Verkehr in der Stadt

Einbahnregelung in der Weißenburger Straße?

Wolfgang Dressler
Wolfgang Dressler

Altmühl-Bote

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7.10.2021, 05:19 Uhr
Die Weißenburger Straße ist wirklich multifunktional und damit vielleicht überfrachtet. An ihrem nördlichen Ende gibt es überhaupt keinen Radweg mehr, und dieser ist zuvor viel zu schmal, entspricht nicht den Vorschriften. Auch die parkenden Autos haben zu wenig Platz.

Die Weißenburger Straße ist wirklich multifunktional und damit vielleicht überfrachtet. An ihrem nördlichen Ende gibt es überhaupt keinen Radweg mehr, und dieser ist zuvor viel zu schmal, entspricht nicht den Vorschriften. Auch die parkenden Autos haben zu wenig Platz. © Foto: Wolfgang Dressler

10.000 Autos sind täglich in der Weißenburger Straße unterwegs – und eine nicht unbedeutende Zahl von Radlern. Letztere haben es nicht leicht. Vom Saumarkt bis zur Einmündung Auweg steht eine Gesamtstraßenbreite von 13,20 Metern zur Verfügung (kein Radweg). Im zweiten Abschnitt, vom Auweg bis zur Schmalespanstraße, sind es nur 12,30 Meter. Besser wird es im dritten Abschnitt, von der Schmalespanstraße bis zur Raiba-Filiale, mit 14,0 Metern. Und ganz im Süden, von der Raiba-Filiale bis zum Kreisverkehr, ist die Straße großzügige 20 Meter breit.

Tempo 30 inklusive

Die entscheidende Richtgröße: Für Straßen mit Radwegen auf beiden Seiten (und mit Gehwegen) werden im Querschnitt rund 16 Meter benötigt. Mit einem großzügigen Radweg nur auf einer Seite, der dann für beide Fahrtrichtungen konzipiert ist, beträgt der Raumbedarf immer noch 14,50 Meter. Fazit: Im ihrem nördlichen Bereich ist die Weißenburger Straße einfach zu eng. Hier lässt sich für die Radler nur dann etwas Wirkungsvolles erreichen, wenn die Kraftfahrzeuge nur noch in eine Richtung fahren dürfen. Das bedeutet: die Weißenburger Straße als Einbahnstraße in südlicher Richtung (mit Tempo 30) vom Saumarkt bis zu Schützenstraße/Schmalespanstraße. Genau in Höhe dieser Einmündung würde der drei Meter breite Radweg von der West- auf die Ostseite geführt werden (die Radler hätten bei der Querung Vorrang vor dem Kfz-Verkehr) und würde weiter Richtung Kreisverkehr führen. Genau diese Lösung legte Graf den Stadträten nahe.

Blick auf die Einmündung der inneren Weißenburger Straße in die Sonnenstraße (nach links) und die Weißenburger Straße (halbrechts). Dort bestehen zwei Spuren. Sollte es zur Einbahnstraße und einem drei Meter breiten Radweg auf der Weißenburger Straße kommen, bliebe nur noch eine Spur für die Autos.

Blick auf die Einmündung der inneren Weißenburger Straße in die Sonnenstraße (nach links) und die Weißenburger Straße (halbrechts). Dort bestehen zwei Spuren. Sollte es zur Einbahnstraße und einem drei Meter breiten Radweg auf der Weißenburger Straße kommen, bliebe nur noch eine Spur für die Autos. © Foto: Wolfgang Dressler

Seim Team hatte noch zwei Varianten untersucht: einmal ebenfalls besagte Einbahnstraße, aber mit Radwegen auf beiden Seiten, es würde sehr eng zugehen, deshalb keine Empfehlung; zum anderen wieder die Einbahnstraße bis Schützenstraße, diesmal aber mit einer Umweltspur für Busse und Radverkehr in Richtung Norden (stadteinwärts) und einem Radweg Richtung Süden; es bliebe wenig Raum für Gehwege, auch hier keine Empfehlung.

Aber darf die Stadt überhaupt so massiv eingreifen, eine Umgestaltung in Form einer Einbahnregelung vornehmen und so den Kfz-Verkehr verlagern? Ja, das wäre rechtlich zulässig, befand der Fachmann. Wenn auf diese Weise die Sicherheit gewährleistet wird, hat die Stadt freie Hand. Sie kann tatsächlich die Weißenburger Straße, eine der Hauptverkehrsachsen, teilweise zur Einbahnstraße machen. Im Übrigen, auch das hörten die Stadträte, hätte der Autoverkehr auf der inneren Weißenburger Straße, vom Marktplatz kommend, nur noch eine Abbiegespur vor dem Saumarkt (am Café am Wehrgang). Derzeit sind es zwei: nach links die Sonnenstraße hoch sowie halbrechts Richtung Süden in die Weißenburger Straße.

