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Dorfbäcker in der Fränkischen Schweiz nicht mehr gefragt

Branchenkenner sprechen von einem Trend in vielen Orten - Sterben die Bäcker aus? - 27.10.2019 11:00 Uhr

Brot gibt es nicht mehr an jeder Ecker zu kaufen. © Monika Wirth


Am Sonntag gemütlich zum Bäcker laufen, Brot, Brötchen und was Süßes für das gemütliche Frühstück besorgen: Das wird immer schwieriger - in Städten, aber auch in kleinen Orten, die bisher auf ihre traditionellen Bäcker im Ort zählen konnten. Ein Beispiel ist Weilersbach, eine typisches Dorf in der Fränkischen Schweiz.

Zuerst hat die Forchheimer Traditionsbäckerei Nagel ihre Filiale in Weilersbach geschlossen, jetzt gehen auch 15 Jahre Bäckerei Wirth zu Ende. Die Filiale in der Weißenbacher Straße schließt Ende Oktober, sagt Geschäftsführerin Ulrike Wirth. Der Grund: "Es sind einfach zu wenige Kunden gekommen." Die Entscheidung, die Weilersbacher Filiale aufzugeben, habe sie sich nicht leicht gemacht. "Mein Herz hat an Weilersbach gehangen. Unsere Mitarbeiterinnen haben immer für einen reibungslosen Ablauf gesorgt." Und die Prognose ist düster: "In 20 Jahren wird es Bäcker wie uns nicht mehr in der Fläche geben."

Am kommenden Donnerstag, 31. Oktober, bietet die Bäckerei Wirth in Weilersbach noch einmal Brot, Brötchen und Süßes an, danach ist Schluss. Die Filiale aufzugeben war keine einfache Entscheidung für Bäckereichefin Ulrike Wirth. © Foto: Heidi Amon


Hoffnung auf mehr Kunden keimte bei Ulrike Wirth auf, als die Bäckerei und Konditorei Nagel ihre Filiale an der Hauptstraße in diesem Sommer geschlossen hatte. Auch im Fall von Nagel blieben immer mehr Kunden aus. Beide mittelständischen Bäckereibetriebe sehen einen Zusammenhang mit dem Edeka-Markt am Ortsrand. Ende 2017 öffnete der Supermarkt mit einem integrierten Bereich für einen Bäcker seine Türen. Dieser bietet seine Waren täglich von früh bis abends an – mit angeschlossenem Café. Möglicherweise war die Konkurrenz zu groß in dem rund 2100 Einwohner-Ort. Jetzt hat das Dorf keinen Bäcker mehr im Innenort.

Erfolgreiche Konzepte machen Hoffnung

Einen ersten Rückschlag musste Wirth bereits 2013 verkraften, als der Einkaufsmarkt Tegut in direkter Nachbarschaft schloss. In dem kleinen Einkaufsmarkt war auch eine Metzgerei integriert. "Das war ein richtig belebtes Ortszentrum, das es nach der Schließung von Tegut nicht mehr gab", sagt Wirth.

Geblieben sind die Kunden vom Durchgangsverkehr. "Doch dafür ist unsere Filiale zu versteckt gewesen." Und auch die einheimischen Käufer blieben aus. "Sie haben dort ihr Brot gekauft, wo sie auch ihren Haupteinkauf erledigt haben", sagt Wirth. "Das ist der Trend. Bäckereien im Dorf sind einfach weniger gefragt." Mit einer Ausnahme, schränkt Wirth ein: Weniger stark spüre der Bäckereibetrieb mit Sitz in Egloffstein die Veränderungen bei Filialen, die auch ein angeschlossenes Café anbieten. Auch für Weilersbach hatte sich Wirth daher überlegt, in den Räumen des ehemaligen Tegut-Marktes ein Café einzurichten, wie es im Betrieb in Egloffstein, Gößweinstein oder Eggolsheim der Fall ist. "Doch im Vergleich zu den anderen Orten gibt es in Weilersbach keinen Tourismus im Ortskern", so Wirth und demnach ihrer Einschätzung nach keinen Bedarf danach. Gleichzeitig kehren in den vergangenen Jahren verstärkt Dorfläden zurück in die Fränkische Schweiz. Sie versuchen oftmals die Lücke zu schließen, die Bäcker, Metzger und der Einkaufsmarkt hinterlassen haben.

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Netto-Markt eröffnet in Effeltrich

Für die zwei bisherigen Mitarbeiterinnen in der Weilersbacher Filiale geht es fast ohne Unterbrechung am Dienstag, 5. November, weiter. Dann eröffnet in Effeltrich ein Netto-Einkaufsmarkt für die benachbarten Gemeinden Effeltrich und Poxdorf. Die Bäckerei Wirth wird dort mit einer Filiale in der sogenannten Vorverkaufszone vertreten sein. Die Hoffnung ist, dass die Kunden nach ihrem Haupteinkauf beim Bäcker noch Brot und Brötchen mitnehmen – also vom Trend zu profitieren.

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