Erlangen und ERH: Verständnis für Söders Corona-Impfvorstoß

13.1.2021, 06:00 Uhr
Eine Flasche des Impfstoffes von Pfizer/Biontech.

Eine Flasche des Impfstoffes von Pfizer/Biontech. © Soeren Stache/dpa-Zentralbild/POOL/dpa

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) spricht mit seinem Corona-Impfvorstoß Wolfgang Strittmatter aus dem Herzen.

Der Vorstandsvorsitzende des von einem gemeinnützigen Verein organisierten Wohnstift Rathsberg, das im November selbst Hotspot war, würde einer wie auch immer gearteten Impfpflicht für Personal in Senioren- und Pflegeheimen sofort zustimmen: "Ich sehe das auf jeden Fall als Option an, insbesondere, was die Mitarbeiter in Heimen betrifft."

Zwar gibt es bislang noch keine wirklich validen Zahlen. Doch deuten Umfragen insbesondere unter Beschäftigten in der Altenpflege (anders als in den Erlanger Kliniken) eine nicht allzu große Bereitschaft zur Corona-Impfung an.

"Beim Personal gibt es viele Impfunwillige"

Strittmatter kann die Tendenz aus seinem Haus in Erlangen nur bestätigten: "Anders als bei unseren Bewohnern, die sich so gut wie alle impfen lassen wollen, sind bei unserem Personal viele Impfunwillige."

In der stationären Pflege sind für 66 Pflegebedürftige (die alle geimpft sind) etwa 60 Mitarbeitende zuständig, von denen 25 gegen das Impfen sind. "Ich kann mir das nur so erklären, dass die besonders misstrauisch sind über die Wirkungsweise des Impfstoffs", sagt er, "da befürworte ich klar eine Impfpflicht."

Man appelliere eindringlich an die Angestellten, sich doch gegen das Coronavirus impfen zu lassen: "Wir weisen auf die Gefährdung unserer Bewohner hin", berichtet Strittmatter, "aber wir stoßen da bei einer großen Anzahl von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen auf taube Ohren."

Mit Blick auf die Corona-Situation vor knapp zwei Monaten kann Strittmatter die Verweigerungshaltung der Beschäftigten nicht nachvollziehen. Bei einem Ausbruch waren zeitweise 14 Bewohner und fünf Mitarbeiter mit Sars-CoV-2 infiziert.

Die Lage ist mit einer einzigen infizierten Stift-Bewohnerin und zwei Mitarbeitern in Quarantäne unter Kontrolle (Stand: Dienstag, 12. Januar 2021), aber Strittmatter weiß nur zu gut, wie schnell die Lage eskalieren kann.

Arbeitgeber kann Impfen nicht erzwingen

Daher hat der studierte Jurist, der als Steuerberater tätig ist, bereits arbeitsrechtliche Mittel prüfen lassen. "Wir können das Impfen als Arbeitgeber nicht durchsetzen, dafür bin ich wirklich für eine Impfpflicht."

In der Sache ist sich die Leiterin des Höchstadter Seniorenzentrums St. Anna, Johanna Auerbeck, mit Strittmatter und auch Söder einig. Doch zieht sie Zwang eher Aufklärung und Überzeugung vor: "Mit Druck löst man oft Widerstand aus."

Anders als im Wohnstift ist im Haus der Vitanas Gruppe die Impfbereitschaft groß: Bis auf elf (sechs Bewohner und fünf Mitarbeiter) sind schon alle geimpft, nicht geimpfte Beschäftigte wollen das größtenteils nachholen.

Froh über die Impfung

"Wir haben wahrscheinlich unserer Krise geschuldet eine sehr hohe Impfbereitschaft", berichtet sie. Mit "unserer Krise" meint Auerbeck einen Corona-Ausbruch vor einigen Wochen.

Derweil hat sich auch in St. Anna die Lage beruhigt, an diesem Mittwoch (13. Januar 2021) darf der letzte Bewohner aus einer Covid-Quarantäne. "Dann sind wir sauber", sagt Auerbeck, "und dankbar, dass wir die Impfung haben."