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Paukenschlag: Jetzt will Höchstadt doch die StUB

Die Kreisverwaltung prüft nun auch die Möglichkeit eines Nordwestastes - 15.12.2020 10:30 Uhr

Momentan sorgen Busse für die Verbindung des Landkreises mit Erlangen. Nun soll geprüft werden, ob es auch für einen Ast der Stadt-Umland-Bahn nach Höchstadt Fördermittel gibt.

14.12.2020 © Michael Müller


Kurz vor Weihnachten sorgte der Höchstadts Bürgermeister  in der jüngsten Sitzung des Kreisausschuss für eine mächtige Überraschung. Zunächst freuten sich die Mitglieder aus dem Osten des Kreises, dass sich Brehm für eine Trasse nicht allein bis Neunkirchen am Brand, sondern bis Eckental aussprach, weil dadurch eine Anbindung an die Gräfenbergbahn nach Nürnberg und ins Forchheimer Oberland erreicht werde. Und dann kam’s: "Genauso sinnvoll ist freilich ein Nordwestast der StUB in zur Region Höchstadt."

Dieser war schon vor 27 Jahren im Gespräch gewesen, schließlich jedoch aus Gründen der Wirtschaftlichkeit fallengelassen worden. Brehm wurde von seinen Kolleginnen und Kollegen prompt mit der Frage konfrontiert, warum er jetzt das Thema wieder ins Spiel bringe.

Geänderte Bedingungen

Es ist derselbe Grund, weswegen derzeit auch der Ostast erneut eifrig diskutiert wird, nachdem bekanntlich 2015 über zwei Drittel der Wahlberechtigten in einem Bürgerentscheid gegen die Beteiligung des Landkreises an der StUB votiert hatten.

Inzwischen haben sich allerdings die Rahmenbedingungen wesentlich verändert. So kann nun mit einer Förderung durch Bund und Land von 90 bis 95 Prozent gerechnet werden. Zudem gäbe es auch Zuschüsse für die Abschnitte, bei denen die Geleise auf der Straße verlegt werden müssten.

Neue Bewertung

Weiterhin sind die Richtlinien für die Bewertung eines ausgewogenen Verhältnisses von Kosten und Nutzen des Projekts vor dem Hintergrund des Klimawandels momentan in Überarbeitung. Bislang waren daran sowohl der Ost- als auch der Nordwestast stets gescheitert.

Doch einer rutschte während der Diskussion immer unruhiger auf seinem Sessel hin und her: Herzogenaurachs Bürgermeister German Hacker (SPD). Denn die Zeit drängt, da bis Juli nächsten Jahres der Zuschussantrag einschließlich des Ostastes eingereicht werden muss, um nicht leer auszugehen.

"Ding der Unmöglichkeit"

Jetzt noch eine Verbindung nach Höchstadt hineinzupacken, sei ein Ding der Unmöglichkeit. Deshalb stieß auch ein zweiter Vorschlag der FW auf wenig Begeisterung bei Hacker – nämlich mit der Bundestagswahl einen zweiten Entscheid, diesmal vom Kreistag und nicht von Bürgern initiiert, durchzuführen.

Bilderstrecke zum Thema

Die Stadt-Umland-Bahn in Bildern

Die Stadt-Umland-Bahn ist das größte Infrastrukturprojekt, das sich die Metropolregion Nürnberg je vorgenommen hat. Eines Tages soll sie Nürnberg über Erlangen mit Herzogenaurach im Westen und Eckental im Osten verbinden und damit für eine spürbare Verkehrsentlastung sorgen.


An Herzogenaurach liegt es auch, dass es rechtlich alles andere als einfach ist, die Stadt-Umland-Bahn zwischen Erlangen, Nürnberg und der Stadt an der Aurach nun doch zu erweitern. Ob eine Gemeinde des Kreises Erlangen–Höchstadt und gleichzeitig der Landkreis selbst dem entsprechenden Zweckverband angehören dürfen, ist fraglich.

Verrechnung möglich?

Zudem investiert Herzogenaurach viele Millionen Euro in die Strecke nach Erlangen und Nürnberg. Soll sich die Stadt auch noch an den Kosten für die Abzweigungen nach Uttenreuth, Neunkirchen und Eckental sowie eventuell nach Höchstadt beteiligen? Könnten die Aufwendungen irgendwie miteinander verrechnet werden?

