Corona-Mutationen: Erster Verdachtsfall am Fürther Klinikum

Claudia Ziob
Claudia Ziob

Lokalredaktion Fürth

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28.1.2021, 17:35 Uhr
Das Labor des Fürther Klinikums untersucht die Proben der Patienten jetzt auch daraufhin, ob eine der ansteckenderen Corona-Mutationen vorliegt.

Das Labor des Fürther Klinikums untersucht die Proben der Patienten jetzt auch daraufhin, ob eine der ansteckenderen Corona-Mutationen vorliegt. © Hans-Joachim Winckler

Möglichst schnell wollte man am Fürther Klinikum in der Lage sein, zu untersuchen, ob Patienten sich mit einer der neuen Corona-Mutationen angesteckt haben, die seit einigen Wochen nicht nur in der Politik zunehmend für Beunruhigung sorgen. Im hauseigenen Labor konnte man inzwischen ein entsprechendes Verfahren aufbauen, "als erstes Krankenhaus in der Region", sagt Dr. Manfred Wagner, Medizinischer Direktor und Pandemiebeauftragter des Fürther Klinikums.


Corona-Mutation: Zwei Fälle in Nürnberg nachgewiesen


Und prompt habe man eine erste Patienten-Probe gefunden, die bestimmte Kennzeichen aufweist, die charakteristisch für die drei Mutanten aus Großbritannien, Südafrika und Brasilien sind. Sie gelten als ansteckender als die bisher kursierenden Formen - und damit als große Gefahr beim Bemühen, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. In den vergangenen Tagen wurden bereits erste Fälle der britischen Corona-Variante unter anderem aus Bayreuth, Erding, München und Passau gemeldet, die südafrikanische Variante soll einmal in Rosenheim bestätigt worden sein. Am Donnerstagnachmittag wies zudem die Stadt Nürnberg auf zwei nachgewiesene Fälle hin. Eine der beiden Personen wohnt in Nürnberg, die andere in Fürth.

Im Labor des Fürther Klinikums hat man Wagner zufolge in den vergangenen Tagen die Proben sämtlicher neuer Covid-19-Patienten mit dem neuen Verfahren überprüft: Dabei werde mit Hilfe von PCR-Tests gezielt nach der sogenannten "N501Y-Mutation" gesucht, die bei allen drei der besorgniserregenden Varianten vorliege. In einer der Proben wurde sie nachgewiesen. Mit der genaueren Abklärung wurde nun ein externes Labor beauftragt.

Der Fall werde bisher als "Verdachtsfall" eingestuft, sagt Wagner. Die aufwendigere Untersuchung, um welche der drei Mutanten es sich handelt, könne das eigene Labor selbst nicht leisten. Der ganz genaue Blick ins "Buch des Virus", erklärt der Mediziner, würde eine Prüfung enormer Datenmengen bedeuten, sieben bis zehn Tage dauere das in der Regel. Für den Klinikalltag habe man daher ein Verfahren gesucht, um möglichst schnell Mutationen ausfindig zu machen.

Wie Wagner bestätigt, haben sich die Krankenhäuser im Großraum bereits über den Umgang mit Mutationen abgestimmt, um miteinander Strukturen aufbauen zu können. Seit Beginn der Pandemie stehen sie im engen Austausch.

"Uns war es wichtig, in Fürth möglichst schnell ein Verfahren zu haben, das wir den anderen anbieten können", sagt Wagner. Er geht davon aus, dass die gefürchteten Mutanten längst in der Region angekommen sind.

Die Patientin im Fürther Klinikum, die sich vermutlich mit einer der Mutationen angesteckt hat, sei als Covid-19-Patientin ins Krankenhaus gekommen und deshalb von Anfang an mit den üblichen Schutzvorkehrungen versorgt worden. "Grundsätzlich werden Mutanten nicht anders behandelt", sagt Wagner.

Bemüht um eine "Extra-Sicherheitsstufe"

Allerdings versuche man am Klinikum, eine "Extra-Sicherheitsstufe" zu schaffen: Sobald man wisse, dass ein Patient mit einer der neuen Virusvarianten infiziert ist, wolle man auf "Bezugspflege" setzen. Das heißt: Es sollen sich fest zugeteilte und möglichst geimpfte Pflegekräfte um den Patienten kümmern, so dass es weniger Personalwechsel gibt.

Man werde auch in nächster Zeit alle Proben von neuen Covid-19-Patienten auf die "N501Y"-Mutation hin untersuchen, kündigt Wagner an. Die Zahlen ließen dies momentan zu. Aktuell werden auf der Intensivstation des Fürther Klinikums 11 Covid-19-Patienten behandelt, 23 sind es in den Covid-19-Bereichen der Normalstation.

Was den Medizinischen Direktor ärgert, ist, dass Kliniken die zusätzlichen Tests im eigenen Labor bisher nicht refinanziert bekommen, sondern nur die nachfolgenden genaueren Analysen. "Wieder einmal müssen wir als Krankenhäuser in Vorleistung gehen." Dabei sei das Wissen darüber, ob es Mutationen im Haus gibt, enorm wichtig fürs Infektionsmanagement.

Anders als die Corona-Tests der Patienten werden die des Personals übrigens nicht im Labor des Krankenhauses ausgewertet. Sie werden daher bisher nicht in jedem Fall auf Mutationen untersucht. Externe Labore sind nach Wagners Worten beauftragt, einen bestimmten Anteil ihrer Proben genauer unter die Lupe zu nehmen und eine sogenannte Vollsequenzierung durchzuführen.