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BN: Klima-Argument gegen Südumgehung um Niederndorf

Horst Eisenack vom Bund Naturschutz rechnete Verkehrsströme nach und kommt zum Ergebnis, Nutzen-Kosten-Faktor sei "praktisch null". - 26.03.2021 12:00 Uhr

Am Abzweig der Galgenhofer Straße, Plan-Trasse der Südumgehung, versammelten sich (v. l.) Christian von Reitzenstein, Hubert Kerler, Manfred Ludwig, Helmut König, Richard Mergner und Horst Eisenack.

25.03.2021 © Foto: Edith Kern-Miereisz


Der neue Aspekt, vorgetragen von Horst Eisenack (BN-Ortsgruppe Herzogenaurach) an der Stelle der Galgenhofer Straße, wo die Südumgehung "mit fünf Brücken auf drei Kilometern" abzweigen soll: Es ergebe sich "kein Vorteil an Kilometern und Fahrzeit, auch mit grüner Welle".

"Mit peniblen Berechnungen", so Eisenack, habe er die sieben Verkehrsströme zwischen Schaeffler - Osttor, Neuses, Adidas, Vach und Obermichelbach untersucht. Als wesentliche Ergebnisse fasst das BN-Gutachten zusammen:

"Die große Südumfahrung endet im Stadtzentrum,  ist zwei Kilometer länger in Ost-West-Richtung und benötigt eine Minute mehr Fahrzeit. Sie zerstört Natur, Umwelt, Ackerflächen, Wasserhaushalt und Naherholung."

Auch bei der zweiten Informationsveranstaltung zu einer geplanten Südumfahrung um Niederndorf mit Anbindung der Schaeffler-Werke waren an die 400 Bürger gekommen. Fast der ganze Stadtrat war ebenfalls präsent.

06.07.2012 © Kern-Miereisz


Laut Gutachten würden 24 000 Kilometer pro Tag mehr gefahren, es entstünden dadurch laut Bundesverkehrswegeplan volkswirtschaftliche Kosten von 1,7 Millionen Euro pro Jahr. Es würde ein zusätzlicher CO2-Ausstoß von 2 000 Tonnen pro Jahr erzeugt, was "zur Kompensation einen zusätzlichen Wald der Größe von 180 Hektar" benötige. "Volkswirtschaftliche Gesamtkosten weit über 4 Millionen Euro pro Jahr" würden entstehen, der Nutzen-Kosten-Faktor liege bei "nahezu null". Nötig hingegen wäre Faktor eins.

"Einfallstor"

Die große Südumgehung werde "öffentlich auf Kosten der Bevölkerung" finanziert und fördere als weiteres Einfallstor den Verkehr in das Zentrum. "Durch Firmen-Umstrukturierungen wird sie eventuell nicht mehr gebraucht." Ausgegangen wurde von20 000 Fahrzeugen pro Tag.

Foto: Edith Kern-Miereisz Motiv: Niederndorfer Bürger argumentieren gegen das geplante Bürgerbegehren gegen die Südumgehung um Niederndorf und Neuses Standort. Niederndorfer Hauptstraße, Datum 12.03.2021

12.03.2021 © Edith Kern-Miereisz, NN


Vor Ort anwesend waren auch Richard Mergner, Landesvorsitzender des Bund Naturschutz, Manfred Ludwig (BN), Christian von Reitzenstein für "Herzo Süd bewahren", der Niederndorfer Landwirt Hubert Kerler und Helmut König, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Höchstadt-Herzogenaurach.

König, befragt nach Konzepten des BN, falls die Südumgehung scheitern sollte, nannte eine "Umstrukturierung der Vacher Kreuzung, andere Verkehrslenkung, eine Förderung des öffentlichen Personennahverkehrs und zusätzliche Maßnahmen. Das Thema ist nicht ganz einfach. Wir hoffen, dass sich nach Corona etwas ändert". Er erwähnte auch die Schärfe der Auseinandersetzung: "Es wird uns vorgeworfen, wir wollten die Leute an der Vacher Straße enteignen. Der Straßenbau enteignet auch." Landwirt Kerler beklagte, er sei vom Landverlust bereits wegen Ausgleichsflächen betroffen. Bejagbare Flächen seien geschrumpft, Feldhasen, Rebhühner und Fasanen zu seltenen Tieren geworden.

"Fast ein Jahrzehnt"

Richard Mergner, nicht zum ersten Mal für Kundgebungen in Niederndorfs Süden, führte aus, "die Straße begleitet uns fast seit einem Jahrzehnt". Trockenheit, Waldsterben, Klimakrise sei zu begegnen. Die Firma Schaeffler wolle "an einer veralteten Planung festhalten" und setze darauf, "dass die öffentliche Hand die Straße baut". Die Probleme würden "auf Bauern und Ortsteilbewohner verlagert". Die Alternative einer "zukunftsfähigen Mobilität muss in Herzogenaurach anfangen". Die Schaeffler-Transporte, so ein mehrfach genanntes Argument, könnten auch "über Gleis erfolgen".

Christian von Reitzenstein, Bürger aus "Süd", sieht die verzögerte Umsetzung schon als Erfolg an.

Niederndorfer Bürger argumentieren gegen das geplante Bürgerbegehren gegen die Südumgehung um Niederndorf und Neuses Standort. Niederndorfer Hauptstraße, 12.03.2021

12.03.2021 © Edith Kern-Miereisz, NN


Seit 2012 wird die stark belastete Straße von der Autobahnabfahrt der A 3 nach Herzogenaurach durch Neuses und Niederndorf ins Zentrum von Herzogenaurach immer wieder im Stadtrat diskutiert. Von CSU und SPD wurde sie mehrheitlich beschlossen. 2015 wurde ein Raumordnungsverfahren (ROV) begonnen, 2016 abgeschlossen. Im Planfeststellungsverfahren können Bürger nun ihre Einwendungen formulieren.

Wie umstritten das Thema ist, zeigt sich daran, dass Bündnisgrüne, Freie Wähler, FDP und "Die Partei" das 2021 angefangene Bürgerbegehren unterstützen, obwohl sich die Grünen, die Einzelstadträte von FDP und "Die Partei" mit der SPD 2020 zu einer Gestaltungsmehrheit im Stadtparlament zusammenschlossen.

INFO

www.bund-naturschutz.de

https://www.herzogenaurach.de/stadtraum/stadtentwicklung-stadtplanung/fragen-und-antworten

EDITH KERN-MIEREISZ

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