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Freitag, 25.09.2020

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110 Jahre Ronhof: Der Baubeginn des Sportparks

Teil zwei der FN-Serie: Viele vermögende Fürther zeigten sich dem Kleeblatt zugetan - 16.04.2020 05:00 Uhr

Klein, aber mein: So sah das erste Sportheim der SpVgg Fürth am westlichen Ende des Ronhofs aus.

© Foto: Archiv der SpVgg Greuther Fürth


Dieses Votum war eindeutig: Nachdem sich die Platzkommission der SpVgg Fürth, bestehend aus dem Vorsitzenden Heinz Ludwig Kraus, dem Kassier und Mühlenbesitzer Michael Wolfsgruber sowie dem Gründungsmitglied Bernhard Winkler, auf ein Grundstück in der Gemeinde Ronhof geeinigt hatte, stimmte die Mitgliederversammlung ihrer Empfehlung mit 100:1 Stimmen zu. Nicht überliefert ist, wer der einzige Gegner des Vorhabens war.


110 Jahre Ronhof - Folge 1: Als die Fürther ihr Stadion bekamen


So ging es an die Verhandlungen mit den Besitzern der Acker- und Waldflächen, alle in der damals noch von Fürth unabhängigen Gemeinde Ronhof ansässig. Der größere Teil gehörte den "Gebrüdern Lebender", einem gewissen "Ökonomen Brandstätter" wollte man noch ein kleineres Grundstück abkaufen. Relativ schnell konnte Einigkeit erzielt werden.

Der Kaufpreis betrug zusammengenommen 24.000 Mark. Das Statistische Bundesamt gibt im historischen Vergleich der Kaufkraft an, dass eine Mark in jener Zeit etwa 5,30 Euro des Jahres 2020 entspräche. Umgerechnet musste das Kleeblatt also rund 120.000 Euro für das Grundstück aufwenden. Die Einnahmen des Vereins waren laut Kassabuch von rund 5000 Mark im Jahr 1908 zwar auf immerhin 8500 Mark im Jahr 1909 gestiegen. Doch war klar, dass man für die Finanzierung des neuen Sportparks außergewöhnliche Anstrengungen unternehmen musste.

Reiche Fürther waren Fußballfans

Die Kaufsumme war schließlich durch den Verkauf von Schuldscheinen, Darlehen von Banken, aber auch Zuwendungen von Gönnern aufgebracht worden. Doch bedurfte es danach einer noch größeren finanziellen Anstrengung, das Gelände nun auch zu gestalten. Der Aufwand schoss in die Höhe, sodass am Ende noch einmal 36.000 Mark für den Bau aufgebracht werden mussten.

Dabei kam der SpVgg zugute, dass viele vermögende Fürther Bürger sich dem neuen Sport und dem aufstrebenden Kleeblatt zugetan zeigten, wie man aus einigen Mitteilungen in den Vereinsmedien der damaligen Zeit lernen kann.

Ein berühmtes Beispiel hierfür ist Alfred Louis Nathan. In der neuen Haupttribüne am Laubenweg ist dauerhaft ein "Widmungspokal" zur Gründung des Ronhofs ausgestellt, den er gestiftet hatte. Man darf davon ausgehen, dass der wegen seiner großen Stiftertätigkeit in Fürth zum Ehrenbürger ernannte Nathan, nach dem unter anderem die Geburtsklinik "Nathanstift" benannt ist, nicht nur den hübschen silbernen Jugendstil-Pokal, sondern auch eine namhafte Summe zum Bau der Sportanlage gespendet hatte.

Als weiterhin Geld in die Kassen floss, wurde SpVgg-Mitglied Karl Hendrich mit der Bauleitung beauftragt. Er erstellte auch sämtliche Pläne für den Platz und die ersten Gebäude. Die größte Schwierigkeit bestand darin, dass das Gelände zum Teil Acker war, zum Teil aber der typisch sandige Waldboden des Fürther Nordens, wie man ihn noch heute auf der Kronacher Hard Richtung Stadeln finden kann.

So musste zu Beginn der Arbeiten im März 1910 der Boden des Geländes erst einmal aufwändig planiert und verdichtet werden, was damals alles noch in schweißtreibender Arbeit von Hand geschah.

Um den Tonnen von Aushub schneller Herr zu werden, wurden vom Bauunternehmen Johann Gran sogar Schienen verlegt, auf denen von Arbeitern gezogene Loren den feinen Sand vom Gelände schaffen und gleichzeitig schwere Erde herankarren konnten.


110 Jahre Ronhof - Folge 3: Die feierliche Eröffnung des Sportparks


Parallel wurden die Arbeiten am Hauptspielfeld des Ronhofs, das heute noch an derselben Stelle liegt wie damals, der Tribüne, einem Gerätehaus und einem Kassahäuschen begonnen. Um die Ränge des Stadions aufschütten zu können, wurde ein halbwegs bewegliches Gerüst entworfen, das langsam seinen Weg um das entstehende Fußballfeld nahm.

Ohne Stromanschluss

Die Arbeiten schritten relativ rasch voran, obwohl man mangels Elektrizität auf Tageslicht oder Petroleumbeleuchtung angewiesen war. Die selbständige Gemeinde Ronhof war damals noch nicht an das Versorgungsnetz der Stadt Fürth angeschlossen, das sollte erst mit der Eingemeindung 1927 geschehen.

Diesen Widmungspokal stiftete Alfred Nathan zur Eröffnung des Ronhofs.

© Foto: Archiv der SpVgg Greuther Fürth


Im August begann dann auch der Bau des sogenannten Restaurationsbetriebs, des ersten Sportheims der SpVgg Fürth, das seinerzeit im äußersten westlichen Teil des Geländes, idyllisch am Rande eines kleinen Wäldchens, in Fachwerkbauweise errichtet wurde. Da das Kapital für dieses Gebäude nicht mehr ausgereicht hätte, war man auf der Suche nach einem Geldgeber und fand ihn in Gestalt der Brauerei "Evora und Meyer".

Deren Braustätte lag in der Erlanger Straße 50, vom Ronhof aus konnte man ihre Schornsteine gut erkennen. Die Brauerei, deren Verwaltungsgebäude heute noch erhalten ist und ein Café beherbergt, streckte dem Verein das Geld für die Arbeiten und die Einrichtung zu günstigen Konditionen vor.

Da auch die Arbeiten am Stadion und der Tribüne gute Fortschritte machten, einigten sich die Verantwortlichen darauf, schon im September die große Einweihung des Sportgeländes stattfinden zu lassen. Man stellte ein Programm zusammen und machte sich auf die Suche nach einem Gegner, der dem Anlass gemäß entsprechend prominent sein sollte.


Alle Folgen der Serie:

110 Jahre Ronhof - Folge 1: Als die Fürther ihr Stadion bekamen

110 Jahre Ronhof - Folge 2: Der Baubeginn des Sportparks

110 Jahre Ronhof - Folge 3: Die feierliche Eröffnung des Sportparks

110 Jahre Ronhof - Folge 4: Mit Townley erklomm Fürth die Spitze

110 Jahre Ronhof - Folge 5: Der Schock nach Fürths Meisterschaft

110 Jahre Ronhof - Folge 6: Nach dem Krieg im Aufwind

110 Jahre Ronhof - Folge 7: Der Verfall begann schleichend

110 Jahre Ronhof - Folge 8: Zukunft mit Flutlicht statt Pappeln

Jürgen Schmidt

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