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Nach Corona-Ausbruch: Sechs Todesfälle und Soldaten im Pflegeheim Streitberg

Die Hoffnung ruht auf den Einsatz von Bundeswehrsoldaten und neuen Tests - 21.12.2020 16:36 Uhr

Die Lage in der Streitberger Einrichtung spitzt sich zu. Nachdem ein Corona-Fall bekannt wurde, hatte sich das Virus in den vergangenen Tagen „wie ein Tsunami“ verbreitet, berichtet die Leiterin der Einrichtung, Alexandra Dauer.

21.12.2020 © Archivfoto: Roland Huber


Insgesamt sind aktuell 66 von 75 Personen mit dem Corona-Virus infiziert. Zwischenzeitlich waren es 71, fünf sind genesen und nachweislich negativ.

Bis auf die schweren Fälle seien die meisten Infizierten in der Einrichtung. Darunter sind auch Bewohner, bei denen sich die Infektion mit Müdigkeit, Appetitlosigkeit zeigt, die nichts essen oder trinken können. "Atemnot kommt seltener vor", sagt Dauer. Das ist aber keine Entwarnung. "Auch ohne Atemnot gibt es tödliche Verläufe."

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Die Hoffnungen von Dauer und ihren Mitarbeitern ruhen auf der Reihentestung nächste Woche: "Wir hoffen, dass viele Bewohner wieder negativ sind und die Krankheit überstanden haben." Nicht nur unter den Bewohnern, sondern auch unter den Mitarbeitern grassiert das Virus. Zuletzt waren 21 Kräfte davon betroffen. Zu viele, um den Betrieb wie bisher aufrecht erhalten zu können.

Soldaten in Schutzanzügen

Deshalb sind im Laufe des Montagnachmittags vier Bundeswehrsoldaten erwartet worden. "Sie sollen die Pflegekräfte entlasten, damit sie sich auf die Pflege konzentrieren können", erklärt Dauer. Die Soldaten sollen sich um das Bettenmachen kümmern, das Essen in die Zimmer bringen, Türgriffe oder Handläufe desinfizieren.

Erfolgreich sei auch ein Hilferuf in den NN gewesen. In einem Bericht hatte Einrichtungsleiterin Alexandra Dauer um Unterstützung von erfahrenen Pflegekräften geworben. Daraufhin haben sich mehrere Unterstützer gemeldet. "Das hat uns sehr gefreut und war ein sehr schönes Zeichen", sagt Dauer. "Wer in der direkten Pflege aktiv sein könnte, kann sich gerne weiterhin bei uns melden. Wir können in der Pflege immer Unterstützung brauchen."

"Wie ein Tsunami"

Die Ausbreitung von Corona in der Einrichtung vergleicht Dauer mit einem "Tsunami". Fuß gefasst hatte das Virus in der Einrichtung zunächst mit einer positiven Mitarbeiterin. Als das bekannt wurde, waren alle Bewohner und weiteren Mitarbeiter des betroffenen Wohnbereichs noch negativ auf Corona getestet worden, berichtet Dauer. "Eine Woche später waren bereits alle Bewohner positiv."

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Trotz Sicherheitsvorkehrungen: Die positive Mitarbeiterin samt Kontaktperson sei isoliert worden. Nicht nur schnell, sondern nahezu heimtückisch habe sich das Virus verbreitet. "Das Schlimme ist, dass Symptome teilweise fehlen", sagt Dauer. Erkrankte werden nicht erkannt, tragen aber Corona weiter. "Es dauert, bis bei Bewohnern Symptome auftreten." Und dann ist es fast schon zu spät.

Ausnahmen für Angehörige bei der Sterbebegleitung

Sorge machen Dauer auch die zuletzt stark angestiegenen Infektionszahlen im Landkreis. "Je mehr Menschen infiziert sind, desto höher ist die Gefahr, dass das Virus in das Heim mitgebracht wird. Eben auch von Menschen, die keine Symptome haben." Für die Soldaten und Beschäftigten in der Einrichtung gehören bei der täglichen Arbeit Schutzanzüge, Schutzbrillen, FFP2-Masken oder auch Handschuhe zu den Sicherheitsvorkehrungen.

Bis auf Weiteres gilt für die Einrichtung – sie steht unter Quarantäne – ein Besuchsverbot. In Einzelfällen sind Ausnahmen in Rücksprache mit dem Landratsamt möglich. Es ist für die Pandemie-Maßnahmen verantwortlich. Angehörige von Bewohnern, die sich im Sterben befinden, dürfen zu Besuch kommen, um sich verabschieden zu können.

Für alle Betroffenen sind diese Zeiten schwierige. Einrichtungsleiterin Alexandra Dauer: "Ich finde es sehr bedrückend, dass Bewohner versterben. Das belastet uns alle."

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