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DLRG-Experte erklärt: Darum sind Badeunfälle so häufig

Michael Förster sagt: "Sie springen rein, ohne nachzudenken" - 04.06.2019 05:01 Uhr

Momentan ist das Wasser in den Seen noch sehr kalt. Wer hineinspringt, sollte sich deshalb vorher schon mit dem kalten Wasser abgespritzt und sich daran gewöhnt haben. © Julian Stratenschulte/dpa


Herr Förster, am ersten heißen Wochenende des Jahres gab es in Bayern fünf tödliche Badeunfälle. Oft häufen sich solche Fälle vor allem zu Beginn der Badesaison. Woran liegt das?

Der ausgebildete Rettungsschwimmer und Rettungssanitäter Michael Förster (65) war schon als Student bei der DLRG. © Foto: DLRG Bayern


Viele Menschen freuen sich einfach so sehr, dass es erstmals im Jahr so heiß ist, wollen sich möglichst schnell im Wasser erfrischen und springen ohne nachzudenken rein. Dabei vernachlässigen sie aber die einfachsten Baderegeln, die man eigentlich schon als Kind lernt. Man sollte langsam ins Wasser gehen und sich langsam daran gewöhnen – besonders wenn das Wasser noch so kalt ist wie jetzt. Sonst bekommt man schnell Kreislaufprobleme.

Gibt es denn auch immer häufiger Badegäste, die ihre eigenen Schwimmfähigkeiten überschätzen?

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Ich habe schon den Eindruck, dass Leichtsinn und Selbstüberschätzung vor allem bei jungen Männern in den letzten Jahren zugenommen haben. Oft ist auch noch Alkohol im Spiel. Da wird schnell das Risiko unterschätzt, die eigenen Fähigkeiten werden überschätzt. Dazu kommt: Viele Flüsse führen derzeit noch Hochwasser, das ist natürlich besonders gefährlich.

Auch Senioren sind eine Risikogruppe: Viele erreichen mit 65 Jahren einen Punkt, an dem es kritisch wird mit der Gesundheit. Sie haben erhebliche Vorerkrankungen, hatten vielleicht schon mal einen Herzinfarkt. Bei großen Temperaturdifferenzen kann man da schnell kurz bewusstlos werden – und dann wird es im Wasser natürlich lebensgefährlich.

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Es gibt aber auch immer mehr Kinder, die nicht gut schwimmen können.

Das hat mehrere Ursachen. Zum einen natürlich die Migration. Viele Menschen kommen aus Ländern, in denen es kaum Schwimmbäder gibt oder in denen Schwimmunterricht nicht üblich ist. Einer der jetzt tödlich Verunglückten kam aus Pakistan, ein anderer aus Rumänien. Selbst in Osteuropa können viele nicht gut schwimmen, das erleben wir immer wieder mit Menschen aus Polen oder Russland.

Aber auch der Schwimmunterricht in Deutschland wird immer mehr ausgedünnt.

Das stimmt, liegt aber nicht daran, dass die Schulen nicht wollen. In den letzten zehn Jahren haben in Bayern ungefähr 100 Schwimmbäder geschlossen. Die Wege zu den Bädern werden dadurch immer weiter, da bleibt für den eigentlichen Unterricht nicht mehr viel Zeit. Außerdem ist zu beobachten, dass die Kinder im Schwimmunterricht immer unaufmerksamer werden, wohl auch durch die vielfältigen Medieneinflüsse. Dadurch ist der Erfolg des Unterrichts gefährdet. Mit einem Mausklick kann man alles bewegen – schwimmen kann man dadurch aber halt noch nicht.

Auch wenn ein Rettungsschwimmer am Ufer steht, hat man natürlich nie die absolute Sicherheit. Worauf sollte man selbst besonders achten?

Wenn man sich an einem Badesee noch nicht auskennt, sollte man immer erst einmal Ausschau halten und einprägen, wo sich die nächste Rettungsstation befindet. Außerdem sollte man auf Menschen achten, die unsicher im Wasser wirken und eben allgemein ein Auge auf die benachbarten Badegäste haben.

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