Bundestagswahl

Starker Trend: Fürth wählt öfter per Brief

19.9.2021, 10:00 Uhr
Lukas Nüßlein und Veronika Gelbling gehören zum Team im Bürgeramt, das die Anträge auf Briefwahl sortiert.

Lukas Nüßlein und Veronika Gelbling gehören zum Team im Bürgeramt, das die Anträge auf Briefwahl sortiert. © Foto: Hans-Joachim Winckler

Eine Urlaubsreise, Krankheit – und inzwischen auch die Angst vor Corona: Gründe, bei der Bundestagswahl per Brief abzustimmen, gibt es einige. Auch in Fürth gewinnt diese Art der Stimmabgabe immer mehr an Beliebtheit.


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Rainer Baier, der Leiter des Fürther Bürgeramts und zugleich stellvertretender Wahlleiter im Wahlkreis Fürth, rechnet damit, dass es diesmal bis zu 35 000 Briefwähler in der Kleeblattstadt werden könnten. Bis Donnerstagmittag hat sein Amt bereits 31 534 Unterlagen bearbeitet und wieder verschickt. Zum Vergleich: Bei der vergangenen Bundestagswahl im Jahr 2017 waren es lediglich 18 332 Briefwahlanträge. Vor allem wegen der Pandemie, aber auch weil die Abstimmung per Post in den vergangenen Jahren an Beliebtheit zugenommen hat, hatte man beim Bürgeramt diesmal schon mit einem Anstieg gerechnet – und sich entsprechend gewappnet.

Mehr Helfer als sonst

Während üblicherweise ein Dutzend Azubis aus der Verwaltung in den Wochen vor der Wahl helfen, die Flut an Briefwahlunterlagen zu bewältigen, sind es diesmal 19, die von drei Koordinatoren unterstützt werden. Doch auch sie konnten den Tausenden von Anträgen, die seit Mitte August teilweise täglich eintrudelten, nicht Herr werden, weshalb mancher Fürther länger auf seine Unterlagen warten musste, als vielleicht gedacht. Der Grund: Zunächst mussten die Wahlscheine gedruckt werden, damit diese in die Rückumschläge an die Wähler gesteckt werden konnten.

Dies, so Baier, war ab dem 30. August der Fall. Von diesem Zeitpunkt an seien die aufgelaufenen Anträge sukzessive abgearbeitet worden; inzwischen sei der Rückstau aufgearbeitet und alles wieder auf dem Postweg zurück zu den Bürgern unterwegs.

Apropos Postweg: Zu Verzögerungen kam es wohl auch, weil die Briefe vom Bürgerzentrum zunächst in die Nürnberger Hauptpost gebracht werden, um sie zu frankieren. In Fürth hatten die Kapazitäten dafür nicht ausgereicht. Von der Noris aus kommen sie danach zurück in die Fürther Hauptpost. Von dort erfolgte die Versendung. Eine Prozedur, die einige Tage durchaus in Anspruch nehmen kann, so Baier.

Erstmals konnten die Briefwahl-Unterlagen diesmal auch mittels eines pdf-Formulars online übermittelt werden. Bis zum vergangenen Sonntag war es auf der Website der Stadt zu finden, inzwischen allerdings ist es deaktiviert. Zu kurz sei die Zeitspanne bis zur Wahl, um diese Anträge noch bearbeiten zu können, erklärt Baier. Das gilt auch für die Anfragen per Brief. Nur noch bis heute sollte man auf diesem Weg seine Unterlagen anfordern. Ab dann empfiehlt er, persönlich im Bürgeramt Süd (Schwabacher Str. 170) vorbeikommen, um im zweiten Stock (Zimmer 2.26) den Antrag zu stellen und die Formulare sofort mitzunehmen. Seine Stimme abgeben kann man dort übrigens auch; eine Wahlkabine samt -urne stehen bereit. Einige Bürger nutzen diesen Service, jedoch weniger als sonst üblich. Baier freut das, können die Abstandsregeln so doch gut eingehalten werden.


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Dennoch sind schon viele ausgefüllte Wahlzettel wieder zurück ins Bürgeramt gekommen. Auf dem Postweg oder über den hausinternen Briefkasten am Bürgerzentrum. Er wird momentan auch am Wochenende mehrfach geleert, um eine Überfüllung zu verhindern. Einwerfen können Briefwähler ihre Unterlagen übrigens auch am Wahlabend bis 18 Uhr in die Briefkästen am Bürgeramt Süd (rechts neben dem Haupteingang) sowie am Rathaus. Auch persönlich vorbeibringen kann man die Wahlzettel im Bürgeramt.

Bis zur Schließung der Wahllokale lagern die Briefe dort. Damit die Auszählung nicht zu viel Zeit in Anspruch nimmt, wurde auch die Zahl der Briefwahlbezirke aufgestockt. Waren es bei der Bundestagswahl 2017 noch 23 gewesen, stieg die Zahl bei der Kommunalwahl 2020 auf 35 an. Diesmal sind es sogar 45 Bezirke.

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