Dienstag, 10.12.2019

|

zum Thema

Erlangen: Kein "Adventsticket" im öffentlichen Nahverkehr

Anregung des Stadtteilbeirats Innenstadt stößt auf wenig Gegenliebe - 05.11.2019 06:00 Uhr

Ein vergünstigtes Tagesticket für die Innenstadt, ein sogenanntes „Adventsticket“, hat der Stadtteilbeirat Innenstadt per Antrag gefordert. © Andre De Geare


Die Idee kam aus dem Stadtteilbeirat Innenstadt. Jene Bürgerrunde fände es gut, ein vergünstigtes Bus-Tagesticket für die Innenstadt einzuführen. Das Ganze könnte probeweise zur Adventszeit laufen und beispielsweise als "Glühweinticket" oder "Adventsticket" firmieren. Die Beiräte waren einhellig dafür und stellten einen entsprechenden Antrag, der jüngst im Umwelt-, Verkehrs- und Planungsausschuss zur Sprache kam, dortselbst aber nicht gerade Beifallsstürme auslöste.

Bilderstrecke zum Thema

Mobilität von morgen: Gute Ideen aus Franken

Vor allem die innerstädtische Mobilität wird sich wandeln, und das ruft neben den etablierten Automobilherstellern auch deren Zulieferer auf den Plan. Schaeffler aus Herzogenaurach hat gleich zwei Konzepte parat: Der Bio-Hybrid ist ein Mix aus Pedelec und Micro-Car, der bereits im nächsten Jahr auf den Markt kommen soll. Und der Mover fährt als autonomer Robo-Mini vor, dessen Plattform sich mit flugs austauschbaren Aufbauten kombinieren lässt.


Die Hindernisse und Vorbehalte schienen durchaus nicht klein. Denn ein vergünstigtes Tagesticket für die Innenstadt würde letztlich bedeuten, dass damit auch eine neue Tarifzone innerhalb der Tarifzone 400 geschaffen werden müsste, die den Bereich "Innenstadt" bündig definiert. Und das würde eine Änderung des VGN-Tarifzonenplans bedeuten. Die Einführung einer solch neuen Tarifzone für einen einzelnen Sondertarif widerspricht jedoch den Prinzipien der VGN-Tarifgestaltung. Letzlich bedarf es dazu der Zustimmung aller Gesellschafter und Grundvertragspartner im VGN. Und die Regierung von Mittelfranken müsste das Ganze noch absegnen. Überdies müssten die verminderten Einnahmen durch die Antragsteller dieses Sondertarifs ausgeglichen werden, hieß es.

Damit nicht genug. Die Stadtwerke wiesen ferner darauf hin, dass die während der Adventstage eingesetzten Busse stets "stark ausgelastet" sind und es besonders an den Adventssamstagen doch regelmäßig zu "Kapazitätsengpässen" komme. Sollte das beantragte "Adventsticket" am Ende doch eingeführt werden, käme es sicherlich zu einer merklich gesteigerten Nachfrage, was wiederum zusätzliche Fahrten nach sich zöge. Doch dazu fehlen schlicht die nötigen Busfahrer. Nicht zuletzt deshalb rieten die Stadtwerke von der Verwirklichung des gewünschten Sondertarifs ab.

Bilderstrecke zum Thema

Zahlen zum Verkehr: Das passiert an einem Tag auf unseren Straßen

Die meisten Daten zeigen, was sich innerhalb eines ganzen Jahres getan hat. Diese Grafiken dagegen rechnen Zahlen auf 24 Stunden herunter und vermitteln unter anderem, wie viele Unfälle in dieser Zeitspanne auf Deutschlands Straßen passieren oder wie lang alle Staus eines Tages zusammengerechnet sind.


Das stieß durchaus auf offene Ohren. Natürlich sei der ÖPNV eine sinnvolle Sache. Aber die Forderung nach jenem "Ticket" sei schon "sehr populär", der Einsatz "nicht effektiv genug" und deshalb "halten wir das für nicht sinnvoll", meinte SPD-Rätin Felizitas Traub-Eichhorn. Ablehnung auch vom CSU-Fraktions-Chef Jörg Volleth, obschon er den Antrag des Stadtteilbeirats "vom Grundsatz her nicht so verkehrt" fand. Schließlich habe die Stadt ja den Klimanotstand ausgerufen, und überhaupt möchte man den ÖPNV grundsätzlich fördern.

Hier gibt es mehr rund ums Thema: Mobilität in der Region

Die ablehnende Haltung der Stadtwerke in dieser Sache gründet auf handfeste Sorgen, Nöte und EU-Regelungen, die ESTW-Vorstandsvorsitzender Matthias Exner versuchte, deutlich zu machen. "Die EU will, dass jede Stadt ihr eigenes Ding macht". Unter anderem müssen sich die Stadtwerke nun selbst nach Busfahrern umschauen. Apropos Busfahrer – Exner wies darauf hin, dass das durchschnittliche Alter der Busfahrer bei etwa 50 Jahren liegt, dass die Leute inzwischen an ihre Leistungsgrenze stoßen, und zudem ein hoher Krankenstand zu beklagen sei. Auch deswegen mussten jüngst an einem Tag 45 von den 1350 täglichen Busfahrten gestrichen werden. Außerdem konnten "an acht Tagen nicht alle Fahrten durchgeführt werden". Exner sieht das Busfahrer-Thema generell als ein "größeres und ernstzunehmendes Problem, das wir lösen müssen." Die Ausschussrunde nahm die Erläuterungen der Stadtwerke einstimmig zur Kenntnis.

rwi Ein Kommentar von Rainer Wich

10

10 Kommentare

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Erlangen