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110 Jahre Ronhof: Zukunft mit Flutlicht statt Pappeln

Letzter Teil der FN-Serie: Hack, Sommer und das Herz des Fürther Fußballs - 10.06.2020 15:00 Uhr

Im Mai 1997 wurde im Ronhof der Erdwall der Nordkurve abgetragen. Im Hintergrund ist das alte Sportheim zu sehen, das 2009 den neuen Eingängen weichen musste.

© Foto: Archiv der SpVgg


Es war Gründonnerstag 1995, der 13. April, später Abend. Der Abpfiff der Regionalliga-Partie TSV Vestenbergsgreuth gegen die SpVgg Fürth war ertönt. Wenig später gab es nochmal einen Anstoß: Nicht auf dem Feld, sondern im Sportheim des TSV. Die Greuther hatten das Heimspiel am Schwalbenberg 1:2 verloren, im Kampf um den Aufstieg nutzte dem Kleeblatt der Sieg aber nichts mehr. Zu weit enteilt war die SpVgg Unterhaching.


110 Jahre Ronhof - Folge 7: Der Verfall begann schleichend


Fürths Präsident Edgar Burkart und sein Greuther Pendant Helmut Hack saßen noch auf ein Bier zusammen, und Hack meinte, es sei eigentlich Unsinn, sich gegenseitig zu bekriegen, anstatt die Kräfte zu bündeln. Erstaunlicherweise, so erinnert sich Hack, habe ihm Burkart Recht gegeben. So entwickelte sich aus dem Sportheim-Gespräch relativ schnell die SpVgg Greuther Fürth, die bereits 1996/97 in ihre erste Saison gehen sollte.

Für den Sportpark Ronhof hatte das enorme Konsequenzen. Die neue Führung mit Hack als Präsidenten und Burkart als "Vize" hatte die zweite Liga als Ziel ausgegeben. "Wir wussten aber", erinnert sich Hack heute, "dass wir mit dem Ronhof in seiner damaligen Verfassung nie die Lizenz bekommen hätten." So war die Renovierung des verfallenen Stadions einer der wichtigsten Pfeiler im Aufbau der neuen Zeit des Fürther Fußballs.

Vor der Premieren-Saison im Sommer 1996 wurden erste kosmetische Eingriffe vorgenommen, im Verlauf der Spielzeit wurde es ernst: Die SpVgg hatte, zusammen mit dem erstmals in die Drittklassigkeit abgestürzten 1. FC Nürnberg, die Regionalliga Süd beherrscht. Da der Süden in jenem Jahr mit zwei direkten Aufsteigern an der Reihe war, hatte man frühzeitig erkannt, dass es für den Sprung nach oben reichen würde.

Hack überzeugt Brandstätter

Eine Hürde war aber außerhalb des Spielfelds zu nehmen: Hack musste den Besitzer des Ronhofs, Playmobil-Chef Horst Brandstätter, von den Plänen überzeugen. Was ihm schließlich gelang. Und so setzte Anfang Mai 1997 ein Arbeiter eine kreischende Kettensäge an den Stamm einer der alten Pappeln auf der Nordkurve. Es war der lautstarke Beginn einer Entwicklung, die den Ronhof in den nächsten Jahrzehnten vom maroden Rund zum modernen Bundesligastadion werden lassen sollte. Ab dem 12. Mai 1997 fraßen sich Bagger in die Erdwälle.

Während die Mannschaft die letzten Punkte für den Aufstieg erspielte, glich der Sportpark einer Baustelle. 3000 Menschen feierten den Aufstieg unterm Rathausbalkon, und am Laubenweg entstanden in sehr kurzer Zeit eine neue Gegengerade und die Nordtribüne, damals noch ohne Dach. Es waren die massivsten Baumaßnahmen seit der Errichtung der Haupttribüne 1950.

Bilderstrecke zum Thema

Zum Saisonstart in Fürth: Der Ronhof in neuem Gewand

Der Sportpark Ronhof hat sich zum Start in die Saison der 2. Fußball-Bundesliga 2018/19 ganz schön verändert. Der zweite Bauabschnitt der Haupttribüne ist fertig, es gibt einen, mehr Kioske und Toiletten und bald auch einen Fanshop. Wir haben den neuen Ronhof kurz vor Saisonstart fotografiert.


Diese war in die Jahre gekommen und musste im Inneren aufwändig renoviert werden. Schon am 20. Juli, noch vor Beginn der Zweitligasaison, gab es ein Eröffnungsspiel für den nun "Playmobil-Stadion" genannten, aufgehübschten Ronhof: Gegner war der damalige Uefa-Cup-Teilnehmer 1860 München. Ein gewisser Rachid Azzouzi erzielte das erste Tor der "neuen Zeitrechnung" zum 1:0-Sieg in der 8. Minute nach Zuspiel von Frank Türr.

