Trotz Pandemie: ESW erhöht Mieten für Wohnungen im Fürther Sonnenturm

25.4.2021, 19:15 Uhr
Der Sonnenturm, einst das Sorgenkind auf der Schwand, hat seit seiner Sanierung enorm an Wohnqualität gewonnen. Nun steigen dort erstmals seit 2018 die Mieten.

Der Sonnenturm, einst das Sorgenkind auf der Schwand, hat seit seiner Sanierung enorm an Wohnqualität gewonnen. Nun steigen dort erstmals seit 2018 die Mieten. © Foto: Hans-Joachim Winckler

Vor einigen Jahren hat das Evangelische Siedlungswerk (ESW) das Wohnquartier Finkenpark auf der Schwand rundum erneuert. Jetzt sollen die Mieten steigen. Das sorgt für Verdruss.

Es war ein Großprojekt, das das ESW anpackte, als es 2009 den Finkenpark von der Wohnungsbaugesellschaft (WBG) übernahm. Eher unansehnlich war das Viertel mit seinen über 300 Wohnungen und einem Hochhaus damals; so manche soziale Schieflage gab es dort.Um das Gebiet wieder vorzeigbar und attraktiv zu machen, investierte das ESW 54 Millionen Euro; 100 zusätzliche Wohnungen entstanden.

18 Millionen Euro flossen allein in die Sanierung des Hochhauses, das nun als "Sonnenturm" bekannt ist. Es wurde komplett entkernt, nahezu alle 92 Wohneinheiten darin barrierefrei ausgebaut und mit Balkonen versehen, das ganze Gebäude wurde energetisch saniert. Drei Jahre dauerte der Umbau, 2018 wurde das Gebäude wieder bezogen.

Besondere Verantwortung

Unter den neuen Mietern war auch Anita Knopp, die ihren wirklichen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Sie wollte sich räumlich etwas verkleinern, und der Sonnenturm schien ihr dafür passend. Ruhige Lage, Hausmeisterservice vor Ort und die gute Verkehrsanbindung waren wichtige Kriterien für sie, die sie im Sonnenturm gefunden hat. Darüber hinaus hoffte sie, mit dem ESW einen verantwortungsvollen Vermieter gefunden zu haben. Schließlich hatte die evangelisch-lutherische Kirche einst nach dem Krieg das Siedlungswerk gegründet, das aktuell in Fürth unter anderem in großem Stil auf dem ehemaligen Norma-Gelände an der Würzburger Straße baut. Bis heute sieht es sich als gemeinnütziger Bauträger, der besondere Verantwortung für bezahlbaren Wohnraum übernimmt.

Inzwischen hat dieses Bild für Knopp einige Kratzer bekommen. Im März nämlich flatterte ihr eine Mieterhöhung ins Haus. Ein Euro pro Quadratmeter soll ihre Wohnung ab Juni mehr kosten. Statt 531 Euro wird sie dann 599 Euro für ihre 68 Quadratmeter zahlen müssen. Den Anstieg empfindet sie als relativ hoch, weshalb sie sich beim Mieterschutzbund schlau machte. Alles rechtens, hieß es von dort. Die Anhebung liege etwas unter dem erlaubten Höchstsatz und der ortsüblichen Vergleichsmiete. Sie beträgt laut aktuellem Mietspiegel 9,15 Euro pro Quadratmeter, ab Juni sind es dann im Sonnenturm 8,79 Euro.

Knopp und einige ihrer Nachbarn vertreten allerdings die Ansicht, dass sich eine solche Mieterhöhung, trotz aller eingehaltenen Regeln, derzeit nicht gehöre – zumindest nicht von einem Vermieter mit sozialem Anspruch. "In der momentanen Zeit, in der wegen der Pandemie viele Menschen in Kurzarbeit sind oder sogar ihren Job verloren haben, hätte man auch ein anderes Signal setzen können", findet Knopp.

Dem ESW ist eine solche Argumentation nicht fremd, wie sich auf FN-Nachfrage zeigte. Man habe dieses Thema schon kurz nach Ausbruch der Pandemie im vergangenen März ausführlich besprochen, sagt ESW-Geschäftsführer Hannes B. Erhardt. "Damals haben wir uns entschlossen, die Mieterhöhungen bayernweit für ein Jahr auszusetzen und zunächst zu beobachten, wie sich die Lage zum Beispiel in Sachen Kurzarbeit entwickelt."

Heuer habe man sich jedoch dafür entschieden, die Mieten für fast alle Objekte wieder anzuheben, allerdings, wie Erhardt findet, im moderaten Rahmen. Man habe sich an der mittleren ortsüblichen Vergleichsmiete orientiert und nicht, wie das bei anderen Unternehmen schon mal üblich sei, 20 Prozent aufgeschlagen.

Erhardt ist sich aber bewusst, dass Corona etliche Menschen in finanzielle Schieflage gebracht hat, die mehr Geld für ihre Wohnung nur schwer aufbringen können. In diesen Fällen bittet er darum, dass sich die Mieter beim ESW melden. "Unser Sachbearbeiter ist sensibilisiert für das Thema." Man sei darum bemüht, eine Lösung zu finden; in etlichen Fällen habe das bereits geklappt.

Auch einigen Gewerbetreibenden habe man die Miete schon ausgesetzt – schließlich sollen sie die Chance erhalten, nach der Pandemie wieder öffnen zu können. Nichtsdestotrotz gibt der Geschäftsführer zu bedenken, dass auch das ESW Kredite zu bedienen und Verpflichtungen den Banken gegenüber habe. "Im vergangenen Jahr haben wir durch die ausgesetzten Mieterhöhungen 500.000 Euro weniger erwirtschaftet."

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