Dies alles sind offene Fragen. Daher wollen der Landrat und die Kreisverwaltung zügig das Bohren der beiden "Betonwände" angehen. Hacker plädierte leidenschaftlich dafür, eine Trasse nach Höchstadt als eigenen Punkt zu behandeln und "nicht ein neues Fass" aufzumachen. Schließlich einigte sich das Gremium darauf, erst einmal "zu eruieren", ob denn auch ein Nordwestast als realistisch einzustufen ist. Für den Ostast müssen die voraussichtlichen Kosten ermittelt und im Zuschussantrag detailliert erläutert werden.

Der Anteil des Landkreises läge dafür bei 39 Prozent oder zirka 800 000 Euro. Hier regten mehrere Kreisräte an, dass dies die Gemeinden, durch deren Gebiet die Trasse führt und die von ihr profitieren würden, übernommen werden sollten. Auch das wollen Landrat Tritthart und seine Mitarbeiter nun abklären. SCOTT JOHNSTON

Alles, was Sie zur StUB wissen sollten, finden Sie hier.

 

Quiz: Was wissen Sie über die Straßenumlandbahn?

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Frage 1/10:

Seit wann laufen die Planungen für die StUB?

Bereits vor 1988 werden im Verkehrsentwicklungsplan der Stadt Erlangen erste Vorstellungen zu einer Stadt-Umland-Bahn entwickelt. 1992 beauftragen die Stadt Erlangen und die Landkreise Erlangen-Höchstadt und Forchheim das Ingenieurbüro Obermeyer mit einer Machbarkeitsstudie.

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Frage 2/10:

Wie viel soll das Projekt kosten?

Für das regionale Infrastrukurprojekt sind etwa 300 Millionen Euro vorgesehen. Davon entfallen 40 Millionen auf die Planung.

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Frage 3/10:

Warum soll das Projekt realisiert werden?

Die Trasse soll den Anreiz für den ÖPNV erhöhen und somit CO2 einsparen. Der Autoanteil liegt in Erlangen trotz der Busse immer noch bei 60 Prozent. Zudem ist Herzogenaurach bisher nur mit dem Auto oder dem Bus zu erreichen.

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Frage 4/10:

Was spricht gegen die Trasse?

Aus Sicht der Kritiker bestehen noch zu viele Unsicherheiten. Der genaue Streckenverlauf und der finanzielle Eigenanteil der Kommunen befinden sich noch in der Schwebe. Zudem sei das Projekt ein Minusgeschäft, Elektrobusse könnten eine kostengünstigere Alternative darstellen.

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Frage 5/10:

Wieso zieht sich die Planung der StUB so lange?

Die Details zu klären, kann unter Umständen viel Zeit in Anspruch nehmen. Bei Protesten und Einwänden dauert es noch länger.

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Frage 6/10:

Welche Kommune trägt den Großteil der Kosten?

Der größte Abschnitt verläuft in Erlangen, daher ist die Stadt auch der größte Kostenträger. Das sind 42 Millionen an Investitions- und 24,5 Millionen an Planungkosten.

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Frage 7/10:

Welcher Landkreis stieg nach einem negativen Bürgerentscheid aus dem Projekt aus?

Ein Bürgerentscheid im Landkreis Erlangen-Höchstadt fiel 2015 mit 54,80 Prozent Nein-Stimmen durch, weshalb nun Herzogenaurach als dritte Kommune am Bord ist.

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Frage 8/10:

Welches Unternehmen machte die StUB zur Bedingung, um einen neuen Campus zu errichten?

Siemens kündigte im September 2016 an, auf dem Gelände des Forschungszentrums im Süden Erlangens für mehrere hundert Millionen Euro Arbeitsplätze und Wohnungen errichten zu wollen - ohne StUB aber keine Investitionen.

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Frage 9/10:

Welchen finanziellen Anteil übernimmt der Bund?

Der Bund trägt 60 Prozent, der Freistaat 30 Prozent der zuwendungsfähigen Baukosten.

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Frage 10/10:

Wie soll die Taktung der StUB zwischen Büchenbach-West und Herzogenaurach gestaltet werden?

Weil man an der Stadtgrenze Erlangen/Herzogenaurach nach einer aktuellen Prognose mit 10.800 statt zuvor mit 4900 Fahrgästen rechnet, wird dort künftig mit einem Zehn-Minuten-Takt geplant.

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