Direktkandidat Kilian Welser (ÖDP)

Ein Gunzenhäuser will nach Berlin

Wolfgang Dressler
Wolfgang Dressler

Altmühl-Bote

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16.9.2021, 08:59 Uhr
Klimaschutz ist für ihn, so betont er, mehr als eine Phrase und ein Lippenbekenntnis: Bundestagsdirektkandidat Kilian Welser aus Gunzenhausen.

Klimaschutz ist für ihn, so betont er, mehr als eine Phrase und ein Lippenbekenntnis: Bundestagsdirektkandidat Kilian Welser aus Gunzenhausen. © privat, NN

Was ihm schon damals imponierte: dass die ÖDPler keine Konzernspenden annehmen, unbedingt ihre Unabhängigkeit bewahren wollten. So kam es, dass er bereits 2013 im Donau-Ries auf der Bewerberliste der ÖDP für den Landtag stand. In jenem Jahr zog er nach Gunzenhausen und nahm gleich Kontakt zum Kreisvorsitzenden Reinhard Ebert auf: "Da ruft man halt einfach mal an."

Seitdem wirkt er bei mehr oder weniger gewichtigen politischen Auseinandersetzungen im hiesigen Landkreis mit. Das geht von der Frage des Steinabbaus über die Umgehung von Schlungenhof bis zum "Wasserstreit" in Treuchtlingen und dem Center-Parcs-Projekt in Langlau. Die kleine ÖDP setzte sich wirkungsvoll in Szene, fügte sich gleichwohl in die Reihen der Gleichgesinnten ein, ohne darin zu verschwinden.

Den Freizeitpark auf dem Muna-Gelände abgewendet zu haben sei eine "große Sache" gewesen. Die Mühen hätten sich gelohnt, und der Einsatz anderer, etwa der Grünen, sei anzuerkennen. Welser: "Wir sind nicht unerfolgreich, werden dennoch wenig gewählt." Das Engagement auf lokaler Ebene spiegele sich eben nicht auf den Stimmzetteln wider. Viele Bürger trauten wohl der ÖDP nicht zu, die Fünf-Prozent-Hürde zu schaffen. Dabei sieht der Direktkandidat seine Partei personell und programmatisch so ausgerichtet, dass sie auch für CSU-Wähler attraktiv sei, nämlich bodenständig.

"Überzeugungstäter"

Für die Wahl am 26. backt er vor diesem Hintergrund eher kleine Brötchen. Da müsse man mit Realismus herangehen. Es gehe ihm persönlich und seinen Parteifreunden darum, die Ziele zu verfolgen, die man schon seit vielen Jahren propagiert. Da steht an erster Stelle ein konsequenter Klimaschutz, der diesen Namen verdient. "Insofern bin ich Überzeugungstäter", merkt Welser an.

Wäre er unbedingt auf ein Mandat aus, dann müsste er zu den Grünen oder einer anderen Partei gehen. Wenn ein ÖDP-Antrag in einem Kreisgremium versande, dann zwei Jahre später von der CSU auf die Tagesordnung gebracht werde, dann nehme er das sportlich hin – Hauptsache, es bewege sich endlich was: "Nur schade, dass der Wähler solche Manöver nicht immer sieht."

Und damit ist er beim "Bienen-Volksbegehren" in Bayern angelangt, das eben auch von der ÖDP initiiert wurde. Die Befriedigung, dass hier die Landespolitik einen Kurswechsel vollzogen hat, ist größer als die Bilanz, dass die ÖDP vielleicht nicht die Lorbeeren erntet, die sie verdient hätte.

Aber wie ist das eigentlich mit dem Kernthema Klimaschutz, das mittlerweile fast alle Partei für sich gepachtet haben? "Den müssen wir hart und konzentriert anpacken", fordert Welser. So wie bisher könne es nicht weitergehen. Beispielsweise die Verbrenner- durch E-Autos zu ersetzen, so groß und schwer wie bisher, und den gleichen Verkehr wie bisher in Kauf zu nehmen, "das geht nicht." Einschränkungen seien nötig, und das müsse man dem Bürger auch sagen, sich nicht hinter Floskeln verstecken.

"Wir wollen ein Tempolimit"

Im Grunde laufe es auf die Frage hinaus, was man unter Wohlstand verstehe und was man alles auf dem Altar des ewigen Wachstumsgedanken opfern wolle. Beispiele: "Wie viele Fernseher und Autos brauche ich eigentlich?" Oder: "Wir wollen ein Tempolimit und sagen es auch." Ein weiteres Ziel seien bundesweite Volksbegehren.

Letzten Endes sieht der Kandidat dann doch die CSU klar als Hauptgegner. Ihr wirft er Scheinheiligkeit vor. In München einen Baum umarmen und in Altmühlfranken die CP-Investition unterstützen, das sei eben typisch. Die Gesamt-CSU, wie auch ihr örtlicher Kandidat Artur Auernhammer, stünden nun einmal für eine alte, längst überholte Verkehrspolitik und entsprechende Projekte wie eben Umgehungen.

Den Wahlkampf bestreitet der 44-Jährige vorwiegend über Infostände sowie wenige kleinere Versammlungen und Fachgespräche, etwa über eine Umgehung von Burgoberbach. Eine gewisse Distanz zu den sozialen Medien will er nicht bestreiten. Über die ÖDP-Adressen könne man leicht zu ihm finden, das reiche.

In Gunzenhausen fühlt er sich wohl

Welser stammt aus dem Landkreis Günzburg. Er studierte BWL, war zehn Jahre lang in der Wirtschaft tätig, sattelte um, studierte Wirtschaftspädagogik und fand sein berufliches Glück als Berufsschullehrer. Erste Stationen waren Schwabach und Weißenburg. Längst ist er in Donauwörth "angekommen", wo es für ihn einfach passt.

Das tägliche Pendeln nimmt er in Kauf. Im Lauf der Jahre hat er festgestellt, dass eine gewisse Distanz zwischen Wohnort und Arbeitsplatz auch seine Vorteile hat. In Gunzenhausen fühlt sich der Diplom-Betriebswirt und Studienrat rundum wohl, es war für ihn die richtige Entscheidung, hierher zu heiraten und auf dem Reutberg II ein Haus zu bauen. Dort lebt er mit Frau und drei Kindern.


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Am 27. September hat Welser Geburtstag. Er wird ihn wohl in aller Ruhe feiern können und nicht damit konfrontiert sein, sich als künftiger MdB in Berlin schnell eine Wohnung suchen zu müssen. Auf der ÖDP-Landesliste taucht sein Name nicht auf, darauf legte er keinen Wert.

Es ist zu erwarten, dass Welser auch künftig im westlichen Mittelfranken aktiv sein wird, und eben nur dort. Zum Glück, und das betont er ausdrücklich, habe die ÖDP hier "wirklich gute Leute". Das sei wichtiger als eine dicke Parteikasse und Wahlplakate an allen Straßenrändern.

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