Neues Konzept

Alarm für alle: Stadt Fürth baut Sirenennetz aus

Luisa Degenhardt
Luisa Degenhardt

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19.10.2021, 06:00 Uhr
Wenn die Berufsfeuerwehr bei ihren Einsätzen feststellt, dass sie die Unterstützung der Freiwilligen Wehren braucht – kürzlich so geschehen bei einem Brand in Stadeln – werden diese auf Zuruf von der Integrierten Leitstelle alarmiert. Das wird auch künftig so gehandhabt, dann aber stehen dafür mehr Sirenen zur Verfügung.

Wenn die Berufsfeuerwehr bei ihren Einsätzen feststellt, dass sie die Unterstützung der Freiwilligen Wehren braucht – kürzlich so geschehen bei einem Brand in Stadeln – werden diese auf Zuruf von der Integrierten Leitstelle alarmiert. Das wird auch künftig so gehandhabt, dann aber stehen dafür mehr Sirenen zur Verfügung. © Foto: News5/Oßwald

Während der Alarm im vergangenen September etwa in der Fürther Innenstadt und Stadeln gut zu vernehmen war, soll es im Westen Fürths und in der Südstadt ganz anders gewesen sein. Die Verwaltung hat diese Erkenntnis sicher nicht überrascht. Christian Gußner, der Chef der Fürther Berufsfeuerwehr, erklärte damals auf FN-Nachfrage, dass die Kleeblattstadt nicht flächendeckend mit Sirenen ausgestattet ist. Ein Ingenieurbüro arbeitete zu dem Zeitpunkt bereits daran, das zu ändern.

Nun, etwa ein Jahr später, liegt ein Sirenennetzkonzept vor. Die Stadträtinnen und -räte segneten es in ihrer jüngsten Sitzung ab. Ziel ist die flächendeckende Beschallung des Fürther Stadtgebiets. Einerseits sollen die Menschen vor Katastrophen gewarnt, andererseits die Freiwilligen Feuerwehren alarmiert werden – die Töne sind jeweils unterschiedlich, erklärt Gußner.


Kritisch: Rauchmelder verursachen immer mehr Fehlalarme


Günstig wird das neue System augenscheinlich nicht. Für die Einrichtung der Sirenen werden etwa 880.000 Euro fällig. Doch es winken hohe Zuschüsse – vorausgesetzt, die Warnmelder sind bis Ende 2022 betriebsbereit. Dann hätte die Stadt nur noch einen Eigenanteil von rund 245.000 Euro zu stemmen. Hinzu kommen jährliche Wartungskosten von 10.000 Euro für 46 Sirenen. 25 Exemplare sollen auf Fürths Dächern montiert werden, 21 an Masten.

Bislang sind im Stadtgebiet 30 Warnmelder verteilt. "Sie sind damals entstanden, um die Freiwilligen Feuerwehren zu alarmieren, da ist kein Konzept dahinter", sagt Gußner. Das gibt es nun und es sieht unter anderem vor, die alten, motorgesteuerten Exemplare durch moderne, elektronische zu ersetzen.

Das beauftragte Ingenieurbüro hat überprüft, wo neue Sirenen angebracht werden können. "Die Standorte sind so weit mit den Grundstückseigentümern abgeklärt", versichert Gußner. Niemand, der noch nichts von der Stadt gehört habe, müsse befürchten, dass auf seinem Grund eine Sirene montiert wird, fügt er schmunzelnd hinzu. Größtenteils wurden dafür öffentliche Gebäude, etwa der Infra, der Stadt oder von Feuerwehren, in den Fokus genommen.

Die Sirenen, heißt es in der Vorlage der Verwaltung für den Stadtrat außerdem, "bieten große einsatztaktische Vorteile". Denn sie können in verschiedensten Konstellationen ausgelöst werden: einzeln, alle auf einmal, gruppenweise nach Stadtteilen, nach vordefinierten Einsatzstichworten oder in jedem Einsatzfall lageabhängig. "Wir können punktgenau sagen, welchen Bereich wir im Stadtgebiet warnen wollen", fasst Gußner zusammen.

Die Funktionsfähigkeit der Geräte soll ständig überwacht werden. Ein spezielles System erkennt rund um die Uhr Störungen und meldet sie an die Leitstelle und ans Amt für Brand- und Katastrophenschutz. Der Vorteil: Probleme können zügig behoben werden.

Sparsamer Einsatz

Wenn alles glatt läuft und das Sirenennetz Ende 2022 einsatzbereit ist, wird es grundsätzlich wie bisher funktionieren – dann allerdings flächendeckend: Sollen die Freiwilligen Wehren alarmiert werden, löst die Integrierte Leitstelle die Warnmelder aus. Muss die Bevölkerung gewarnt werden, um sich im Anschluss über andere Kanäle zu informieren, was zu tun ist, entscheidet die Berufsfeuerwehr nach bestimmten Kriterien, ob das Geheul erklingt oder nicht.

Einen Automatismus soll es Christian Gußner zufolge nicht geben. Denn wenn die Sirenen zu oft ertönen, führe das zum Abstumpfen der Menschen – und das wolle man vermeiden.

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