Königsbad Forchheim wird zur Jahresbaustelle

24.3.2021, 20:00 Uhr
Das Wasser schlägt keine Wellen: Ganz anders das Thema der kaputten Rohre. Seit Jahren kämpft die Stadt vor Gericht, die Badplaner für die Schäden haftbar zu machen. Es geht um 1,5 Millionen Euro.

Das Wasser schlägt keine Wellen: Ganz anders das Thema der kaputten Rohre. Seit Jahren kämpft die Stadt vor Gericht, die Badplaner für die Schäden haftbar zu machen. Es geht um 1,5 Millionen Euro. © Foto: Eduard Weigert

Im Sommer 2017 sorgten sich die Volkshochschule im Landkreis oder Sportvereine, ob ihre Schwimmkurse im Herbst stattfinden könnten. Seitdem sind vier Herbste vergangen und die Sanierung des Bades steht noch immer aus. Vergessen sind da die Sorgen um zu rutschige Fliesen, die kurz nach der Eröffnung 2010 für Unfälle unter den Badegästen sorgten. Der Belag musste aufwendig rutschfester gemacht werden.

Das große Sanierungsprojekt hätte auch Bäderchef Walter Mirschberger gerne längst abgehakt. Doch es ist kompliziert und teuer. 1,5 Millionen Euro sind im Haushalt der Stadt in diesem Jahr für die Sanierung reserviert. "Von dieser Summe werden wir ausgehen müssen", sagt Mirschberger im Gespräch mit den Nordbayerischen Nachrichten. Mit Start der Wintersaison, die im Herbst beginnt, soll die Sanierung starten. "Wir wollen noch eine schöne Sommersaison anbieten, soweit das coronabedingt möglich ist, und alle Bereiche öffnen."

Wann und ob eine Freibadsaison in der Pandemie möglich ist, ist fraglich. "Bäder müssen bei Lockdowns als erstes schließen und dürfen als letztes öffnen", sagt Mirschberger. So sei es auch 2020 gewesen. Das Bad hatte sich vergangenes Jahr mit einem ausgearbeiteten Hygienekonzept auf eine Öffnung im Mai vorbereitet, durfte aber erst im Juni nach wochenlanger Schließung wieder Gäste ins Bad lassen, nachdem die coronabedingten Lockdown-Maßnahmen zurückgefahren wurden.

"Eine Wintersaison fällt weg"

Mit zehn bis zwölf Sanierungsmonaten kalkuliert Mirschberger. Der überdachte Teil des Bades bleibt so lange für den Publikumsverkehr geschlossen. "Eine Sommersaison ist trotzdem möglich", stellt Mirschberger in Aussicht. Die Außenbecken könnten autark und unabhängig von den Innenbecken betrieben werden. Zur Prüfung steht zudem die Idee an, die Sommersaison zu verlängern. Die Außenbecken lassen sich schließlich beheizen. Mobile Duschen und Umkleiden sind angedacht. Klar ist aber: "Eine Wintersaison fällt weg."

Hinter der gefliesten Oberfläche schlummert das Unheil.

Hinter der gefliesten Oberfläche schlummert das Unheil. © Foto: Eduard Weigert

Als die Schäden 2017 noch relativ frisch waren, hoffte die Stadt als Badeigentümerin auf eine kurze Sanierungszeit. Drei Monate waren einst im Gespräch. Doch die Ausmaße der Schäden sind zu groß, um sie in kurzer Zeit beheben zu können.

Das erste von der Stadt mit den Sanierungsarbeiten beauftragte Planungsbüro habe sich verschätzt. "Das war absolutes Wunschdenken", sagt Mirschberger. Das bisherige Planungsbüro sei abgesprungen, die Stadt musste ein neues suchen und hat es auch gefunden. Auch das hat für Verzögerungen gesorgt. Das neue Team musste sich in die Materie erst einarbeiten, die Gutachten sichten. Erst vergangene Woche habe es eine große Besprechung mit Gutachtern und Architekten gegeben. Ein paar Fragen seien noch offen, im April sollen sie beantwortet werden.

1,2 Kilometer Rohre müssen ausgetauscht werden

"1200 Meter Rohrleitungssystem müssen ausgetauscht werden", erklärt Mirschberger. Das zieht Folgearbeiten nach sich: Neue Fliesen müssen verlegt und neuer Putz aufgebracht werden. Auch im Eingangsbereich müssen Teilbereiche komplett aufgerissen werden.

Seine Bad-Mitarbeiter will Mirschberger vorübergehend in anderen städtischen Dienststellen einsetzen. Die Planungen dazu liefen bereits. Wegen der aktuellen coronabedingten Schließung arbeitet bereits jetzt schon ein Teil des Personals in anderen Abteilungen, wird beispielsweise für die Digitalisierung von Steuerakten in der Kämmerei eingesetzt. Auch auf Kurzarbeit greift die Stadt bei ihren Bad-Mitarbeitern zurück, so Mirschberger.

Betriebsleiter Christian Lenkl hat auch im Lockdown ein Auge auf sein Königsbad. Im Herbst könnte die lang geplante Sanierung starten.

Betriebsleiter Christian Lenkl hat auch im Lockdown ein Auge auf sein Königsbad. Im Herbst könnte die lang geplante Sanierung starten. © Foto: Eduard Weigert

Die große Frage, wer die Sanierungskosten trägt, ist noch immer offen. Die Stadt will den Planer über dessen Versicherung in die Haftung nehmen. Dieser hätte wissen müssen, dass die Rohre durch das Desinfektionsmittel bersten und nicht geeignet sind, so die Argumentation. "Das Klageverfahren liegt noch beim Gericht und ist offen", sagt Walter Mirschberger. Der von der Stadt beauftragte Anwalt Klaus Waldmann arbeite in der Sache weiter.

"Wahnsinniges Defizit"

Bis zum Sommer will Mirschberger einen aktuellen Sachstand zur bevorstehenden Sanierung und zum Zwischenstand des Gerichtsverfahren zusammentragen und dem Stadtrat vorstellen.

Bis dahin soll auch die Wirtschaftlichkeitsprüfung, ein Wunsch des Stadtrates, fertig sein und erste Schlüsse daraus gezogen werden könne. Die Frage ist, wo das Bad noch Einnahmen generieren oder Ausgaben reduzieren kann, um das jährliche Defizit zu senken.

Im Vor-Corona-Jahr 2019 blieb am Jahresende ein Verlust von 1,15 Millionen Euro. Darin enthalten waren Rückstellungen von 50 000 Euro für Personal-Überstunden. Diesen Puffer will Mirschberger in der Sanierungszeit nutzen, um Personal ohne finanziellen Einbußen freizustellen.


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2018 betrug das Defizit noch 880.000 Euro. Für das erste Corona-Betriebsjahr 2020 sagte Mirschberger im November einen "Einnahmeeinbruch und ein wahnsinniges Defizit" voraus. Ende April ist Kassensturz. Dank vom Bund erhaltener coronabedingter Ausgleichszahlungen könnte das Defizit aber weniger dramatisch ausfallen, so die Hoffnung.

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