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Forchheim: Rathaus-Sanierung kostet mehr Geld

Aufgrund zusätzlicher Ausgaben wird das Großprojekt um zehn Prozent teurer - 05.10.2020 10:00 Uhr

Das Forchheimer Rathaus birgt viele Geheimnisse. Eines davon ist, wie teuer seine Generalsanierung in der Endabrechnung kommen wird.

© Archivfoto: Ralf Rödel


Was wird weshalb teurer?

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Stadt einen Großteil der Kostenmehrung selbst verursacht hat, weil sie weitere Anpassungen an das künftige Haus vornehmen will.

Größter Kostenpunkt sind aber die weiteren archäologischen Grabungen, die Mehrkosten von rund 600 000 Euro verursachen. Das liegt laut Architekt Stephan Fabi daran, dass weitere Kellerräume für eine spätere Nutzung erschlossen werden. Zudem seien die bisherigen Grabungen noch nicht abgeschlossen und müssen weitergeführt werden.

Alte Türen und Tore müssen erhalten werden, fordert jetzt die Denkmalpflege. Das kostet 80 000 Euro. Auch Schlosserarbeiten, die bisher nicht geplant waren, verursachen Kosten in Höhe von 95 000 Euro. Für den Gerüstbau werden 110 000 Euro fällig.

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Weitaus stärker zu Buche schlägt eine Lüftung im zweiten Obergeschoss. Sie kostet 500 000 Euro. Sie braucht es, damit dort Veranstaltungen stattfinden können. Für den Keller braucht es ebenfalls eine Lüftungsanlage, um Teilräume als Lager nutzen zu können (50 000 Euro). Für die Ausstattung des Hausmeisters sind 33 000 Euro vorgesehen. Teuer mache das Projekt auch der Brand- und Schallschutz: "Der muss bei jeder Änderung der Planungen berücksichtigt werden", so der Architekt. Und ein wesentlicher Brocken kommt für die Stadträte komplett überraschend: Weil der Bund die Rathaussanierung fördert (mit 7,75 Millionen Euro) sei auch "Kunst am Bau" gefordert, so Projektleiterin Claudia Stumpf vom Bauamt der Stadt. Ein Prozent der Bausumme muss dafür vorgesehen werden, das macht bei 22,4 Millionen Euro nochmal 224 000 Euro extra. All diese Veränderungen verursachten zusätzliche 400 000 Euro Planungskosten.

Weniger Geld als geplant wird die Stadt für die Außenanlage ausgeben. Aber nur deshalb, weil dieser Punkt jetzt aus dem Projekt ausgeklammert wird. Die Begründung: Bisher gebe es noch kein Konzept, wie der Rathausplatz künftig genutzt werde.

Wer zahlt die Mehrkosten?

Über die bisherigen Fördergeber (sie finanzieren die Sanierung zu rund 85 Prozent) lassen sich die Mehrkosten nicht decken. Nur über ein einziges Förderprogramm, so Stumpf, könnten Mehrkosten bis zu einem Anteil von 80 Prozent gefördert werden. Den Rest müsste die Stadt aus eigenen Mitteln aufbringen. "Dazu haben wir aber noch keine Verhandlungen aufgenommen. Wir wollten erst die Entscheidung des Stadtrates abwarten." Am heutigen Montag, 5. Oktober, müssen die Räte sich in einer Sondersitzung des Stadtrates entscheiden, ob und wie sie die Mehrkosten für die Generalsanierung mittragen wollen.

Wie reagieren die Stadträte auf die Kostenmehrung?

Mit großer Verärgerung, Verwunderung und deutlicher Kritik. Starke Worte wählte Sebastian Körber (FDP): "Ich muss mich immer mehr wundern, welche grotesken Maßnahmen die Rathaussanierung hat. Dass sich bei der Archäologie Mehrkosten auftun und man davon überrascht ist, ist lächerlich. Das Gebäude steht schließlich inmitten der Altstadt." Von seiner privaten Baustelle "jagen" würde Körber die Arbeiter, wenn sich die Gerüstbau-Kosten derart stark verteuerten. "Da hat man sich offensichtlich bei der Fläche vertan." Er bezeichnete es als "unverschämt", dass die Außenanlage aus der Berechnung genommen wird. Körber sieht bei der Ertüchtigung des Rathausplatzes "im schlimmsten Fall" weitere Millionen Euro Kosten auf das Projekt zukommen.

