24°

Sonntag, 09.05.2021

|

Gunzenhäuser Sparkassen-Kunden droht "Strafzins"

Das Geldhaus wird wohl noch heuer ein Verwahrentgelt für Einlagen verlangen - 03.05.2021 06:04 Uhr

Arbeiten seit Jahren unter für Banken schwierigen Niedrigzins-Bedingungen: Burkhard Druschel, der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Gunzenhausen, und sein Stellvertreter Jürgen Pfeffer (rechts) müssen deshalb bald "Strafzinsen" einführen.

02.05.2021 © Foto: Sparkasse Gunzenhausen


Es ist paradox: Eigentlich freuen sich die beiden Sparkassen-Chefs, die am Freitag die Bilanz für 2020 vorlegten, dass die Kunden "neue zusätzliche Einlagen in Höhe von 25 Millionen Euro zu uns gebracht haben". Das zeuge von "großem Vertrauen: Die Kunden wissen, dass ihr Geld bei der Sparkasse gut verwahrt wird", heißt es im Bilanzbericht.

Das Schlüsselwort dabei ist: verwahren. Denn Geld, das nur auf einem Konto herumliegt, belasten die Bank, weil sie selbst für Einlagen bei der Europäischen Zentralbank (EZB) einen Strafzins von 0,5 Prozent entrichten muss.


Parken mit der Girocard ist in Gunzenhausen möglich


"Zusätzliche Einlagen bringen Kreditinstituten heute keinen Zinsüberschuss mehr, sie kosten real Geld", bringen es Druschel und Pfeffer auf den Punkt. Und kündigen an: "Darauf müssen wir, wie andere Kreditinstitute auch, unter den aktuellen Marktbedingungen reagieren. Alles andere wäre für uns, da wir – für unsere Kunden – dauerhaft Stabilität sicherstellen müssen, unverantwortlich."

"Es ist sehr viel Geld im Markt"

Diesen angesprochenen "Marktbedingungen" fühlen sich die Gunzenhäuser Banker relativ hilflos ausgeliefert. Denn bereits seit vielen Jahren befinde man sich " in einem Negativzinsumfeld", schildern sie die prekäre Lange. "Es ist sehr viel Geld im Markt, und immer wenn viel Angebot, aber weniger Nachfrage besteht, sinkt der Preis – das ist ein normaler Marktmechanismus." Dieser Effekt werde durch die EZB und andere Notenbanken "sehr stark und dauerhaft verschärft".


Nach Kündigungen: Sparkassen-Kunden können klagen


Die Zentralbanken nämlich fluteten den Markt mit Geld, um die Konjunktur zu stützen. Gleichzeitig kaufe die EZB den Geldhäusern "über ihre Ankaufprogramme sichere und rentierliche Anlagen buchstäblich weg". Was zur Folge habe, dass die Banken das Geld der Kunden "kaum mehr rentierlich anlegen können".

Und das wiederum bedeutet: Auch die Sparkasse Gunzenhausen wird an Strafzinsen – im Bankenjargon "Verwahrentgelt" genannt – nicht mehr vorbeikommen. "Dies ist eine zwingende Folge dieser Geldpolitik – und für Kreditinstitute nicht vermeidbar.

Mehrere hundert Großbanken und andere regionale Mitbewerber hätten Verwahrentgelte für Firmenkunden und Kommunen bereits eingeführt, heißt es im Bilanzbericht, und sie weiteten es auch auf das Privatkundengeschäft aus. Die Sparkasse Gunzenhausen habe bislang nur mit Großkunden und Kommunen solche Vereinbarungen geschlossen, aber: "Im Moment prüfen wir eine Ausweitung des Verwahrentgelts in das Privatkundengeschäft im Laufe des Jahres." Derzeit werde intern über Freibeträge beziehungsweise Freigrenzen beraten.

"Den Normalsparer wird es nicht treffen"

"Die Normalsparer wird es nicht treffen", beruhigt Burkhard Druschel den wohl größten Teil seiner Kunden. Denkbar sei, dass Privatkunden ab 100.000 Euro verwahrtem Geld von 0,5 Prozent Strafzins betroffen sein werden, Firmenkunden könnte es ab 250.000 Euro treffen. "Erste Häuser verlangen schon 1,0 Prozent", verweist Druschel auf Konkurrenten, "und das schon ab 50.000 Euro."


Wie viel Geld braucht man zum Glück?


Natürlich werde man "mit den Kunden reden und sie beraten", sagt Jürgen Pfeffer. Die Inflation betrage etwa 2 Prozent, "der Kunde verliert derzeit also Geld". Und Druschel empfiehlt den Anlegern, beispielsweise in Versicherungen oder Immobilienfonds mit sicherer Verzinsung zu investieren.

"Man macht das natürlich ungern", sagt Pfeffer bedauernd, "aber wir müssen sehen, wie wir mit der Situation vernünftig umgehen. Und Druschel ergänzt: "Unser Hauptgeschäft ist nun einmal das Zinsgeschäft." Aber von der geringen Spanne zwischen den Kreditzinsen und den Anlagezinsen könne eine Bank schlichtweg nicht leben.

Bilderstrecke zum Thema

So zahlt das Finanzamt zurück: Zehn Tipps, mit denen Sie Steuern sparen

Wer für 2016 eine Einkommensteuererklärung abgeben muss, der hätte in der Regel bis Ende Mai handeln müssen. Mit einer plausiblen Begründung lässt sich aber meist eine Fristverlängerung bis 30. September erreichen. Wer freiwillig eine solche Erklärung abgeben will, hat sogar vier Jahre Zeit, beim Finanzamt vorstellig zu werden. Und das lohnt sich: Im Schnitt zahlt der Fiskus rund 900 Euro im Jahr an jeden zurück, der sich durch die Formulare kämpft. Hier zehn Tipps, wie auch Ihnen das Finanzamt zu viel bezahlte Steuern erstattet.


Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Gunzenhausen