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Demut statt Sport: TV 61 Bruck warnt vor dem Saisonstart

Bayernliga-Handballer aus Erlangen wenden sich mit einem offenen Brief an den Verband - 17.09.2020 13:37 Uhr

Hart auf dem Feld, klar in der Meinung: Mirko Scholten und der TV 61 Bruck äußern sich in einem offenen Brief zum geplanten Saisonstart.

19.11.2017 © Harald Sippel


Spielen wollen sie alle lieber. Doch das Coronavirus zwang auch die Handballer zu einer langen Pause. Seit einiger Zeit sind gemeinsame Trainingseinheiten wieder erlaubt, sogar Freundschaftsspiele gab es. In den Wettkampfbetrieb möchte der Bayerische Handball-Verband Anfang Oktober einsteigen, die Erlaubnis der Staatsregierung gibt es, auch Zuschauer dürfen unter bestimmten Corona-Regeln wieder in die Hallen. 


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Viele Handballer dürfte das freuen. Die Mannschaft des TV 1861 Erlangen-Bruck aber warnt vor der Aufnahme des Wettkampfbetriebs. Mirko Scholten, erfahrener Spieler und Teil des Organisations-Teams, hat sich deshalb mit einem offenen Brief an die Öffentlichkeit gewandt. "Auf Grund der aktuellen Unsicherheiten sind wir besorgt, die kommenden Aufgaben und Hürden zu stemmen", schreibt er dort. 

Der Verein blicke einem Spielbetrieb ab 3. Oktober kritisch entgegen, "da wir, sollten Zuschauer zugelassen sein, die Sicherheit der Anwesenden nicht garantieren könnten und die Haftung nicht auf uns nehmen können", schreibt Scholten. "Sollte die Entscheidung auf einen Spielbetrieb ohne Zuschauern fallen, sehen wir große Probleme bei der Finanzierung von Spieltagskosten." Es geht um Sicherheit, aber auch um Geld, das in keinem Amateurverein reichlich vorhanden ist. 


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Die Erlanger befürchten "finanzielle Probleme oder gar coronabedingte Skandale", und das wäre "nicht unbedingt besser für den Handball". Man solle anders auftreten als die anderen Sportarten: "Demut, Ehrlichkeit und Bevölkerungsnähe" sei geboten, "vielleicht wäre ein Schritt zurück sogar öffentlichkeitswirksamer als ein erzwungener Start unter schwierigen Bedingungen". 

Mirko Scholten glaubt auch, dass der sportliche Wettkampf aktuell nicht fair wäre, er zweifelt an der "portlichen Bewertbarkeit einer Saison mit temporären Mannschaftsauschlüssen, zum Beispiel Quarantäne, regionaler Lockdown, Hallenschließungen". Für seine Mannschaft sei ein Aufschub des Saisonstarts zu verkraften: "Betrachtet man die sportliche Entwicklung, ist aus unserer Sicht konstante Trainings- und Testspielmöglichkeit deutlich mehr Wert, als regionale Unsicherheit." Viele Sportler sehen das anders: Sie wollen endlich spielen.

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