnetzbetreibern Tennet, Amprion, 50Hertz und TransnetBW.
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Grundlage für die Leitungen ist der nationale Netzentwicklungsplan. Er soll den Ausbaubedarf des deutschen Strom- und Gasnetzes in den nächsten zehn bis 20 Jahren darstellen. 2012 wurde der Plan zum ersten Mal ausgearbeitet, und zwar von den vier Übertragungsnetzbetreibern Tennet, Amprion, 50Hertz und TransnetBW. © Harald Munzinger

Der Netzentwicklungsplan bildet wiederum die Grundlage für den Bundesbedarfsplan. Das Bundesbedarfsplangesetz haben der Bundestag und der Bundesrat zugestimmt und ist am 26. Juli 2013 in Kraft getreten treten. Notwendigkeit und der vordringliche Bedarf wurden damit verbindlich festgelegt. Damit ist es nicht mehr möglich, die Trassen ansich in Frage zu stellen bzw. eine Alternativroute anzufechten. Geplant ist der Neubau von 2.800 Kilometern Leitungstrassen und die Verstärkung von 2.900 Kilometern bestehender Trassen.
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Der Netzentwicklungsplan bildet wiederum die Grundlage für den Bundesbedarfsplan. Das Bundesbedarfsplangesetz haben der Bundestag und der Bundesrat zugestimmt und ist am 26. Juli 2013 in Kraft getreten treten. Notwendigkeit und der vordringliche Bedarf wurden damit verbindlich festgelegt. Damit ist es nicht mehr möglich, die Trassen ansich in Frage zu stellen bzw. eine Alternativroute anzufechten. Geplant ist der Neubau von 2.800 Kilometern Leitungstrassen und die Verstärkung von 2.900 Kilometern bestehender Trassen. © dpa

Bis 2016 soll der endgültige Verlauf der Stromtrasse festgelegt werden. Genehmigungsbehörde ist die Bundesnetzagentur. Sie führt mit der Bundesfachplanung die länderübergreifende Raumordnung durch sowie das anschließende Planfeststellungsverfahren.
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Bis 2016 soll der endgültige Verlauf der Stromtrasse festgelegt werden. Genehmigungsbehörde ist die Bundesnetzagentur. Sie führt mit der Bundesfachplanung die länderübergreifende Raumordnung durch sowie das anschließende Planfeststellungsverfahren. © Reinl

Das Planfeststellungsverfahren soll bis 2018 abgeschlossen sein. Ab 2019 wird mit dem Bau der Trassen begonnen und anschließend ein Probebetrieb durchgeführt. Ab 2022 werden nach den bisherigen Plänen die neuen Stromtrassen in Betrieb genommen.
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Das Planfeststellungsverfahren soll bis 2018 abgeschlossen sein. Ab 2019 wird mit dem Bau der Trassen begonnen und anschließend ein Probebetrieb durchgeführt. Ab 2022 werden nach den bisherigen Plänen die neuen Stromtrassen in Betrieb genommen. © Reinl

Noch gibt es dazu aber viele ungeklärte Fragen, zum Beispiel den angemessenen Abstand der Trasse zur Wohnbebauung: Dazu gibt es nur schwammige Formulierungen, aber keine klaren Regeln. Stromleitungen müssen so weit von Wohnhäusern entfernt sein, dass die in der 26. Bundesimmissionsschutzverordnung (26. BImSchV) geregelten Feldgrenzwerte eingehalten werden.
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Noch gibt es dazu aber viele ungeklärte Fragen, zum Beispiel den angemessenen Abstand der Trasse zur Wohnbebauung: Dazu gibt es nur schwammige Formulierungen, aber keine klaren Regeln. Stromleitungen müssen so weit von Wohnhäusern entfernt sein, dass die in der 26. Bundesimmissionsschutzverordnung (26. BImSchV) geregelten Feldgrenzwerte eingehalten werden. © Edgar Pfrogner

Diese Grenzwerte liegen bei 100 Mikrotesla für magnetische Felder und 5000 Volt pro Meter für elektrische Felder. Feste Abstände lassen sich pauschal nicht beziffern. Deshalb wird in jedem Einzelfall der jeweilige Abstand festgelegt, wobei die Bundesnetzagentur die Nachweise zur Einhaltung der Grenzwerte prüft.
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Diese Grenzwerte liegen bei 100 Mikrotesla für magnetische Felder und 5000 Volt pro Meter für elektrische Felder. Feste Abstände lassen sich pauschal nicht beziffern. Deshalb wird in jedem Einzelfall der jeweilige Abstand festgelegt, wobei die Bundesnetzagentur die Nachweise zur Einhaltung der Grenzwerte prüft. © Berny Meyer

Eine mögliche unterirdische Verlegung der Stromkabel als Alternative birgt seine Tücken. Die unterirdische, isolierte Leitungsführung in Tunneln oder Röhren ist für den Abschnitt in der Metropolregion nicht geplant. Dort sollen die Kabel oberirdisch über Ausleger an riesigen Masten geführt werden.
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Eine mögliche unterirdische Verlegung der Stromkabel als Alternative birgt seine Tücken. Die unterirdische, isolierte Leitungsführung in Tunneln oder Röhren ist für den Abschnitt in der Metropolregion nicht geplant. Dort sollen die Kabel oberirdisch über Ausleger an riesigen Masten geführt werden. © dpa

