Badeunfall am Kleinen Bormbachsee

"Sie hat sich nicht mehr bewegt": Jugendliche retteten Seniorin vor Ertrinken

Isabel-Marie Köppel
Isabel-Marie Köppel

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4.9.2021, 16:10 Uhr
Der stellvertretende Dienststellenleiter Marco Lenz zeigt Fabio Klinger (13, rechts) und Luca Scoccimarro (15) die Polizeiinspektion Gunzenhausen. Im Hof überreichte er ihnen zudem einen Gutschein für einen Onlineshop.

Der stellvertretende Dienststellenleiter Marco Lenz zeigt Fabio Klinger (13, rechts) und Luca Scoccimarro (15) die Polizeiinspektion Gunzenhausen. Im Hof überreichte er ihnen zudem einen Gutschein für einen Onlineshop. © Isabel-Marie Köppel, NN

Fabio und Luca sind Cousins und leben in der Nähe von Eichstätt. An besagtem Freitag machten sie sich gemeinsam mit ihren Eltern auf den Weg nach Langlau, um einen Badetag am Kleinen Brombachsee zu verbringen. "Gleich morgens um 10 Uhr sind wir los", weiß der 13-jährige Fabio noch. An das "wirklich gute Wetter" erinnern sie sich auch - wie vermutlich an viele Details. Denn so schnell werden die beiden den Tag nicht vergessen. "Wir haben an nichts Böses gedacht und dann ging sie unter", sagt Fabio, der den Vorfall als "sehr erschreckend" beschreibt.

Doch von vorn: In Langlau angekommen, liehen die Cousins sich ein Stand-Up-Paddle, ihre Eltern blieben am Strand. Sie seien ein bisschen auf dem Wasser herumgepaddelt und wollten Richtung Steg, um sich etwas zu trinken zu holen. Da fiel ihnen plötzlich eine ältere Frau auf. Sie Befand sich in einem Bereich, wo man noch stehen konnte, schildern die beiden.

"Plötzlich nicht mehr bewegt"

"Sie hat schnelle Schwimmbewegungen gemacht und ist immer wieder ins Wasser eingetaucht und wieder hoch", erzählt der 15-jährige Luca. "Also haben wir erstmal gekuckt, gewartet und analysiert". Schließlich hätte sie noch stehen können und vielleicht macht sie ja nur irgendwelche Übungen, dachten die beiden damals.

Doch plötzlich "lag sie im Wasser und hat sich nicht mehr bewegt", lässt Fabio Revue passieren. Daraufhin eilten sie ihr zur Hilfe und trugen sie aus dem Wasser. Ihre Eltern und auch andere Erwachsene bemerkten es ebenfalls und kamen den Jugendlichen entgegen. "Zwei, drei Erwachsene haben dann sofort mit der Herzmassage und allem begonnen", sagt Luca. "Das war eine ziemliche Stresssituation. Wir mussten schnell handeln", erzählt er weiter. "Zum Glück sind wir im richtigen Moment angekommen", ergänzt Fabio.

Luca machte sich dennoch im Nachhinein Vorwürfe, nicht früher reagiert zu haben. "Ich habe mich danach auch so nutzlos gefühlt, weil ich nichts machen konnte", beschreibt er den Moment als die Frau dann an Land war. Denn so jung wie die beiden sind, hatten sie noch keinen Erste Hilfe-Kurs, den man doch meist erst mit dem Führerschein macht.

Beeindruckt von den Jugendlichen

Falsch haben die beiden jedoch nichts gemacht - im Gegenteil. Und das, obwohl Lucas Arm zu der Zeit sogar gebrochen war. Ihre Eltern sind natürlich stolz auf sie, und auch der stellvertretende Dienstleiter der Polizeiinspektion (PI) Gunzenhausen, Marco Lenz, machte mehrfach klar, wie beeindruckt er von ihrem Handeln ist. "Das gehört honoriert. Ich habe selbst Kinder und wollte euch unbedingt kennenlernen", sagt er beim Besuch der beiden in der PI. Das hat sich Lenz nämlich als Dank ausgedacht: exklusive Einblicke in die Polizeiarbeit.

So führte er die beiden Jungs durch die Wache, sie inspizierten die Zelle, Funkgeräte, das Gerät, das die Fingerabdrücke scannt und ein Polizeiauto. Mit dem ging's dann auch an den Altmühlsee, wo Luca und Fabio mit den beiden Kapitänen der Gunzenhäuser Polizei eine Runde mit dem Dienstboot dort drehen durften - und oben drauf gab's noch einen Gutschein für einen Onlineshop.

"An den Seen haben wir immer wieder Vorfälle und auch Tote", weiß Lenz, der sich auch freute, den beiden Schülern die Polizei schmackhaft zu machen. "Wir suchen immer Leute mit diesem Charakter: selbstbewusst und zielstrebig", lobt er die zwei.

Knapp eine Woche im Krankenhaus

Die 77-jährige Frau aus Rheinland-Pfalz kam damals ins Klinikum Altmühlfranken, war damals im Polizeibericht zu lesen. Durch die lebensrettenden Maßnahmen der Badegäste konnte sie das eingeatmete Wasser ausspucken und war nach kurzer Zeit sogar wieder ansprechbar. Knapp eine Woche darauf konnte sie das Krankenhaus wieder verlassen, weiß Marco Lenz.

Für die beiden Jungs war die Einladung in die PI jedenfalls eine große Überraschung, und sie freuten sich sehr darüber. Auch wenn sie anfangs laut eigener Aussage "sehr nervös" waren, schließlich kamen auch die Presse und eine Social-Media-Beauftragter der Polizei, war es ein "cooles Erlebnis". Und bei Luca, der jetzt in die 9. Klasse kommt, wurde tatsächlich ein wenig das Interesse an der Polizei geweckt.

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