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Corona-Impfung: Bis zu sieben Dosen pro Fläschchen

Aus den Vakzin-Fläschchen darf jetzt mehr herauskommen. Schneller geht es deshalb aber wohl nicht - 07.04.2021 06:04 Uhr

Wie viele Impfungen kann man aus einer Dosis ziehen? Inzwischen spritzen die Ärzte "so viel wie möglich", beim Wirkstoff von Biontech sind das meistens sieben Stück. Anfangs waren nur fünf erlaubt. 

31.03.2021 © Rainer Heubeck, NN


Dr. Susanne Rösch-Niklas erinnert sich noch gut an die ersten Impfungen Ende Dezember in den Schwabacher Pflegeheimen: "Wenn ich daran denke, wie viele Impfdosen in den Fläschchen übrig waren und in den Müll geschmissen wurden, blutet mir heute noch das Herz." Das ist nicht mehr so, statt der fünf damals zugelassenen Portionen vom Biontech-Impfstoff dürfen inzwischen sieben verimpft werden. Die Ärztin ist heilfroh, aber der Weg bis dahin war lang.

Vor gut drei Monaten haben die Mediziner zunächst in den Pflegeeinrichtungen und dann in den Impfzentren die ersten Spritzen verabreicht, schnell haben sie gemerkt, dass nach der Abgabe der vom Hersteller zugelassenen fünf Dosen noch einiges in den Fläschchen blieb. "Wie viele Menschen hätten wir noch impfen können?", überlegt die Schwabacher Ärztin Dr. Rösch-Niklas heute noch.


Corona-Impfung beim Hausarzt: Es geht los


Relativ schnell sei man deshalb in die Offensive gegangen. Die sechste Dosis habe der Hersteller einige Wochen später erlaubt. In Bayern war es ab Mitte Januar vorgesehen, sechs Dosen zu geben. Aber im Impfzentrum in Roth haperte es zunächst an den passenden Spritzen. Seit die vorhanden sind, gilt immer noch die Sechser-Impfung, teilt auf unsere Anfrage die Pressesprecherin des Landratsamtes, Andrea Raithel, mit. Die Verantwortung, fügt sie hinzu, "liegt aber immer bei den Medizinern vor Ort".

Mit der Stadt Schwabach haben die impfenden Ärzte inzwischen aber vereinbart, dass "so viel wie möglich verimpft werden kann", also auch sieben Portionen. "Beim Astrazeneca-Impfstoff reichen die Fläschchen mit eigentlich zehn Dosen sogar für zwölf Spritzen, wenn man die richtigen Spritzen hat und sie mit ein bisschen Gefühl aufzieht", weiß Dr. Susanne Rösch-Niklas.

So viele Dosen wie möglich

Inzwischen dürfen auch die Hausärzte in ihren Praxen impfen - und verabreichen auch so viele Dosen wie möglich. "Erst gestern kam ein Schreiben von der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin", berichtet der Rother Arzt Dr. Jürgen Büttner, stellvertretender Landesvorsitzender des Hausärztebundes. "Es können sieben Dosen gewonnen werden, das ist dann auch kein Off-Label-Use" (das wäre die Vergabe der Vakzinmenge ohne die Genehmigung dazu). Denn bei 15 Millionen Dosen Impfstoff bilde es sehr wohl einen Unterschied, ob man sechs oder sieben Menschen mit einer Dosis impfen könne. Büttner: "Die siebte ist die Zusatzzahl - wie beim Lotto."

Die siebte Portion erhalte zum Beispiel jemand, der "de jure" vielleicht nicht ganz oben auf der Priorisierungsliste steht - de facto aber schon, sagt Dr. Peter Roch. Der Vorsitzende des Ärztlichen Kreisverbandes Südfranken und des Schwabacher Ärztenetzes will die Priorisierung "natürlich schon einhalten". Aber: "Wir haben eben auch schwerkranke jüngere Patienten." Da sei es doch "wichtiger, eine Tumorpatientin mit hohem Gesundheitsrisiko zu impfen als einen 78-Jährigen, der pumperlgsund ist und keinerlei Medikamente braucht". Rochs Credo: Die persönliche Situation der Patienten mit ihrem Gesundheitsrisiko soll ausschlaggebend sein. Deshalb bedeute ja das Impfen in den Hausarztpraxen so einen Fortschritt: "Wir kennen unsere Patienten und können die Notwendigkeit am besten abschätzen".

"Weiterhin nur mau"

Aber ob das Impfen jetzt schneller vorangeht? "Es wird weiterhin nur mau laufen", spekuliert der Schwabacher Allgemeinarzt Dr. Volker Rösch. "Vermutlich bleibt es bei den 20 Dosen pro Woche, weil die Bundesregierung will, dass vor den Hausarztpraxen erst die Impfzentren mit Impfstoff versorgt werden." Das wiederum bedeute viel Arbeit für die niedergelassenen Mediziner. Rösch: "Wir telefonieren alle Patienten der Altersgruppe ab, aber viele umsonst, weil sie längst einen Termin beim Impfzentrum haben. Dass sie ihn haben, ist ja auch gut, aber für uns halt mehr Arbeit."

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Deshalb appelliert die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) an alle bei Haus- und Fachärzten Geimpften, sich sofort danach aus dem Meldeportal BayIMCO auszutragen. Und bittet um Nachsicht mit dem Praxispersonal und um Geduld. In einer Pressemitteilung der KVB heißt es: „Wir hoffen, dass die Impfzusagen der Hersteller in Zukunft eingehalten werden, da die Impfstofflieferungen bis auf Weiteres der Flaschenhals der Impfkampagne bleiben. Ist die kontinuierliche Versorgung mit Vakzinen sichergestellt, ist der schnellste Weg zur Herdenimmunität das Verimpfen aller verfügbaren Impfstoffe über uns Niedergelassene.“

Carola Scherbel Roth-Hilpoltsteiner Volkszeitung

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