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Muss die Fürther Hafenbrücke abgerissen werden?

Weil der verbaute Stahl bruchgefährdet ist, muss die Stadt handeln - Drei Varianten zur Diskussion - 07.03.2021 10:00 Uhr

Über 50 Jahre alt: Die Hafenbrücke über den Kanal ist stark angegriffen. Deshalb muss die Stadt über Alternativen nachdenken.

05.03.2021 © Foto: Hans-Joachim Winckler


Das hört sich drastisch an, bedeutet aber keineswegs, dass das Bauwerk von heute auf morgen einstürzen könnte. Vielmehr ist es so: Würden Teile des verbauten Stahls brechen, zeigte sich dies an ersten Rissen im Beton. Untersuchungen müssten folgen, dann würde die Stadt entscheiden, ob die Brücke für den Verkehr gesperrt wird oder nicht.

Das jedoch ist aktuell kein Thema. "Bis dato sind noch keine gravierenden Mängel zu erkennen", versichert Hans Pösl. Der Leiter des Tiefbauamts geht sogar davon aus, dass der Verkehr noch bis Ende 2023 über das Bauwerk fließen kann. Allerdings sei die Situation natürlich auch ernst zu nehmen.

Daher wird die Hafenbrücke nun im Halbjahresrhythmus überprüft. Zudem muss sich der Stadtrat damit auseinandersetzen, wie es weitergehen soll. Da eine Instandsetzung weder technisch noch wirtschaftlich sinnvoll erscheint, stehen drei Alternativen zur Diskussion: Die Hafenbrücke wird neu gebaut (Variante 1), ersatzlos abgerissen (Variante 2), oder aber abgerissen und durch eine Brücke nur für Fußgänger und Radler ersetzt (Variante 3).

Teuerste Variante

Im Baureferat favorisiert man einen Brückenneubau – auch wenn er mit 13,4 Millionen Euro Investitionskosten am teuersten käme. Variante 2 würde mit 7,4 Millionen und Variante 3 mit 12,7 Millionen Euro zu Buche schlagen. Allerdings wäre der Neubau bei den jährlich anfallenden Kosten mit 355 000 Euro die preisgünstigste Lösung. Variante 2 schlägt mit 566 000 Euro zu Buche, Variante 3 sogar mit 684 000 Euro – was unter anderem an Mehrausgaben für Infrastruktur und ÖPNV liegt.

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Außerdem, so betont Jonas Schubert, Leiter des Stadtplanungsamts, habe man "mit der Hafenbrücke einen guten Standard", den man aus seiner Sicht erhalten sollte. Zumal es weitere Gründe für die Verwaltung gibt, keine der Alternativvarianten zu bevorzugen.

So müsste bei einem ersatzlosen Abriss der Verkehr künftig 900 Meter südlich über die sanierungsbedürftige Farrnbacher Brücke gelenkt werden. Die Folge: Dort, am Knotenpunkt Hintere Straße/Geißäckerstraße, würde sich die Verkehrsbelastung auf rund 24 000 Kraftfahrzeuge am Tag verdoppeln.

Darüber hinaus könnte die bereits beschlossene Ausweitung der Buslinie 126 nicht realisiert werden wie geplant. Die Haltestelle Hafenbrücke-West ließe sich zwar umsetzen, aber auf der anderen Seite des Kanals müsste der Halt Hafenbrücke-Ost von der Linie 189 angefahren werden. Allein dies würde Kosten in Höhe von 240 000 Euro im Jahr verursachen.

Rechtliche Hürden

Vor allem aber müsste eine Verbindung zwischen Mainstraße und Hinterer Straße gebaut werden – durch ein Grüngebiet. Dafür wären zunächst die rechtlichen Voraussetzungen zu schaffen, was sich zeitlich hinziehen könnte, zumal auch Privatgrundstücke betroffen wären.

Angesichts dessen kann aus Sicht der Stadtplanung auch die dritte Variante – eine neue, kleinere Brücke nur für Fußgänger und Radler – nicht punkten, denn sie hätte die gleichen Nachteile und wäre obendrein deutlich teurer als Variante 2.


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Doch nicht nur die Verwaltung, auch die Bürgerinitiative "Verkehr Fürth Nord-West" hält einen Neubau der Hafenbrücke für die sinnvollste Lösung –, weil sie eine Verbindungsstraße von der Mainstraße zur Hinteren Straße seit jeher strikt ablehnt, selbst wenn sie nur auf die Bauzeit begrenzt wäre.

Begründung: "Die zu erwartende Verkehrsbelastung an der Hinteren Straße sowie in Atzenhof ist den Bürgern nicht zumutbar."

Sollte es tatsächlich auf einen Brückenneubau hinauslaufen: Wie dann mit dem Verkehr während der Bauzeit von bis zu zwei Jahren umgehen? Eine Option wäre, eine Behelfsbrücke zu errichten, die aber schon aufgrund ihrer Spannweite von über 60 Metern sehr teuer käme.

Als Alternative bliebe nur noch eine großräumige Umleitung. Wie diese aussehen könnte, wird derzeit von der Verwaltung erarbeitet. Im Mai soll das Thema dann im Bauausschuss behandelt werden.

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