Erlangen: Geteiltes Echo zum verkaufsoffenen Sonntag

23.6.2020, 12:28 Uhr
An verkaufsoffenen Sonntagen sind die Fußgängerzonen voll. Darüber, ob Einkaufen am siebten Tag nötig ist, streiten sich die Geister.

© Harald Sippel An verkaufsoffenen Sonntagen sind die Fußgängerzonen voll. Darüber, ob Einkaufen am siebten Tag nötig ist, streiten sich die Geister.

"Ich habe den Eindruck, dass im Moment noch weniger darauf geachtet wird, was die Menschen brauchen, sondern was für die Wirtschaft wichtig ist", sagt der evangelische Dekan Peter Huschke.

"Sicher wird auch die Kirche über ihre Einstellung zur Sonntagsarbeit nachdenken müssen, wenn sich herausstellen sollte, dass diese tatsächlich den Menschen und den Geschäften hilft. Dann müssen wir auch über unsere Standards nachdenken. Ich glaube aber, dass das noch zu früh ist." Gleichzeitig warnt Huschke vor Schnellschüssen, "weil ich auch nicht weiß, ob wir in vier Wochen wieder einen Schnellschuss brauchen, weil sich die Lage völlig verändert hat".

In Coronazeiten nichts dazugelernt?

"Bei all dem immensen Schaden und Herausforderungen, die Corona uns brachte, der Lockdown zwang viele auch zum Überdenken und zur Besinnung", stellt Huschkes katholischer Amtskollege, Dekan Michael Pflaum, fest. Doch "wer den Sonntag als Ruhetag der Woche weiter aushöhlen will, hat anscheinend nichts in der Coronazeit dazugelernt", so Pflaum weiter.

Patrick Siegler, Vorsitzender des IHK-Gremiums Erlangen, plädiert hingegen dafür, die immer noch bestehende Regelung entfallen zu lassen, nach der für die Abhaltung eines verkaufsoffenen Sonntags ein konkreter Anlass vorhanden sein muss. "Daher wäre es sehr zu begrüßen, wenn die Staatsregierung zumindest bis zum Jahresende den Anlassbezug vorübergehend außer Kraft setzen könnte."

Nachteil für familiengeführte und kleinere Geschäfte?

Der DGB Erlangen zeigt sich "überrascht und provoziert" über die Unterstützung des Erlanger OB für einem Brief an Ministerpräsident Söder zur Genehmigung verkaufsoffener Sonntage trotz Ausfalls der Stadtfeste in Corona-Zeiten. "Dass der "Erlanger Herbst" in diesem Jahr aufgrund der Corona Pandemie abgesagt werden muss, ist angesichts des Volksfestcharakters bedauerlich. Schon mit Straßenfesten war aber der ökonomische Gewinn für den Einzelhandel umstritten", so der Erlanger DGB Vorsitzende Wolfgang Niclas. "Entgegen der gesetzlichen Regelung jetzt aber eine Genehmigung für verkaufsoffene Sonntage ohne Bindung an eine öffentliche Kulturveranstaltung zu fordern, verschärfe allenfalls die Konkurrenz zum Nachteil der familiengeführten und kleineren Geschäfte". Stattdessen gehe diese "Scheinlösung" voll und ganz zu Lasten der Beschäftigten.

 

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