Lebensraum Laub: So geht Fürth mit den Blätter-Massen um

7.11.2020, 12:00 Uhr
Mit Luft und Getöse geht die Stadt gegen Laubmassen auf Gehwegen vor. Sie muss dafür sorgen, dass die Verkehrssicherheit gewährleistet ist.

Mit Luft und Getöse geht die Stadt gegen Laubmassen auf Gehwegen vor. Sie muss dafür sorgen, dass die Verkehrssicherheit gewährleistet ist. © Foto: Hans-Joachim Winckler

Alle Jahre wieder ist es spätestens ab Mitte September soweit: Erst nur vereinzelt, dann in Massen lassen Buchen, Eichen und Co. ihre Blätter fallen. Wie schnell der Abwurf von Statten geht, das hängt nicht nur von der Baumart ab, sondern vor allem vom Wetter: Wenn es noch mild ist, dauert es länger, sobald die Temperaturen unter Null Grad sinken, kann es sein, dass Bäume ihr Laub über Nacht verlieren. Auch starker Wind führt dazu, dass sie von einem Tag auf den anderen buchstäblich entblättert sind.

Wenn dann Regen dazu kommt, kann es schnell rutschig werden. Das Grünflächenamt, das für die Parks in Fürth zuständig ist, hat mehrere Möglichkeiten, mit dem vielen Laub fertig zu werden. Auf großen Rasenflächen etwa werden Mähmaschinen eingesetzt, die auch Laub aufnehmen. Von den Wiesen müssen die Blätter nämlich bald entfernt werden, weil das Grün sonst durch Licht- und Sauerstoffmangel leidet.

Wertvoller Humus

"Der Inhalt der Auffangbehälter entspricht Biomüll und landet in der Kompostierungsanlage, wo er zu Humus verwertet wird", erläutert Birgit Auerswald. Sie ist für die städtischen Grünflächen zuständig und fungiert damit auch als "Blätterbeauftragte".

Auf von Sträuchern bewachsenen Flächen darf das Laub oft liegen bleiben – insbesondere in den waldähnlichen Arealen des Stadtparks. Hier kann sich daraus Humus bilden, der Bäume und Pflanzen auf natürliche Weise düngt. Insekten und kleine Säugetiere wie Wald- und Haselmäuse finden Unterschlupf, Nahrung und Nestbaumaterial.

Heuer kommt zu den Blättern noch eine Fülle von Bucheckern und Eicheln dazu, die zur Zeit nur so herunterprasseln. Viele Bäume haben besonders viele Fruchtkörper produziert. Das kommt zwar auch unter normalen Bedingungen immer wieder vor. Es kann aber – vor allem nach den letzten trockenen Sommern – ein Zeichen von Stress sein. "Eichen und Buchen versuchen, ihre Nachkommenschaft zu sichern" konstatiert Auerswald.

Oft reichen die "leisen" Akkusauger

Von der Stadt gereinigt werden vor allem die Wege, damit niemand ausrutscht. Dafür setzt man neben normalen Laubbesen auch oft Laubbläser ein – zum Unmut lärmgeplagter Bürger und der Naturschützer, die um die Biodiversität bei Kleinstlebewesen wie Asseln, Käfer und Spinnen fürchten. Im Grünflächenamt hält man die lautstarken Helfer für nicht verzichtbar, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten.


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Man setzt aber so oft wie möglich auf vergleichsweise "leise" Akkusauger. "Wenn Nässe ins Spiel kommt, müssen wir die lauteren, spritbetriebenen Maschinen verwenden", so Auerswald. Wie viel Dezibel die Apparate haben, kann sie nicht genau sagen. Laut dem Umweltbundesamt können leistungsstarke Laubbläser aber bis zu 120 Dezibel erzeugen – wie ein Presslufthammer...

Kippen, Kot und Feinstaub

Beim sogenannten Straßenbegleitgrün sind die Blättermassen oft mit Kippen, Tierkot, Feinstaub und anderem Schmutz vermischt. Pflanzenreste, die von Randstreifen etwa an der Südwesttangente und anderen stark befahrenen Straßen stammen, sind so stark mit Schadstoffen vom Abrieb der Bremsen und Reifen belastet, dass sie Sondermüll entsprechen. Bauhofleiterin Doris Langhardt: "Solcher Kehricht, den die Kehrmaschinen zusammentragen, wird von Spezialfirmen entsorgt."

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