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Kinder-Impfung gegen Corona: Schon jetzt auf die Warteliste?

Dr. Michael Hubmann plädiert für rasche Immunisierung ab 16, rät bei Jüngeren aber noch zu Geduld - 14.05.2021 11:00 Uhr

In den USA ist der Impfstoff von Biontech/Pfizer für Kinder und Jugendliche von 12 bis 15 Jahren zugelassen worden.

10.05.2021 © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa


Nach der erfolgten Freigabe in den USA will die Europäische Arzneimittelagentur EMA noch im Mai über die Zulassung des Vakzins Comirnaty von Biontech/Pfizer für Zwölf- bis 15-Jährige entscheiden. Danach muss die Ständige Impfkommission Stiko zustimmen. Durchaus denkbar: Die EMA gibt das Vakzin frei, die Stiko hat Einwände. Bis die Entscheidungen getroffen sind, gelte es abzuwarten, meint Hubmann.


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Als "überambitioniert" hatte der Präsident des Berufsverbands der Kinder und Jugendärzte, Thomas Fischbach, Spahns Zeitplan mit Terminen im Spätsommer bezeichnet. Auch die Stiko mahnte zur Geduld. Man wolle eine generelle Impfempfehlung für Kinder vorab genau prüfen.

Hubmann, der in Zirndorf eine Kinder- und Jugendarztpraxis betreibt, begrüßt Spahns Vorstöße insofern, als sie eine Debatte über das Ziel der Impfkampagne anstoßen. Denn: "Hier ist ein Umdenken nötig."

Die Gesellschaft müsse dringend diskutieren, findet er, ob es neben dem individuellen Lebens- und Gesundheitsschutz nicht auch andere gute Gründe für eine Impfung gegen Covid-19 gibt: die Teilhabe (junger Menschen) am Leben und die Wiederherstellung aktuell entzogener Freiheitsrechte sowie die Herstellung einer Herdenimmunität. "Die kann ich aber nicht erreichen, wenn ich bei einer Bevölkerung von 250.000 Menschen in Stadt und Landkreis Fürth 20.000 Menschen unter 16 Jahren außen vor lasse."

Der Wirkstoff von Biontech/Pfizer ist hierzulande ab 16 Jahren zugelassen. Hubmann ist "sehr dafür", Jugendlichen ab diesem Alter, insbesondere Schulabsolventen, parallel zu den aktuellen Impfungen der Vorranggruppe drei "sehr zeitnah" auf freiwilliger Basis Impfangebote zu machen.

Reihenimpfungen? Schwierig!

Reihenimpfungen an Schulen, wie Spahn und der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, sie propagieren ("Nur so können wir viele Jugendliche auf einen Schlag impfen"), hält er indes für schwierig. "Als Impfzentrum sind wir startklar dafür. Aber wir brauchen da das persönliche Aufklärungsgespräch. Und wie soll das aussehen? Soll ein 16-Jähriger seine Eltern mit in die Schule bringen?"

Zwölf- bis 15-Jährige beim Kinderarzt schon mal für eine Corona-Impfung vormerken zu lassen, hält Hubmann für verfrüht. "Solange die Zulassung noch nicht da ist, machen Wartelisten aus meiner Sicht keinen Sinn." Das müsse ja alles bearbeitet werden.

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So sei die Publikation zu der klinischen US-Studie mit 2300 Teilnehmern zwischen zwölf und 15 Jahren, die laut Biontech/Pfizer eine Wirksamkeit von 100 Prozent ergeben hat, bisher nicht einsehbar. "Es gibt nur eine Pressemitteilung dazu." Eine zweite Studie mit Kindern zwischen sechs Monaten und elf Jahren läuft.

Impfangebot ist nicht gleich Impftermin

Dass nach Spahns Worten Jugendliche bis zum Ende der Sommerferien ein Impfangebot erhalten sollen, stellt Hubmann klar, bedeute auch keineswegs, dass diese bis dahin schon einfach oder gar zweifach geimpft sind. "Es bedeutet nur, dass sie ein Angebot bekämen." Der erste Impftermin könne dann auch erst im Oktober sein.


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