Untere Brücke in Bamberg: Stadtrat entscheidet sich trotz Corona-Verstößen gegen eine Sperrung

21.5.2021, 15:12 Uhr
Eine neue Beschilderung auf der Unteren Brücke in Bamberg soll auf das Alkoholverbot und die Maskenpflicht hinweisen.

Eine neue Beschilderung auf der Unteren Brücke in Bamberg soll auf das Alkoholverbot und die Maskenpflicht hinweisen. © Ella Gößelein

In den letzten Wochen blickte ganz Bayern nach Bamberg. Die Untere Brücke am Alten Rathaus ist aufgrund vieler Verstöße gegen die Corona-Auflagen negativ in die Schlagzeilen geraten. Trotz Maskenpflicht und Alkoholverbot treffen sich dort bei schönem Wetter jedes Wochenende viele Menschen ohne Maske und Mindestabstand. Zunächst hatten Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) und Bürgermeister Johannes Glüsenkamp (Grüne) an die Bürger der Stadt appelliert und um Vernunft gebeten.


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„Wer die Regeln nicht einhält, riskiert, dass der Inzidenzwert in Bamberg wieder über 100 steigt mit der Folge, dass die Schulen wieder eingeschränkt werden, die KiTas nicht mehr für alle geführt werden und die Außengastronomie wieder geschlossen werden muss“, so Starke. Doch auch Gespräche, das Verteilen von Flugblättern und erhöhte Polizeipräsenz konnten die feiernden jungen Menschen nicht aufhalten. Zuletzt hatte die Stadt auch eine neue Beschilderung angebracht, die klar auf das Alkoholverbot hinweist. Aufgrund der anhaltenden Versammlungen zog Starke eine Vollsperrung der Brücke in Erwägung.

Beliebter Ort für junge Menschen

Bereits vor der Corona-Pandemie war die Untere Brücke in der Bamberger Innenstadt ein beliebter Platz bei gutem Wetter. Besonders für junge Menschen und die Studierenden der Stadt stellt die Brücke einen zentralen Ort dar. Durch die Sperrung würde dieser soziale Treffpunkt zumindest vorübergehend wegfallen. Auch tagsüber sitzen immer wieder Fußgänger und Touristen auf den Mauern der Brücke. „Es gehört einfach zum Stadtbild, dass immer viele Leute auf der Unteren unterwegs sind“, erzählt Jonas Braun, der in Bamberg studiert und mit seinen Freunden auch gelegentlich Zeit auf der Brücke verbringt. Dass Menschen während der Pandemie dort feiern, ohne auf Abstand- und Maskenpflicht zu achten fände er allerdings nicht richtig.


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Er habe Verständnis dafür, dass die Stadtverwaltung aufgrund des großen öffentlichen Interesses nicht einfach wegsehen könne. Dass die bisherigen Maßnahmen der Stadt nicht den gewünschten Effekt gezeigt haben, bedauere er. „Es wäre natürlich Schade, wenn so ein wichtiger Treffpunkt wegfällt. Wenn die Stadt sich für eine Sperrung der Unteren Brücke entscheidet, kann ich das jedoch auch verstehen.“

Sperrung durch Stadtrat abgelehnt

Nach der Stadtratssitzung am Mittwoch, den 19. Mai, steht jedoch fest, dass eine Sperrung der unteren Brücke nicht in Frage kommt. Weder eine Sperrung der Brücke zwischen 17 und 23 Uhr für den Zeitraum vom 21.05.2021 bis zum 30.05.2021, noch der Kompromissvorschlag die Brücke nur über das Pfingstwochenende zu sperren, fand im Stadtrat eine Mehrheit. „Die Experten im Bamberger Krisenstab und die Polizei hatten diese Maßnahme gutgeheißen“, erklärt Andreas Starke.


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Auch Ideen wie das Einsetzten eines Streetworkers oder den Zugang auf die Brücke mit Testnachweis zu begrenzen wurden verworfen. Bei der Diskussion um eine Sperrung standen viele Argumente im Raum, erklärt die Stadt Bamberg in einer Pressemitteilung. Besonders der Hinweis, dass die Polizeibehörden kein zusätzliches Personal stellen könnten und die Lösung des Problems nicht auf die Polizei abgeschoben werden sollte, hätte für eine Mehrheit im Stadtrat sorgen können.

Dem gegenüber stehe jedoch das Argument, dass es mit Blick auf Freiheitsrechte und den Welterbestatus keine gesperrten Areale in Bamberg geben dürfe, so die Stadt weiter. Letztendlich standen jedoch auch die Interessen der jungen Menschen im Fokus. Diese seien die großen Verlierer der Pandemie und ebenso als Mitglieder der Stadtgesellschaft zu betrachten. Es gäbe aufgrund der Pandemie eben keine anderen Treffpunkte, heißt es von Seiten der Stadt. Dennoch Appellieren Andreas Starke und Jonas Glüsenkamp weiterhin an die Vernunft der Bevölkerung und an ein verantwortliches Verhalten im Sinne des Gesundheitsschutzes.