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110 Jahre Ronhof: Mit Townley erklomm Fürth die Spitze

Die entscheidenden Schritte zur ersten deutschen Meisterschaft - 25.04.2020 07:33 Uhr

Trainerbänke gab es 1911 noch nicht: Dieses bislang unveröffentlichte Bild zeigt, wie der spätere Meistertrainer William Townley (Mitte) neben der Seitenlinie im Gras sitzend das Spiel seiner Mannschaft beobachtet. Links von ihm der damalige Vorstand Heinz Ludwig Kraus.

© Foto: Archiv SpVgg Greuther Fürth


Die Eröffnungsfeier des „Sportplatzes am Ronhofer Weg gegenüber dem Zentralfriedhof“ am 11. September 1910 war ein großer Erfolg. Die Verantwortlichen der Spielvereinigung standen danach allerdings vor zwei großen Themenkomplexen, die sie zeitnah abarbeiten wollten. Erstens hatte sich schon beim Eröffnungsspiel gegen den Karlsruher FV herausgestellt, dass der Hauptplatz für die zu erwartenden Zuschauermengen zu klein angelegt war und vergrößert werden musste.


110 Jahre Ronhof - Folge 3: Die feierliche Eröffnung des Sportparks


Zweitens wollte man die Leistungsstärke der Ersten Mannschaft anheben, um in der Spitze mithalten zu können. Die bayerische Endrunde hatte 1909/10 einen enttäuschenden vierten Platz gebracht, hinter Bayern, dem 1. FCN und dem MTV München. Und der Start in die neue Saison des "Ostkreises" war auch nicht dazu geeignet, Hoffnungen auf eine schöne Zukunft zu wecken.

Das erste offizielle Pflichtspiel im neuen Stadion verlor die SpVgg am 18. September 1910, eine Woche nach der Eröffnung, gegen Bayern München mit 0:6. Die Leistungen in der Liga waren durchwachsen, auch wenn der Ronhof in seinem ersten Derby am 20. November 1910 mit einem 2:1 auch den historisch ersten Sieg der SpVgg über den Club feiern durfte.

Der Engländer, den man bei der Eröffnung kennengelernt hat

So machten sich die Verantwortlichen im Frühjahr 1911 daran, die Basis für die sportliche Verbesserung zu legen. Alle 98 anwesenden Mitglieder stimmten auf der Hauptversammlung am 8. April dafür, erstmals einen bezahlten Trainer anzustellen. Dieser war William Townley, der Engländer, den man bei der Eröffnung als Coach des Karlsruher FV kennen gelernt hatte. Rund 280 Mark betrug sein Gehalt. Der Vertrag wurde auf zwei Jahre abgeschlossen.

Diese Investition und weitere Ausbauten des Stadions waren möglich, da sich die Hoffnung auf höhere Einnahmen erfüllte. Diese hatten sich, obwohl der Ronhof ja erst ab September 1910 zur Verfügung stand, von knapp 8500 Mark im Jahr 1909 auf 14.000 Mark im Jahr 1910 erhöht. 1911 standen 27.000 Mark zu Buche, bis 1914 stieg der jährliche Betrag in der Kasse auf über 35.000 Euro.

Beim Freundschaftsspiel gegen Newcastle United erklommen die Besucher sogar das Dach der Tribüne.

© Foto: Archiv SpVgg Greuther Fürth


Die Mannschaft wurde unter Townley nicht nur spielstärker, es wurden auch junge Spieler aus der eigenen Jugend (die der englische Ex-Nationalspieler ebenfalls trainierte) und sukzessive Spieler von anderen Vereinen eingebaut. Dies erhöhte die Schlagkraft: 1911 erreichte man im überfüllten Ronhof mit einer knappen 1:2-Niederlage gegen Newcastle United das beste Ergebnis einer deutschen Mannschaft gegen die als übermächtig geltenden englischen Profis auf deren Deutschlandreise. 1912 und 1913 gewann das Kleeblatt jeweils die neu eingeführte eingleisige "Ostkreisliga" vor Bayern München, die Süddeutsche Meisterschaft war jedoch Endstation.

Platz für mehr Zuschauer

Der Ausbau verschaffte nun die Möglichkeit, mehr Zuschauer auf besseren (und teureren) Plätzen unterzubringen. Die Tribüne wurde 1913 auf 52 Meter verlängert, die Ränge neben der Tribüne mit unüberdachten Sitzbänken ausgestattet, zudem wurden die Stehränge erhöht, sodass eine Kapazität von mehr als 10.000 Zuschauern erreicht wurde.

