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Tipps für den Sommer-Ausflug: Felsen, Franken und ein Fluss

Wandern, Biergarten und Kultur entlang der Altmühl - 24.07.2020 16:59 Uhr

Das Altmühltal sieht aus nach den Bergen, riecht nach Italien und schmeckt nach Oberbayern. Wir empfehlen für unsere Sommer-Ausflugsreihe diesmal eine auch familiengeeignete Wanderung von Solnhofennach Dollnstein. Mit Einkehrmöglichkeiten, Spielplatz, Badeoption und einem besonderen Museum.

© Foto: Naturpark Altmühltal


Es gibt wenig Plätze, die sich an einem hochsommerlichen August-Tag richtiger anfühlen als das Altmühltal. Die Felsformationen sehen aus wie in den Bergen. Die vor Hitze flirrenden Trockenrasen riechen nach Italien. In den Dörfern vergeht die Zeit zwischen Rathaus, Kirche und Wirtshaus langsamer als anderswo. Im Tal mäandert glitzernd die Altmühl. Ein fränkisch-bayerisches Gesamtkunstwerk vor der eigenen Haustür. Der perfekte Ort für einen Tagesausflug!

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Unser Tipp stellt eine Kombination aus Wandern, Biergarten und Kultur vor, lässt aber Raum für ein paar Alternativ-Ideen. Die Route ist mit 17 Kilometern lang, aber auch von kleineren Kindern zu schaffen, wenn man sich einen gesamten Tag Zeit nimmt und ausreichend Pausen macht. Dank Zugverbindung im Altmühltal kann man leichten Fußes an den Ausgangspunkt seiner Wanderung zurück oder auch gleich komplett mit den Öffentlichen anreisen.

Eines ist allen Routenvorschlägen gemein, das Ziel: das kühle und schattige Altmühlzentrum Burg Dollnstein. Das befindet sich zwei Steinwürfe von der Altmühl entfernt in der knapp 3000 Einwohner zählenden Marktgemeinde an der Grenze von Oberbayern zu Franken. Schöner Ortskern, Fluß mittendrin und herrlich eingebettet in die Hügellandschaft des Altmühltals.

Auch direkt auf dem Wasser lässt sich wandern. Bei Altendorf kann man den Kanufahrern beim Kentern zusehen.

© Foto: Naturpark Altmühltal


Die kleine Gemeinde fasste sich vor einigen Jahren ein Herz und ging ein ehrgeiziges Museumsprojekt an. Vor fünf Jahren eröffnete man in den Resten jener Burg, die schon im Mittelalter-Bestseller "Parzival" des großen Wolfram von Eschenbach eine Rolle spielt, eine Ausstellung. Eine, die viel bekannter sein müsste, als sie das bislang ist. Handelt es sich doch um ein Museum, wie es sein sollte. Anspruchsvolle Architektur, optisch eindrucksvolles Design und eine ganze Menge relevanter Geschichten, die einem helfen, die Region besser zu verstehen.

Dabei gelingt das große Kunststück, so ausführlich wie nötig, aber nirgends ermüdend zu werden.

Man widmet sich der historischen Städte- und Marktlandschaft des Altmühltals. Man beleuchtet die imposante Burgenwelt im Einzugsbereich. Man erklärt das Wasserproblem der Region, das Billig-Haus des Mittelalters und die Fischbestände der Altmühl (mit originalem Aquarium). Am Ende läuft vieles darauf zu, den Besuchern einen Eindruck zu geben, warum die Dinge heute so sind, wie sie sind, und die historischen Wurzeln zu zeigen.

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All das geschieht mit großartigen Illustrationen, anschaulichen Objekten und dem Willen, Geschichten zu erzählen. Hier ist nicht einfach ein Museum eröffnet worden, in das man seine gesammelte Historie gekippt hat, hier wollte man einen echten Mehrwert schaffen. Und das ist auch gelungen.

Ein Schatz aus dem Mittelalter

Der Anlass des Museumsbaus war ein phänomenaler Schatzfund. 2007 tauchte bei einer routinemäßigen Grabung des Landesamts für Denkmalpflege unter den Fliesen der Burg ein Tongefäß auf. Prall gefüllt mit knapp 4000 Münzen und einigen persönlichen Schmuckgegenständen. Das auf dem Tongefäß abgelegte Beil sollte wohl darauf hinweisen, was die im Mittelalter übliche Strafe für einen Diebstahl war. Eindrucksvoll präsentiert und archäologisch perfekt dokumentiert befindet sich der Schatz nun genau in dem Raum, in dem ihn vor rund 650 Jahren jemand vergraben hat.

Das Museum ist der Ankerpunkt unseres Altmühltalsausflugs. Es lässt sich in einer halben Stunde schnell durchqueren ober in eineinhalb Stunden intensiver erkunden. Rund herum bietet Dollnstein zudem das, was man an einem solchen Urlaubstag mag. Ein Biergarten mit Altmühlblick auf der anderen Seite des Museums und ein sehenswertes, kleines Stadtzentrum mit weiteren Wirtschaften. Auch ein Bootsverleih befindet sich gleich ums Museumseck. Wer allerdings nach dem Museumsbesuch noch auf ein paar Paddelstiche Lust hat, muss unbedingt vorher telefonisch ein Boot reservieren. In den Sommerferien ist der Andrang groß.

