Maßnahme gegen Raser

Fränkische Schweiz: Parkplätze auf Feuerstein-Plateau auch im Winter tabu

Patrick Schroll
Patrick Schroll

stv. Redaktionsleiter Nordbayerische Nachrichten Forchheim

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13.10.2021, 09:54 Uhr
Parken verboten auf dem Feuerstein. 

Parken verboten auf dem Feuerstein.  © Eduard Weigert, NNZ

Auch wenn die ersten Maschinen schon für den Winter eingepackt werden: Das Landratsamt und die Polizei wollen die Parkbuchten auf der Straße zwischen Burg und Flugplatz Feuerstein weiterhin gesperrt lassen.

"Bei der Sperrung der Parkplätze handelt es sich um eine der Maßnahmen zum Eindämmen der Motorradraser. Die Parkplätze bleiben daher auch bis auf Weiteres gesperrt", teilt ein Amtssprecher auf Nachfrage der Redaktion mit.

Die Parkbuchten sind seit dem Frühjahr mit Warnbaken abgesperrt. Autofahrer können dort nicht anhalten.

Warnbaken halten Autos vom Parken in den Parkbuchten ab. Hinweisschilder erinnern Motorradfahrer, leise zu fahren. 

Warnbaken halten Autos vom Parken in den Parkbuchten ab. Hinweisschilder erinnern Motorradfahrer, leise zu fahren.  © Eduard Weigert, NNZ

Seit Jahren gibt es von Anwohnern rund um den Feuerstein Beschwerden wegen Motorradrasern. Das Geheul sei bis ins Tal hinein zu hören, sagen sie. Weit schwerwiegender seien die Folgen der Raserei: Es ist auf dieser Strecke schon zu mehreren schwerwiegenden Unfällen gekommen. Auch tödlich verletzte Motorradfahrer waren zu beklagen. Bei Rennen zwischen Motorradfahrern seien die Parkbuchten unter anderem als Zuschauerplattform genutzt worden.

Waghalsige Schräglagen und gefährliche Manöver

Von dort lässt sich der Straßenverlauf gut überblicken. Die Motorradfahrer seien für ihre "waghalsigen Schräglagen" von den Zuschauern "frenetisch applaudiert" worden, sagt Polizist Georg Götz, stellvertretender Dienststellenleiter der Polizei Ebermannstadt. Seit der Sperrung sei das nicht mehr möglich gewesen.

Vom Gelände anziehen lassen und zu gefährlichen Manövern verführen lassen, haben sich Fahrer aus Forchheim und den benachbarten Landkreisen. Dass sich das Problem an einen anderen Ort verlagert hat, hat die Polizei nicht beobachtet. "Zumindest ist es in unserem Dienststellenbereich nicht dazu gekommen", sagt Götz auf Nachfrage.

Überholverbot und reduzierte Geschwindigkeit

Um Raserei und Lärm vorzubeugen hat das Landratsamt im Frühjahr 2021 zudem zwischen Drosendorf und dem Flugplatz Feuerstein, sowie zwischen Ebermannstadt und der Burg Feuerstein die Höchstgeschwindigkeit auf 50 Stundenkilometer reduziert. Im Abschnitt zwischen Burg und Flugplatz Feuerstein wurde die Höchstgeschwindigkeit auf 70 Stundenkilometer festgesetzt. Außerdem gilt auf der gesamten Strecke ein Überholverbot.

Hans-Peter Kaulen leitet die Burg Feuerstein. Rund 30.000 Übernachtungen zählt Kaulen pro Jahr, hinzu kommen Seminargäste und Gottesdienstbesucher am Sonntag. "Die Ausfahrt auf die Straße war immer gefährlich für unsere Besucher", beschreibt Kaulen die Situation, bevor das Landratsamt die Geschwindigkeit reduziert hat. Der Feuerstein-Leiter ist auch in der lokalen Initiative gegen Motorradlärm engagiert. "Auf der Burg ist es uns eher um die Sicherheit gegangen."

Bei der Einführung der neuen Regeln hat die Polizei verstärkt den Verkehr auf dem Plateau kontrolliert. Die Motorradkontrollgruppe der Polizei Oberfranken hat die Ebermannstädter Kollegen dabei unterstützt. Jetzt kontrolliert die Polizei weniger, weil sich die Situation entspannt habe. Zusätzliche Hinweisschilder machen die Motorradfahrer seit dem Sommer 2021 darauf aufmerksam, leise zu fahren.

Zu Lasten der Wanderer

Das Landratsamt ist mit dem Ergebnis zufrieden: "Die getroffenen Maßnahmen zeigen offensichtlich Wirkung", heißt es. "Von den Anwohnern kam bereits eine positive Rückmeldung", teilt ein Sprecher mit. "Es gibt nahezu keine Beschwerden von Anwohnern oder Jägern mehr", bestätigt auch Polizist Götz. Er bemerkt aber auch, dass die gesperrten Parkplätze zu Lasten der Wanderer gehen.

Auch deshalb wollen Polizei und Landratsamt nächstes Jahr für eine Bestandsaufnahme zusammen kommen, "und über eine gemäßigte Öffnung der Parkplätze beraten", so Götz. Bis dahin bleiben die Parkbuchten aber für Ausflügler tabu.

Das spürt auch die Burg Feuerstein. Seitdem die Parkmöglichkeiten auf dem Plateau weggefallen sind, stehen mehr Autos auf dem Parkplatz auf dem Burggelände. "An schönen Tagen und bei gleichzeitig stattfindenden Veranstaltungen wird das ein Problem", sagt Kaulen. Nicht nur aus Platzgründen.

"Wenn es so weiter geht, kommen wir in den Zugzwang, handeln zu müssen"

Auch wenn es nur die Minderheit der Besucher sei: Müll von Menschen oder Hinterlassenschaften von Hunden nehmen zu. "Wenn es so weiter geht, kommen wir in den Zugzwang, handeln zu müssen", sagt Kaulen. Dass das Gelände Wanderer und Gassi-Geher anzieht, kann der Einrichtungsleiter nachvollziehen. Auch auf Feldwegen werde zunehmend das Auto abgestellt, beobachtet er.

Gerade in Pandemie-Zeiten hat die Fränkische Schweiz einen starken Anstieg an Tagesgästen verzeichnet. Bekannte Ausflugsziele stöhnten unter dem Besucherandrang und seinen Folgen, weshalb die Tourismuszentrale die Besucher lenkt und auf eine rücksichtsvollen Umgang mit der Natur hinweist.

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