-0°

Freitag, 27.11.2020

|

zum Thema

Erlangen: Römerboot geht beinahe unter

"Fridericiana Alexandrina Navis" der FAU lief mit Wasser voll - 22.09.2020 16:35 Uhr

Glück im Unglück: Professor Dr. Boris Dreyer prüft das noch schwimmende FAU-Römerboot auf mögliche Schäden.

22.09.2020 © Hans von Draminski


Was den Projektleiter, Professor Dr. Boris Dreyer vom Lehrstuhl für Alte Geschichte der Friedrich-Alexander-Universität, besonders traurig macht: Eigentlich hätte das "Fridericiana Alexandrina Navis" gestern zum Altmühlsee transportiert werden sollen, um Promotion für das neue Bootsbau-Projekt des ehrenamtlichen Universitäts-Team zu machen. Statt dessen stand am Dienstagnachmittag Ursachenforschung in Sachen "Beinahe-Untergang" auf der Agenda.

Bilderstrecke zum Thema

Bilder: Erlanger Historiker bauen neues Römerboot

Nach dem sie 2018 ihr erstes Römerboot fertig stellten, bauen Historiker der Friedrich-Alexander-Universität nun ihr zweites Werk. Für die Fertigung des Römerschiffs nutzen sie nur selbst gemachtes Werkzeug. Die Gegebenheiten sollen so sein, wie zu Zeiten der Römer.


Das "Fridericiana Alexandrina Navis" war aus Sicherheitsgründen am Wochenende in der Mitte des Dechsendorfer Weihers vor Anker gegangen. Am Samstag wurden Jugendliche dabei beobachtet, wie sie trotz zahlreicher Verbotsschilder das Römerboot "enterten" und offenbar auch versuchten, den Anker aufzuholen. Dies gelang ihnen allerdings laut Zeugenaussagen nicht.

Ob dieselben Jugendlichen für das Vollaufen des Bootes verantwortlich sind, konnte bis zum Redaktionsschluss nicht geklärt werden.

Feuerwehr half mit Pumpe

Die Feuerwehr half dabei, das beinahe bis zum Freibord vollgelaufene Boot beim Yachthafen ans Ufer zu ziehen. Per Lenzpumpe wurden etliche Liter Wasser aus dem Holzrumpf gepumpt. "Ein bisschen Wasser nimmt ein solches Boot immer auf – aber nicht solche Mengen innerhalb von Stunden", erklärt Professor Dreyer, während er lose Sitzbänke und andere durch das Wasser gelöste Einzelteile des Bootes auffischt und Helfern an Land weiterreicht.

Bilderstrecke zum Thema

Das Römerboot - wie alles begann

Jetzt sieht es tatsächlich aus wie ein 1900 Jahre altes Patrouillenschiff, das Bauwerk der Universität Erlangen-Nürnberg. Dabei stand das Holz dazu vor 16 Monaten noch im Sebalder Reichswald. Eine Bilderreise von NZ-Redakteurin Christina Merkel zu den Anfängen des Projektes "Rudern wie die Römer".


An einen Zufall mag Dreyer nicht glauben, zumal im gleichen Zeitraum am Wochenende beim benachbarten Bootsverleih sämtliche Tretboote von ihren Liegeplätzen losgemacht wurden.


Römerboot der FAU auf Naab und Donau im Test


Nachdem die Pumpen – außer dem Feuerwehrgerät kommen noch eine weitere Elektropumpe und die nach römischem Vorbild konstruierte Handpumpe des Bootes zum Einsatz – ihr Werk getan haben, wird das potenziell lecke Boot hinüber zum Bootsverleih geschleppt, weil die dortige Slipanlage groß genug ist, um den Nachbau aus dem Wasser ziehen zu können. Danach geht es an die schwierige Lecksuche.

Bilge voller Schlamm

Wie Dreyer ausführt, kann bereits ein kleines, kaum bemerkbares Loch dafür sorgen, dass ein solches Boot über einen längeren Zeitraum mit Wasser vollläuft. Nachdem der Einbruch des Weiherwassers dafür gesorgt hat, dass die sogenannte Bilge, der unterste Raum des Bootes oberhalb des Kiels, dick mit Schlamm überzogen ist, lässt sich nicht auf Anhieb sagen, wo das "Fridericiana Alexandrina Navis" ein Loch hat. Eine sichtbare Beschädigung muss allerdings vorhanden sein, um Anzeige erstatten zu können, so die Polizeistreife vor Ort. Klar ist: Damit das "Fridericiana Alexandrina Navis" bald wieder fährt, braucht es viele Arbeitsstunden.

hvd

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Erlangen, Herzogenaurach, Höchstadt