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Der Weg zu unserem Museums-Highlight verläuft auf einem der schönsten Abschnitte des Altmühlpanoramawegs, der zurecht als einer der schönsten Wanderwege Deutschlands gilt. Man parkt am Solnhofener Bahnhof, wo man auch sein Auto gut abstellen kann. Im gegenüberliegenden Getränkemarkt sollte man sich mit ausreichend Flüssigkeit eindecken, bevor man einen steilen Aufstieg durch den Ort zu bewältigen hat, um auf den Panoramaweg zu gelangen. Die Route oben entschädigt aber für die paar Tropfen Schweiß, die man vielleicht vergossen hat.

Auf einem schmalen Weg geht es durch Trockenrasenflächen, an duftenden Kiefern und Wacholdern vorbei an der Hangkante durchs Altmühltal. In Esslingen steigt man nach ein paar Kilometern ab, und kann eine erste Erfrischung im Biergarten Zwölf Apostel nehmen. Die Wirtschaft heißt nicht umsonst so, sie liegt bei dem gleichnamigen und berühmten Geotop. Zwölf mächtige Felsen ragen hier in die Höhe und flankieren das Altmühltal. Es sind die Reste eines Korallenriffs aus der Zeit, als die Gegend um Solnhofen noch eine blauleuchtende Lagunenlandschaft in einem tropischen Meer war.

Über duftende Wachholderheiden

Von Esslingen aus quert man die Altmühl und steigt die andere Hangseite durch einen schönen schattigen Wald hinauf. Am "Gipfel" angekommen schneidet der Wanderweg ein modernes Steinbruchunternehmen, was für einige spannende Einblicke sorgt. Zudem gibt es dort die zweite Rastmöglichkeit des Tages: den Gasthof Zum Schnorgackl, eine alte Steinbrecher-Wirtschaft, die sich mitten im Unternehmen erhalten hat.

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Über herrlich verschlungene Pfade wechselte man von Mittelfranken nach Oberbayern und steigt entlang von Wachholderheiden hinab in die Marktgemeinde Mörnsheim. Die wartet mit einem schönen historischen Ortszentrum auf, durch die sich das Bächlein Gailach schlängelt. Weitere Einkehrmöglichkeiten stehen bereit.

Im Ort erklimmt man den Burgberg oder folgt dem Verlauf der Gailach im Tal. Bald stößt man jedenfalls wieder auf die Altmühl.

Bei Altenfurt gibt es nicht nur einen lauschigen Biergarten an einem Zeltplatz, sondern auch allerlei zu beobachten. Hier befindet sich eine " Bootsrutsche". Die zahlreichen Kanupaddler schießen unter meist großem Gejohle einen kleinen Abhang im Fluss hinab. Wer lange genug zuschaut, wird das ein oder andere Boot kentern sehen, was – trocken vom Ufer aus beobachtet – recht amüsant sein kann. Man kann sich in Altenfurt mit einem kleinen Gang durch die kühle Altmühl auch nochmal die Füße abkühlen, um die letzte Etappe der Wanderung in Angriff zu nehmen.

Man folgt den Schlingen der Altmühl und wandert mal durch Wälder, mal an Feldern entlang Richtung Dollnstein. Immer unter sich das Tal, das einst die Urdonau in die Landschaft gegraben hat. Bei Dollnstein weitet sich das Tal zu einem großen Kessel und man schlendert langsam und sanft vom Hang in den Ort hinab, wo man dann auch gleich auf das Museum stößt. Und auf den Biergarten.

Wie lebte es sich im Altmühltal? Das Dollnsteiner Museum gibt Aufschlüsse.

© Foto: Jan Stephan


Über die Reihenfolge des Besuchs muss sich jede Reisegruppe selbst einig werden. Der Bahnhof, mit dem man von Dollstein wieder nach Solnhofen kommt, ist einen etwa zehnminütigen Fußmarsch vom Museum entfernt. In Solnhofen warten in Bahnhofsnähe – wenn gewünscht – das Gasthaus Hefele, aber auch ein paar hundert Meter weiter ein in einer historischen Mühle untergebrachter Biergarten (Aktiv-Mühle).

Tipps für Familien

Wer die Wanderung mit Kindern macht und unterwegs feststellt, dass es zu weit wird, kann auch in Altenfurt Halt machen. Hier können sich die Kinder gut beschäftigen. Es gibt einen Spielplatz, die Altmühl zum Baden und Plantschen und Eis vom Kiosk. Ein Erwachsener kann schnellen Schrittes bis nach Dollnstein wandern, mit dem Zug zurückfahren und das Auto nach Altenfurt holen (Dauer gut 1,5 Stunden).

Eine Option ist es auch, die stetig haltenden Bootsabholer zu fragen, ob sie einen nicht gegen geringes Entgelt nach Solnhofen zurückfahren. Die Chancen, sich so ein günstiges Taxi zu verschaffen stehen sehr gut. Zu aller Not gibt es noch die Möglichkeit, ein Taxi zu rufen.

JAN STEPHAN

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