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Saisonarbeiter fehlen: Studenten und Asylbewerber helfen in der Fränkischen Schweiz

Für die Spargelernte ist noch keine Lösung gefunden - Arbeiten im Hopfenfeld - 02.04.2020 15:36 Uhr

Arbeit in luftiger Höhe: Dort wo normalerweise Saisonarbeiter aus Rumänien im Hopfenfeld die Drähte befestigen, stehen jetzt Studenten, Kurzarbeiter und auch Asylbewerber mit Arbeitsgenehmigung, um die Steighilfen für den Hopfen fest zu machen. © Foto: Ralf Rödel


"Wir haben genug Leute gefunden", berichtet Monika Friedrich, die bei Igensdorf Hopfen anbaut, total erleichtert. Vor gut einer Woche hatte sie – und auch ihr Sohn Matthias Friedrich sowie viele andere Landwirte, die auf Saisonarbeiter angewiesen sind, befürchtet, dass aufgrund der Corona-Krise der Hopfen-Anbau schon im Frühjahr, bevor noch die ersten Triebe aus dem Boden spitzen, den Bach runter geht.

Normalerweise greifen dem Hopfenbetrieb zehn Saisonarbeiter aus Rumänien tatkräftig unter die Arme, auch Sohn Matthias beschäftigt in der Regel zehn Helfer aus dem südöstlichen EU-Land. Doch wegen der Corona-Krise wurde deren Einreise kurzerhand gestrichen. Weder per Auto noch per Flugzeug war – und ist bis heute – deren Anreise möglich. 

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Jede Menge Hilfsangebote

"Wir meldeten uns dann auf dem Internetportal www.saisonarbeit-in-Deutschland.de an", erzählt Friedrich – und siehe da: "Wir haben jede Menge Hilfsangebote bekommen." Es hätten sich Studenten, Kurzarbeiter, Arbeitslose und auch vier Asylbewerber aus Afghanistan mit Arbeitserlaubnis gemeldet.

"Wir haben jetzt gute Leute, die alle engagiert und ganz fleißig zupacken", zeigt sich die Landwirtin zufrieden. 95 Prozent der neuen Helfer seien auch ausdauernd, nur ein paar Einzelne hätten aufgegeben. Zehn Helfer sind gerade damit beschäftigt, in luftiger Höhe die Drähte zu befestigen, an denen später die Hopfentriebe entlang ranken sollen. Sohn Matthias Friedrich hievt die neuen Mitarbeiter mit seinem Traktor, an dem eine Art Hebebühne befestigt ist, in die Höhe. Auch er hat über das Internetportal genug Helfer gefunden. 

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"Für mich ist das jetzt okay", sagt Monika Friedrich. "Die Leute wollen auch vorerst hier bleiben." Einige übernachten auf ihrem Hof, der Rest der Helfer komme aus der Umgebung und fährt nach der Arbeit wieder nach Hause. Das akute Problem sei erst mal gelöst. "Doch wie es Ende April dann weiter geht, das weiß kein Mensch", macht sie die unsichere Lage deutlich. Was sei, wenn die Studenten wieder studieren, die Kurzarbeiter wieder voll arbeiten? "Da gibt es viele große Fragezeichen."

Was ist mit Spargel?

Für Spargelbetriebe im Landkreis zund darüber hinaus zeichnet sich dagegen noch keine Lösung ab. "Die Spargelsaison hat jetzt begonnen. Allerdings ernten wir momentan nur kleine Mengen", wie Kathrin Güthlein vom Spargelhof Kupfer in Hausen erläutert. Im Moment werde die Arbeit auf dem Spargelfeld von Familienmitgliedern, Verwandten und hilfsbereiten Kunden erledigt. Doch wie es nächste Woche ausschaut, wenn die Spargelernte dann voll durchstartet und man eigentlich mehr Helfer bräuchte, "das weiß kein Mensch", so Kathrin Güthlein.

Verzweifeltes Warten

Die rund zwölf Saisonarbeiter aus Rumänien und Polen, die normalerweise seit vielen Jahren schon die Ernte am Spargelhof Kupfer erledigen, seien alle noch in ihrer Heimat und warten verzweifelt. "Sie rufen jeden Tag zweimal an und fragen, ob sie jetzt kommen können", erzählt Güthlein. Die Leute bräuchten dringend den schon fest eingeplanten Lohn, der Spargelhof dringend das eingespielte Helferteam. Die Situation könne sich täglich ändern, weiß die junge Landwirtin. "Momentan ist gar nichts planbar. Aber wir müssen das Beste draus machen." 

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MARIA DÄUMLER

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