Der Trassenkorridor bezeichnet einen Gebietsstreifen, innerhalb dem die Trasse einer Stromleitung verläuft und für die die Raumverträglichkeit festgestellt werden soll oder festgestellt ist. Nach der Gesetzesbegründung soll der Trassenkorridor in der Bundesfachplanung 500 bis 1000 Meter breit sein.
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Der Trassenkorridor bezeichnet einen Gebietsstreifen, innerhalb dem die Trasse einer Stromleitung verläuft und für die die Raumverträglichkeit festgestellt werden soll oder festgestellt ist. Nach der Gesetzesbegründung soll der Trassenkorridor in der Bundesfachplanung 500 bis 1000 Meter breit sein. © afp

In Mittel- und Oberfranken sowie in der Oberpfalz regt sich enormer Widerstand gegen die geplante Stromautobahn: In Raitersaich gingen beispielsweise am Samstag, den 7. Februar, rund 250 Bürger gegen den geplanten Bau der Stromtrassen auf die Straße.
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In Mittel- und Oberfranken sowie in der Oberpfalz regt sich enormer Widerstand gegen die geplante Stromautobahn: In Raitersaich gingen beispielsweise am Samstag, den 7. Februar, rund 250 Bürger gegen den geplanten Bau der Stromtrassen auf die Straße. © Hans-Joachim Winckler

Bürgerinitiativen aus Oberfranken und Ansbach zeigten sich mit den Forderungen der Raitersaicher solidarisch. Der Pegnitzer Bürgermeister, Uwe Raab, und einer der Hauptvertreter des Stromtrassen-Widerstands, forderte dazu auf, gegen das
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Bürgerinitiativen aus Oberfranken und Ansbach zeigten sich mit den Forderungen der Raitersaicher solidarisch. Der Pegnitzer Bürgermeister, Uwe Raab, und einer der Hauptvertreter des Stromtrassen-Widerstands, forderte dazu auf, gegen das "Monster-Projekt" zu kämpfen und für eine dezentrale Versorgung mit Strom einzutreten. © Hans-Joachim Winckler

Nächtliches Highlight: Nach Anbruch der Dunkelheit brachten die Demonstranten allein durch die elektromagnetische Strahlung unter der Hochspannungsleitung Leuchtstoffröhren zum Leuchten. Mehr Impressionen von der Demo am Samstag in Raitersaich.
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Nächtliches Highlight: Nach Anbruch der Dunkelheit brachten die Demonstranten allein durch die elektromagnetische Strahlung unter der Hochspannungsleitung Leuchtstoffröhren zum Leuchten. Mehr Impressionen von der Demo am Samstag in Raitersaich. © Hans-Joachim Winckler

Wochenlang wurde beim Energiedialog über die Stromtrasse diskutiert, unter anderem mit Wirtschaftsministerin Ilse Aigner. Wirklich weiter gekommen sind die Verantwortlichen dabei aber auch nicht.
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Wochenlang wurde beim Energiedialog über die Stromtrasse diskutiert, unter anderem mit Wirtschaftsministerin Ilse Aigner. Wirklich weiter gekommen sind die Verantwortlichen dabei aber auch nicht. "Ich glaube nicht, dass Bayern zwei Trassen braucht", sagte Aigner etwa im Anschluss. "Die Formel lautet 2 minus X. Wie groß das X ausfällt, hängt von den Verhandlungen in Berlin ab." © dpa

Im Juni 2015 unterbreitet Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel einen Kompromissvorschlag - und schlägt damit wohl Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer vor den Kopf, der die Stromtrasse am liebsten komplett aus dem Freistaat verbannen möchte. Demnach könnte die Stromtrasse über den Ostbayernring führen, eine Leitung, die ohnehin aufgerüstet werden soll. Die Masten würden von Redwitz in Oberfranken in einem Bogen bis in die Nähe von Marktredwirtz und dann über Weiden nach Schwandorf führen - auch durch den Landkreis Nürnberger Land.
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Im Juni 2015 unterbreitet Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel einen Kompromissvorschlag - und schlägt damit wohl Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer vor den Kopf, der die Stromtrasse am liebsten komplett aus dem Freistaat verbannen möchte. Demnach könnte die Stromtrasse über den Ostbayernring führen, eine Leitung, die ohnehin aufgerüstet werden soll. Die Masten würden von Redwitz in Oberfranken in einem Bogen bis in die Nähe von Marktredwirtz und dann über Weiden nach Schwandorf führen - auch durch den Landkreis Nürnberger Land. © dpa

Beim Energie-Gipfel im Kanzleramt am 2. Juli 2015 hat Horst Seehofer nach eigener Einschätzung alle Kernanliegen Bayerns durchgesetzt. Er sei mit den Ergebnissen
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Beim Energie-Gipfel im Kanzleramt am 2. Juli 2015 hat Horst Seehofer nach eigener Einschätzung alle Kernanliegen Bayerns durchgesetzt. Er sei mit den Ergebnissen "rundum zufrieden". Laut dem CSU-Chef sind auch sämtliche Monstertrassen in Bayern kein Thema mehr. © dpa

Eine Infoveranstaltung am 19. Februar sollte die interessierten Bürger Altdorfs über die Pläne des Übertragungsnetzbetreibers Tennet aufklären. Tennet war jedoch nicht erschienen, die Fronten zwischen Bürgern und Netzbetreiber Tennet verhärteten sich spürbar.
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Eine Infoveranstaltung am 19. Februar sollte die interessierten Bürger Altdorfs über die Pläne des Übertragungsnetzbetreibers Tennet aufklären. Tennet war jedoch nicht erschienen, die Fronten zwischen Bürgern und Netzbetreiber Tennet verhärteten sich spürbar. © Eduard Weigert