Autoverkehr verteilen

Der Kfz-Verkehr aus dem südlichen Umland von Gunzenhausen in Richtung Stadtzentrum müsste sich jedenfalls ganz neu orientieren. Dazu legte Thiemo eine Verkehrsprognose vor. Zwangsläufig würde dann deutlich mehr Verkehr über die Theodor-Heuss-Straße, Frankenmuther Straße und Reutbergstraße durch die Südstadt rollen. Auch die Negeleinstraße würde eine Mehrbelastung erfahren. Für die Verkehrsplaner war es wichtig, eine gewisse Verteilung des motorisierten Verkehrs auf die Hauptverkehrsachsen zu erreichen, ohne dass es zu einer Überlastung kommt.

Vor diesem Hintergrund stellte der Fachmann eine Einbahnregelung in der Negeleinstraße Richtung Süden in den Raum. Noch gravierender: Er plädierte für eine Einbahnregelung teilweise auch in der Reutbergstraße, und zwar in Richtung Norden, zum Kreisverkehr am Seckendorff-Heim hin. Anders ausgedrückt: Von diesem Kreisverkehr aus könnten die Autofahrer nicht mehr direkt in die Reutbergstraße einbiegen. Diese Straße böte sich dann für Verbesserungen für Radfahrer und Anlieger an.

Ob es wirklich dazu kommt, ob die Stadt tatsächlich die Weißenburger Straße "antastet", blieb in der Diskussion offen. An diesem Abend in der Stadthalle sollte lediglich die Machbarkeitsstudie präsentiert werden. Anschließend werden die Fraktionen intern darüber beraten. Mehr Klarheit gibt es dann, wenn sich die Stadträte öffentlich positionieren.

Dr. Werner Winter, Sprecher der Freien Wähler, schwante nichts Gutes bei dem Gedanken, dass von 10 000 Fahrzeugen in 24 Stunden die Hälfte künftig durch die Südstadt fahren würde. Antwort von Thiemo Graf: Es würde bestimmt Verkehr vermieden werden, und der überörtliche Verkehr wäre raus aus der Stadt. Der Rad- und Fußgängerverkehr würde zunehmen. Dennoch zeigte sich Werner Winter nicht überzeugt.

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Er hält es für besser, die Radwegeführung zu ändern, und zwar über Schützenstraße, Stadthalle und Promenade zum mittleren Marktplatz. Ähnlich äußerte sich Werner Falk (FDP). Der Vorschlag, die Weißenburger Straße teilweise zur Einbahnstraße zu machen, das Ganze mit einer Mehrbelastung der Reutbergstraße, erscheine ihm so neu nicht. Er empfehle, die Weißenburger Straße zu belassen und den Radverkehr neu zu führen. Harald Romanowski (FW) sah einen Gegensatz zwischen der Einbahnreglung in der Weißenburger Straße und dem städtischen Einzelhandelskonzept. Julia Braun (FW) wollte einen verstärkten Verkehr in der Austraße nicht ausschließen.

Warnung von Erika Gruber

Manfred Pappler, CSU-Fraktionsvorsitzender, sprach von einem Leitfaden, den man jetzt in Händen habe und der intensiv zu beraten sei. Im weiteren Verlauf müsse sich der Stadtrat einig werden, "wo die Reise hingeht". Zustimmung kam dafür von Paul Pfeifer (SPD). Erika Gruber (CSU) warnte davor, eine so gravierende Veränderung in der Weißenburger Straße vorzunehmen, das würde dem Handel, der vom Verkehr lebe, nicht guttun. Herbert Gutmann (Grünen-Sprecher) definierte als Prämisse, dass für den Durchgangsverkehr "Barrieren" vorhanden seien, darauf komme es seiner Fraktion an. Ingrid Scala (Grüne) merkte an: "Es ist klar, dass sich einiges an Verkehr verlagern würde."

Angela Schmidt, Chefin der SPD-Fraktion, schlug vor, vor einem Umbau der Weißenburger Straße die Einbahnregelung zu erproben. Sehr skeptisch äußerte sich Sigrid Niesta-Weiser (FDP). Die Theodor-Heuss-Straße weise bereits jetzt viel Verkehr auf, künftig dann noch mehr. Und es wollten nun einmal viele Autofahrer vom Kreisel am Altenheim Richtung Süden, etwa zum Waldbad. Der direkte Weg über die Reutbergstraße wäre ihnen dann verwehrt.


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Während sich die Stadträte so gedanklich und verbal dem Autoverkehr widmeten, behielt Bürgermeister Karl-Heinz Fitz den Radverkehr im Blick. Für ihn bestehe Handlungsbedarf, die Zustände gerade im nördlichen Teil der Weißenburger Straße seien mehr als schwierig. Ob eine Radroute über Stadthalle und Promenade überhaupt angenommen werde, bezweifele er. Man könne es auch dann den Radlern nicht verbieten, die Weißenburger Straße zu benutzen. Es gelte jetzt, auf der Basis von Erkenntnissen von "Fachleuten von außen" eine Abwägung vorzunehmen. Auf diese Abwägung darf man gespannt sein.

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