Lebensrettung

Knöpfe retten Leben: Trotz gesperrter Piastenbrücke freie Rettungswege in Forchheim?

13.5.2021, 07:44 Uhr
Die vielbefahrene Eisenbahnbrücke in Forchheim mit der Bayreuther Straße: Täglich passieren 26 000 Fahrzeuge die Brücke. Wenn heuer die Piastenbrücke in Forchheim gesperrt wird, muss noch mehr Verkehr durch dieses Nadelöhr.

Die vielbefahrene Eisenbahnbrücke in Forchheim mit der Bayreuther Straße: Täglich passieren 26 000 Fahrzeuge die Brücke. Wenn heuer die Piastenbrücke in Forchheim gesperrt wird, muss noch mehr Verkehr durch dieses Nadelöhr. © Foto: Berny Meyer

Im Notfall muss es schnell gehen. Das gilt für den medizinischen Notfall, aber auch dann, wenn die Feuerwehr zu einem Brand oder Unfall ausrückt. Deshalb will die Stadt knapp 56.000 Euro in die Hand nehmen. "Ich halte die Kosten für überschaubar", so Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD).

Mit dem Geld rüstet Forchheim fünf Ampeln im Umfeld der Eisenbahnbrücke und drei Feuerwehrfahrzeuge der städtischen Wehr um. Rückt die Feuerwehr aus, kann sie mit einem im Fahrzeug eingebauten Gerät die Ampelschaltungen steuern, sich den eigenen Weg freischalten oder andere Abschnitte auf Rot schalten. Über GPS sind die Geräte mit dem zuständigen Ampel-Verkehrsrechner von Siemens verbunden.

+++ Sperrung der Piastenbrücke und Folgen für den Verkehr in Forchheim: Kommt es zum täglichen Stau?+++

Ins Gespräch gekommen sind die Notfallschaltungen wegen der Sperrung der Piastenbrücke, die für den 5. Juli geplant ist. Für mindestens ein Jahr muss der Ost-West-Verkehr allein über die Eisenbahnbrücke fließen. Die Notfallschaltungen für die Ampeln lohnten sich laut Siemens nicht nur wegen der gesperrten Piastenbrücke, so Roland Brütting in der jüngsten Stadtratssitzung. "Die Situation ist dort schon seit Jahren bedenklich und die Schaltungen sind eine Möglichkeit, generell die Einsätze der Feuerwehr zu verbessern", sagt Brütting, der in der Stadt außerdem für den Brandschutz zuständig ist.

Ein separater Rettungsweg?

Ein separater Rettungsweg, beispielsweise für die Feuerwehr, könne auf der Eisenbahnbrücke nicht eingerichtet werden. Unter anderem der mittlere Steg auf der Brücke, der beide Richtungsfahrbahnen voneinander trennt, verhindere dies, so Brütting. Den Steg könnte die Feuerwehr auch nicht überfahren. Das würde beim Einsatzfahrzeug mit der Drehleiter "zu schweren Schäden führen".

Ohnehin schätzt die Forchheimer Feuerwehr die Folgen der gesperrten Piastenbrücke als gering ein. "Meiner Meinung nach wird sich keine signifikante Änderung des Verkehrs ergeben", zitierte Brütting aus der Stellungnahme von Stadtbrandinspektor Jürgen Mittermeier. In den verkehrsstarken Morgen- und Abendstunden habe es noch keine nennenswerten Verzögerungen bei Einsätzen gegeben.

Das Kernproblem sei nicht der Stau vor der Brücke, denn Adenauerallee wie Bayreuther Straße seien breit genug ausgebaut. "Seit Jahren problematisch ist die Eisenbahnbrücke selbst, weil dort keine Möglichkeit besteht, eine Rettungsgasse zu bilden", schilderte Brütting.

Ein mobile Notaufnahme?

REP-Stadtrat Franz Noffke brachte für das Sperrungs-Jahr eine zusätzliche Container-Notaufnahme für den Forchheimer Westen ins Gespräch. Diese sollte vom Klinikum betrieben werden und in nächster Nähe zur Innenstadt aufgebaut werden, um im Falle einer blockierten Eisenbahnbrücke Patienten schnell versorgen zu können.

Kirschstein (SPD) machte deutlich, dass sich die gesetzlich vorgeschriebenen Transportzeiten von einer halben Stunde einhalten lassen. Indem Rettungskräfte die Eisenbahnbrücke im Staufall über die Umwege Kersbach oder Forchheim-Nord zum Klinikum Forchheim umgehen. Aber auch die Uniklinik Erlangen wie auch die Klinik in Bamberg seien rechtzeitig erreichbar, so Kirschstein.

Eine dritte Querung?

Ludwig Preusch von den Freien Wählern machte darauf aufmerksam, dass die Erstversorgung eines Notfallpatienten längst im Rettungswagen erfolge und nicht erst in der Notaufnahme. "Schwere Fälle werden ohnehin nicht ins Krankenhaus Forchheim, sondern nach Bamberg und Erlangen gebracht." Noffke wirbt indes für seine Idee bei der Regierung von Oberfranken.

Preusch regte an, neben der Piasten- und Eisenbahnbrücke über eine dritte Querung nachzudenken, um eine Verbindung von der B 470 in Richtung Reuth zu schaffen. Vor Jahren sei eine dritte West-Ost-Trasse auf Höhe des Wertstoffhofes Fritsche diskutiert worden. Sie verliefe hinter dem Klinikum vorbei und würde wieder in die Bayreuther Straße münden. Lohnen würde sich die weitere Verbindung auch dann, wenn die Sanierung der Eisenbahnbrücke anstehe, so Preusch.

Einer Probesperrung der Bayreuther Straße, um die Verkehrsströme im Feldversuch zu testen, erteilte Brütting eine Absage. Für die Anregung aus den Reihen der Stadträte (wir berichteten) gebe es keine Rechtsgrundlage, wie seine Nachfrage bei Regierung und Polizei ergeben haben. Keine großen Auswirkungen für die Zeit der Sperrung gebe es für den ÖPNV, da über die Piastenbrücke keine städtische Buslinie verlaufe. Das teilte das für das Thema zuständige Landratsamt der Stadt mit.

Von den über GPS gesteuerten Ampelschaltungen könnten auch medizinische Rettungsdienste profitieren, so Roland Brütting. Sie müssten die Geräte in eigener Zuständigkeit beschaffen und einbauen. Die dafür fälligen Lizenzkosten könnten sich Stadt und Rettungsorganisation teilen.

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