9000 Kubikmeter Material

In den folgenden Jahren etablierte sich das Kleeblatt wieder in der zweithöchsten Spielklasse – und parallel wurde ständig weiter gearbeitet am Laubenweg. Im Sommer 1999 besonders heftig: Da die DFL die Beleuchtung zur Lizenzauflage gemacht hatte, wurde im Ronhof ein Flutlicht installiert. Gleichzeitig wichen im Süden die Erdwälle einer neuen Tribüne, die allerdings ohne Dach auskommen musste. 9000 Kubikmeter Material wurden weggefahren. Am 20. August 1999, beim ersten Saison-Heimspiel gegen den 1. FC Köln, erstrahlte erstmals ein Flutlicht bei einem Spiel im Ronhof.

Als im Vorfeld der WM 2006 allerorten Stadionbauten verwirklicht wurden, prüfte man in Fürth verschiedene Möglichkeiten. Ein Neubau auf der Hardhöhe wurde wegen der Kosten verworfen, ein Komplettumbau des Ronhofs war schwierig, da wegen der privaten Besitzverhältnisse öffentliche Gelder kaum zu bekommen waren.

Die Trainingsbedingungen für den Fußball-Nachwuchs und den Breitensport verbesserten sich nach der Fusion mit dem Tuspo im Jahr 2003, da das Gelände am Seeacker dazukam und modernisiert wurde. Doch das Fragezeichen hinter der Spielstätte für den Profifußball blieb.

Der "Block 1" weicht einem VIP-Gebäude

Dennoch konzentrierte sich die SpVgg zunächst auf den Verbleib im Sportpark: 2007 wurde der immer noch aus den Anfangsjahren stammende Rasen abgehobelt. Es musste eine Rasenheizung verlegt werden. Ein Jahr später schlug das Stündlein des letzten Rests des alten Erdwalls: Der "Block 1" neben der Haupttribüne musste weichen für ein Verwaltungs- und VIP-Gebäude, gleichzeitig bekam die Nordtribüne ein Dach.

Die gute sportliche Entwicklung wirkte sich zeitnah auf das Stadion aus: Als das Team unter Trainer Mike Büskens 2012 den Bundesliga-Aufstieg schaffte, wurde die Südkurve vergrößert und mit einem Dach versehen – erstmals war der Ronhof komplett überdacht.

Gegen weitere, noch kostenintensivere Umbauten sprach aber die Pachtsituation – der Vertrag lief nur bis 2025. Der Fürther Immobilien-Unternehmer Thomas Sommer wollte einen Neubau in der Südstadt finanzieren. Ein Grundstück war bald gefunden, doch die Planungen gerieten ins Stocken, "Stadt und SpVgg haben die wirtschaftlichere Lösung bevorzugt", lieber den Ronhof auszubauen, sagte Sommer damals den FN.

Pachtvertrag bis 2050

Denn der jetzige Ronhof-Besitzer Conny Brandstätter kündigte im November 2012 an, dass er den Pachtvertrag doch bis 2040 verlängern würde. So entschied sich die SpVgg endgültig für eine Zukunft am Laubenweg und begann die Planungen für eine umfangreiche Modernisierung.

Brandstätter verlängerte 2015 den Pachtvertrag sogar bis 2050. Das neue Trainingszentrum der Profis auf der Kronacher Hard und der Umzug der Verwaltung an den Kleeblatt Campus am Seeacker setzten Fläche frei auf dem Sportparkgelände. Im Februar 2016 schließlich begann der Abriss der alten Haupttribüne.

In zwei Bauabschnitten wurde bis 2018 eine neue Tribüne errichtet, die Außenanlagen wurden umgestaltet. Auf dem ehemaligen B-Platz neben einer Sparkassenfiliale baut nun Brandstätter eine Kindertagesstätte und Gewerberäume. Am Stadion selbst sind die Voraussetzungen geschaffen, die bisherigen Tribünen durch neue zu ersetzen.

Die traditionsreichste Spielstätte im deutschen Profifußball darf sich weiterentwickeln. Dass sie nach den Ereignissen der vergangenen Jahrzehnte überhaupt eine Zukunft hat, ist erstaunlich. Der Sportpark hat sich als zäh erwiesen: Das Herz des Fürther Fußballs schlägt auch nach dem 110. Geburtstag des Ronhofs am 11. September weiter am Laubenweg.


Alle Folgen der Serie:

110 Jahre Ronhof - Folge 1: Als die Fürther ihr Stadion bekamen

110 Jahre Ronhof - Folge 2: Der Baubeginn des Sportparks

110 Jahre Ronhof - Folge 3: Die feierliche Eröffnung des Sportparks

110 Jahre Ronhof - Folge 4: Mit Townley erklomm Fürth die Spitze

110 Jahre Ronhof - Folge 5: Der Schock nach Fürths Meisterschaft

110 Jahre Ronhof - Folge 6: Nach dem Krieg im Aufwind

110 Jahre Ronhof - Folge 7: Der Verfall begann schleichend

110 Jahre Ronhof - Folge 8: Zukunft mit Flutlicht statt Pappeln

Jürgen Schmidt

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