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Kehrtwende in Fürth: Kein Frühlingsfest, Stadttheater bleibt zu

Neue Verordnung der Stadt tritt Freitagmittag in Kraft - 12.03.2020 20:41 Uhr

Gestern erst war das Frühlingsfest gestartet, doch schon heute müssen die Marktleute wegen einer neuen Verordnung der Stadt ihre Stände wieder abbauen. © Thomas Scherer


Es war ein Hin und ein Her – und es wirft ein Schlaglicht darauf, wie groß die Verunsicherung derzeit in Sachen Coronavirus ist: Am Dienstag hieß es seitens der Stadt, das Frühlingsfest könne stattfinden, am Mittwoch war das schon nicht mehr ganz so sicher – und am Donnerstag wurde es schließlich doch noch abgeblasen.

Da war der Markt auf der Freiheit aber bereits in vollem Gange, 28 Schausteller hatten ihre Fahrgeschäfte aufgebaut, die Marktstände waren dekoriert. Ein Wechselbad der Gefühle für die betroffenen Geschäftsleute – mit einem für sie ernüchternden Ende.

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"Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen" werden in Absprache mit dem Gesundheitsamt bis einschließlich Sonntag, 19. April, "Veranstaltungen zwischen 500 und 1000 Teilnehmenden im Gebiet der Stadt Fürth untersagt", teilte die Stadt am Donnerstagnachmittag mit. Nur in Ausnahmefällen könne es grünes Licht geben.

Die Kehrtwende kommt durchaus überraschend – denn mit der Verordnung schließt sich Fürth nun doch noch den Nachbarstädten Erlangen und Nürnberg an: Beide hatten sich schon in den vergangenen Tagen für generelle Absagen bei Veranstaltungen dieser Größenordnung entschieden; Fürth dagegen hatte zunächst an der 1000er-Grenze festgehalten.

Das neue Verbot gilt ab Freitag, 12 Uhr. Die Marktleute öffneten ihre Fahrgeschäfte und Buden am Donnerstag um 11 Uhr – zu diesem Zeitpunkt wussten sie noch nichts von der Absage. Am frühen Nachmittag bekam Schausteller-Sprecher Eduard Wentzl dann die Information aus dem Rathaus.

"Es macht keinen Sinn"

Er zeigte sich zerknirscht, zumal die Besucherzahlen trotz Virus und Regens zum Auftakt nicht schlechter als in den Vorjahren gewesen seien. Dennoch überwog bei ihm das Verständnis: "Es macht keinen Sinn, das sehen wir auch ein. Wir werden morgen abbauen." Nur noch wenige Stunden, bis 20 Uhr, blieb das Frühlingsfest geöffnet.

Die Menschen, mit denen sich Wentzl unterhielt, haben ihm zufolge größtenteils Unverständnis über die Absage geäußert; im Online-Angebot unserer Zeitung gab es ebenfalls manchen Unmut – aber auch Verständnis für den Sinneswandel.

Ebenfalls ausfallen wird aufgrund der neuen Weisung aus dem Rathaus der verkaufsoffene Sonntag am 15. März. Die an diesem Tag stattfindende Kommunalwahl jedoch ist nicht gefährdet. Darüber hinaus sperrt das Stadttheater ab heute seine Türen zu, bis zum Ende der Osterferien finden dort keine Aufführungen mehr statt.

Andere europäische Länder sind noch weiter gegangen und haben flächendeckend ihre Schulen geschlossen. Nach Ansicht des Fürther Schulreferenten Markus Braun braucht es auch in Bayern eine einheitliche Regelung des Kultusministeriums, "um den Menschen die Ängste zu nehmen".

Die könnte es schon bald geben: Die Staatsregierung wird heute über bayernweite Schulschließungen beraten – eine Entscheidung dafür gilt als sehr wahrscheinlich. Genau für dieses Szenario rüsten sich Fürths Schulen momentan. Die Leopold-Ullstein-Realschule ist wegen zweier Infizierter bereits Anfang der Woche bis 22. März geschlossen worden. Wie Braun berichtet, werden an manchen Schulen Online-Zugänge für die Jugendlichen vorbereitet sowie Aufgabenblätter und Unterrichtsmaterialien ins Netz gestellt, "sodass die Schulen vorbereitet sind". Kinder und Jugendliche können auf diese Weise versäumten Stoff zu Hause nachholen.

Dezentrales Abitur?

Die virusbedingten Einschränkungen kommen zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, denn die Abitur-Prüfungen stehen vor der Tür. Käme es zu flächendeckenden Schließungen über längere Zeiträume oder sei man gezwungen, die Schüler vorzeitig in die Osterferien zu schicken, "dann muss man zentrale Abiturprüfungen infrage stellen". Will heißen: Die jeweiligen Schulen müssten die Aufgaben auswählen und vorbereiten.

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