Nicht nur für Körber liegt die Verantwortung der Kostenmehrungen bei Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) und Projektleiterin Stumpf.

Thomas Werner (CSU): "Die Präsentation zeigt leider sehr deutlich die personellen Schwächen des Bauamtes auf." Er kritisierte, dass es keine Vertretungsregelung für Claudia Stumpf gebe: "Die Projektleiterin muss zu 100 Prozent für das Projekt zur Verfügung stehen. Daher mein Appell an den OB, einen anderen städtischen Mitarbeiter mit dem Projekt zu beauftragen."

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Hans-Werner Eisen (CSU) bezeichnete es als "Augenwischerei", die Außenanlage aus der Berechnung herauszunehmen. Der Stadtrat hätte eher über eine Kostenmehrung informiert werden können. "Der Rathausplatz soll kulturell genutzt werden. Hierzu braucht es Strom-, Wasser-, Abwasseranschlüsse. Es gehört zum guten Stil, dass ein Bauwerk als ein ganzes gesehen wird."

Auch Kulturbürgermeisterin Annette Prechtel (FGL) drängte darauf, mit Blick auf die künftige kulturelle Nutzung über die Baustelle zu gehen.

"Die Frage ist dringend zu beantworten, welche Veranstaltungen in dem Haus künftig Einzug halten und welche technischen Voraussetzungen es gibt. Wir müssen mit den Planungen starten." Dass bis Ende Oktober ein Konzept vorliegen solle bezeichnete sie als "sportlich." Prechtel drängte darauf, die entdeckten karolingischen Mauerreste in den Rathaushallen für die Öffentlichkeit sichtbar zu machen. "Noch hätten wir die Chance, auch wenn es Mehrkosten verursachen würde. Aber es wäre dem Bauwerk nationalen Ranges angemessen."

Wie reagiert der Oberbürgermeister auf die Kritik?

Der OB sprach davon, dass das Bauamt Verstärkung bekommen soll. "An der Projektleitung werde ich nicht rütteln. Wir haben die richtige Person am richtigen Platz."

Welche Arbeiten finden gerade statt?

Bereits vor einem Jahr startete das Projekt mit vorbereitenden Maßnahmen. Derzeit laufen Dekontaminierungsarbeiten im Dachgeschoss, Rückbau- und Gerüstarbeiten, so Claudia Stumpf. Noch dieses Jahr sollen Zimmererarbeiten und der zweite Teil der archäologischen Grabungen vergeben werden.

Wie schwierig gestaltet sich das Projekt?

Laut den Architekten ist es ein "Spagat zwischen historischer Bausubstanz, Statik und moderner Gestaltung." Es brauche beispielsweise feuerhemmende Anschlüsse an das neue Treppenhaus und weitere Lüftungsanlagen. Für komplexe Bauberechnungen zu Statik und Lüftung liefen Computer über mehrere Wochen im Dauerbetrieb, so Fabi. Weil sich nachträgliche Änderungen auf das gesamte Projekt auswirkten, forderte der Architekt "einen engen Schulterschluss" und bat um "vorzeitige Info."

Bleibt die Wiedereröffnung im Zeitplan?

Zuletzt hatte der OB die Fertigstellung des Großprojektes für Ende 2023 als "unverrückbar" bezeichnet. In der Stadtratssitzung blickte Architekt Fabi vorsichtiger in die Zukunft. "Keiner von uns kann Ihnen einen Fertigstellungstermin garantieren, alleine schon wegen der Archäologie. Sollte es Funde geben, könnten sich die Arbeiten über Monate ziehen." Deshalb sei es wichtig, "Höhen und Tiefen, die ein solches Projekt mit sich bringt, geschlossen zu tragen."

Am Montag, 5. Oktober, 16 Uhr, kommt der Stadtrat zu einer Sondersitzung zur Generalsanierung des Rathauses zusammen. Das Gestaltungskonzept und der Terminplan werden vorgestellt, Fragen zu Planungsänderungen und Baukosten beantwortet. Die Sitzung ist öffentlich und findet im Großen Saal der Jahnhalle statt.

PATRICK SCHROLL

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