Trotz Corona-Verdacht Sitzung besucht: Stadtrat löst Quarantäne in Forchheim aus

Ulrich Graser
Ulrich Graser

Redaktionsleiter, Nordbayerische Nachrichten für Forchheim und Ebermannstadt

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27.3.2021, 06:59 Uhr

© Foto: Edgar Pfrogner

Seit Tagen waberten Gerüchte durch die Stadt, die sich um die Frage drehten, wer denn für die Quarantäne verantwortlich sei. Mauser selbst sagt, dass "manche Kollegen" aus dem Stadtrat "sehr souverän" mit der Nachricht und seinem Verhalten umgegangen seien, "vor allem der Oberbürgermeister". Andere wiederum hätten per WhatsApp und auf anderem Wege sich über ihn beschwert – konservativ ausgedrückt.


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Was ist genau passiert? Manfred Mauser erzählt: Am Donnerstag vor der bewussten Sitzung hatten er und seine Frau ein befreundetes Ehepaar als Essensgäste eingeladen. Der Mann ist ebenfalls Stadtrat (sein Name ist der Redaktion bekannt). Dieser Stadtrat weilte zwei Tage später, am Samstag, 13. März, "beim Abfischen", einem geselligen und sehr anstrengenden Ereignis, so Mauser, bei dem Maskentragen wohl eher nicht üblich ist. Einer aus dieser Gesellschaft wurde wohl kurz darauf positiv getestet, weswegen der beteiligte Stadtrat ebenfalls einen Test machen ließ – der schließlich positiv ausfiel.

Am selben Tag die Sitzung besucht

Um in der Chronologie zu bleiben: Am Morgen des Dienstags, 16. März, ruft besagter Stadtrat bei Manfred Mauser an und erzählt, er sei im Nachgang zum Abfischen aufgrund eines Corona-Verdachts getestet worden, habe noch keine Ergebnisse, aber es könnte noch was kommen. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Ergebnis ja noch nicht vorgelegen.

Am selben Tag, so Mauser, besuchte er ab 16.15 Uhr die Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses in der Aula der Ritter-von-Traitteur-Schule: "Ich habe mich pumperlg’sund gefühlt, hatte keinerlei Symptome, bis heute nicht, und wir halten uns in den Sitzungen ja an alle Regeln: Abstand, Masken, es gibt sogar eine CO2-Ampel." Vor Beginn der Sitzung erzählt Mauser übrigens in der Runde ("Habt ihr schon gehört?"), dass der bewusste Kollege getestet wurde und dass "etwas sein könnte". Offenbar stört sich in dieser Situation noch niemand daran.

Das Verhängnis nahm seinen Lauf

Die Sitzung nimmt ebenso ihren Lauf wie das Verhängnis. Zwei Tage später, am Donnerstag, so berichtet Manfred Mauser weiter, ruft ihn das Gesundheitsamt an: "Meine Frau und ich, hieß es, sind Kontaktpersonen ersten Grades, weil wir die Woche zuvor mit dem Ehepaar zusammengesessen waren, von dem der Mann nun positiv getestet worden sei."


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© Foto: privat

An dieser Stelle sei eingeworfen: Das Essen fand zwei Tage vor dem Abfischen statt. Wenn sich der Kollege aber bei letzterer Gelegenheit angesteckt hatte, warum sind die Mausers dann Kontaktpersonen ersten Grades? Mauser: "Kein Mensch weiß, wo sich der Kollege wirklich angesteckt hat." Und weiter: Am Freitag wurde das Ehepaar Mauser beim Arzt getestet. Am Samstag rief das Gesundheitsamt beim Oberbürgermeister an und informierte ihn, dass ein Sitzungsteilnehmer im Nachgang zur Sitzung positiv getestet wurde und alle anderen Sitzungsteilnehmer sich daher ebenfalls ab sofort in Quarantäne begeben müssen. Der OB hängt sich ans Telefon und informiert alle Betroffenen.

"Beim nächsten Mal bin ich g'scheiter"

Die weiteren Folgen sind bekannt: Die Stadtratssitzung am letzten Donnerstag wurde abgesagt und auf den Tag nach der Quarantäne verschoben. Der Stadtrat wird am Montag in einer historisch einmaligen Open-Air-Sitzung darüber entscheiden, ob ab sofort auch "Hybrid-Sitzungen" zulässig sind, also Treffen, bei denen mindestens die Sitzungsleitung im Saal sitzt, der Rest wird per Video zugeschaltet.

Der Stadtrats-Kollege, der positiv getestet worden war, ist übrigens seit gestern Vormittag aus der Quarantäne entlassen. Für die Sitzungsteilnehmer/innen dauert sie noch bis einschließlich Dienstag. "Das ist einfach dumm gelaufen", so Manfred Mauser. Man könne ihm "als einziges" vorhalten, dass er hätte daheim bleiben sollen, anstatt in die Sitzung zu gehen. "Beim nächsten Mal", sagt er, "bin ich g’scheiter".

Dieser Artikel wurde am 28. März aktualisiert. So erwies es sich als nicht richtig, dass es sich um die Sitzung des Haupt- , Personal - und Kulturausschusses handelt. Der Fehler wurde ausgebessert. Ebenso wie die Angabe, dass Manfred Mauser "nur" als Kontaktperson ersten Grades eingestuft wurde und daher alle anderen Anwesenden in Quarantäne mussten. Tatsächlich wurde er am Freitag nach der Sitzung positiv getestet.

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