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Zum Saisonstart in Fürth: Der Ronhof in neuem Gewand

Der Sportpark Ronhof hat sich zum Start in die Saison der 2. Fußball-Bundesliga 2018/19 ganz schön verändert. Der zweite Bauabschnitt der Haupttribüne ist fertig, es gibt einen, mehr Kioske und Toiletten und bald auch einen Fanshop. Wir haben den neuen Ronhof kurz vor Saisonstart fotografiert.


Das neue Sportgelände eröffnete neben dem Fußball anderen Sportarten Möglichkeiten: Die Leichtathletikabteilung vergrößerte sich, es gründete sich eine Hockeyabteilung und der Fürther "Schwerathletik-Klub Eiche" schloss sich an. Letzteres führte zu dem Kuriosum, dass, noch bevor die Fußballer erstmals Meister wurden, der Federgewichts-Ringer Nikolaus Hahn im Jahr 1913 in Kassel im griechisch-römischen Stil durch einen Sieg über Karl Müller aus Mainz die erste Deutsche Meisterschaft für die SpVgg Fürth holte.

Dem wollten die Fußballer nicht nachstehen. Von Jahr zu Jahr hatten sie sich durch Townleys Wirken verbessert. Im März 1913 verlängerte die SpVgg den Vertrag um weitere zwei Jahre, obwohl "ein großer Nürnberger Verein", wie die Chronik mitteilt, den Coach abwerben wollte. Townley blieb und bekam Verstärkungen. Vom Frankfurter FV kam der ungarische Nationalstürmer Fritz Weicz, aus Karlsruhe holte Townley seinen ehemaligen Schützling Julius Hirsch, der mittlerweile Nationalspieler war. Schließlich verstärkte noch Hans Jacob von Pfeil Nürnberg den Sturm, der von da an die Überlegenheit der Fürther in Toren ausdrückte.

Das erste große Endrundenspiel

So gewann das Kleeblatt erneut die Ostkreismeisterschaft mit sieben Punkten Vorsprung auf den 1. FCN. Erstmals war die SpVgg in der Süddeutschen Endrunde erfolgreich und siegte in einer Vierer-Liga mit dem Frankfurter FV, Kickers Stuttgart und VfR Mannheim. Nachdem die Fürther das Viertelfinale der Deutschen Meisterschaft in Leipzig gegen die SpVgg Leipzig 2:1 gewonnen hatten, erlebte der Ronhof am 17. Mai 1914 sein erstes großes Endrundenspiel: Der Berliner BC reiste an, und es kamen rund 12 000 Anhänger. Nie zuvor war eine so große Zuschauermenge in Süddeutschland registriert worden.

Die wurde bestens unterhalten: Nach dramatischem Verlauf gewann die SpVgg in der 143. Minute (!) durch ein Tor von Karl Franz 4:3. Getoppt wurde dies im Finale am 31. Mai in Magdeburg. Dort holte das Kleeblatt, erneut durch ein Tor von Franz, die erste Meisterschaft: Nach Verlängerung gewannen die Fürther in der 153. Minute 3:2.

So hatte die SpVgg Fürth also den größten Sportplatz und die beste Mannschaft des Deutschen Reichs und gehörte mit über 1600 Mitgliedern auch zu den größten Sportvereinen. Die nahe Zukunft schien beste Aussichten zu bringen, doch wenige Wochen nach dem Triumph von Magdeburg unterbrach der Erste Weltkrieg die Ära von William Townley, die Erfolge der SpVgg und die weitere Entwicklung des Sportparks. Zumindest vorerst.

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Kleeblatt-Historie zum Anfassen war im Februar 2016 das Motto im Ronhof. Die Fans konnten ein letztes Mal durch die Katakomben der Haupttribüne wandern, die Mixed-Zone erkunden oder sich bei einem Basar Schätze aus der Vergangenheit sichern.



Alle Folgen der Serie:

110 Jahre Ronhof - Folge 1: Als die Fürther ihr Stadion bekamen

110 Jahre Ronhof - Folge 2: Der Baubeginn des Sportparks

110 Jahre Ronhof - Folge 3: Die feierliche Eröffnung des Sportparks

110 Jahre Ronhof - Folge 4: Mit Townley erklomm Fürth die Spitze

110 Jahre Ronhof - Folge 5: Der Schock nach Fürths Meisterschaft

110 Jahre Ronhof - Folge 6: Nach dem Krieg im Aufwind

110 Jahre Ronhof - Folge 7: Der Verfall begann schleichend

110 Jahre Ronhof - Folge 8: Zukunft mit Flutlicht statt Pappeln

Jürgen Schmidt

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