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Instagram im Unterricht: Diese Lehrerin hat's drauf

Referendarin klärt Schüler über Social-Media-Nutzung auf - 20.07.2019 06:00 Uhr

Für Franziska Stadter ist der Instagram-Unterricht mit ihren Schülern eine Herzensangelegenheit. © Paul Henzler


Wenn eine Lehrerin das Klassenzimmer betritt, liegen im Idealfall Hefte und Stifte auf den Tischen vor den Schülern bereit. In der Deutschstunde von Franziska Stadter sieht das anders aus. Die Neuntklässler des Lichtenfelser Meranier-Gymnasiums schreiben zwar noch auf Papier, sie nutzen im Unterricht bei ihrer Referendarin aber auch gezielt ihre Smartphones. Nur mit einer Sondergenehmigung ist das erlaubt. Und genau die hat die 30-Jährige für ihr sogenanntes "Blogger Projekt" von ihrem Schulleiter bekommen.

Das Ziel der Lehramtsanwärterin ist, den Schülern Instagram verständlich zu erklären und sie mit den Chancen und Risiken des sozialen Netzwerks vertraut zu machen. "Ich habe bemerkt, dass nahezu alle meine Schüler das Medium nutzen, aber nicht mit Bedacht. Da musste ich etwas dagegen tun." Ein Herzensprojekt, in das Stadter viel Leidenschaft und Zeit investiert.

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Als sie vor Schuljahresbeginn den Deutsch-Lehrplan der 9. Jahrgangsstufe analysierte, entdeckte sie den Punkt "Umgang mit Medien". Die meisten Lehrer besprechen hier klassische Themen wie Fernsehen oder Zeitung - nicht so Stadter: "Warum soll ich 15-Jährigen ein Medium erklären, das sie gar nicht nutzen?" Also erstellte sie eine Umfrage, auf welchen Kanälen ihre Schüler denn tatsächlich unterwegs sind. Das Ergebnis: Alle nutzen Instagram und das täglich im Schnitt 30 Minuten bis zu einer Stunde. Also machte Stadter einen Selbstversuch und recherchierte mit ihrem eigenen Account "mom.of.paulina" auf Instagram, wie die Plattform funktioniert.

Schnell fand die 30-Jährige Spaß an dem sozialen Netzwerk. Sie postete Fotos von sich und erzählte aus ihrem privaten Leben. Ihre Erkenntnis: "Es fühlt sich an wie eine Droge. Irgendwann denkt man nur noch in Postings. Man ist ständig auf der Jagd nach einem außergewöhnlichen Bild und einem ansprechenden Text, um seiner Community etwas bieten zu können."

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Ihrem Profil folgen mittlerweile 1250 Menschen, darunter auch viele ihrer Schüler. Verglichen mit anderen Profilen sind das zwar noch nicht viele Abonnenten, doch für die Referendarin war das Erreichen dieser Zahl harte Arbeit. Eine Arbeit, die sich gelohnt hat, schließlich lernte sie dadurch viel über Instagram. "Man muss sich immer bewusst sein, was man postet, wo man postet, wie man postet oder welche Reichweite ein Kommentar überhaupt haben kann", fasst sie zusammen.

Drei Gruppen, drei Themen

Mittlerweile dürfen die Schüler in ihrem Deutschunterricht ganz selbstverständlich selbst posten. Nicht über ihre privaten Accounts, sondern über das Klassenprofil, das bei Instagram unter dem Namen "thebloggingproject" zu finden ist. Dazu hat Stadter ihre 9. Klasse in drei Gruppen aufgeteilt. Team eins kümmert sich um das Thema Sport, Gruppe zwei um Essen und der Rest um Lifestyle. Themen, die sich die Schüler selbst ausgesucht haben. Dementsprechend unterschiedlich fallen die Postings auf der Seite aus. Vom Fallrückzieher auf dem Fußballplatz bis zum Picknick mit Käse- und Schinken-Snacks.

Was nach viel Spaß klingt, hat aber einen ernsten Hintergrund. Damit die Neuntklässler keinen Blödsinn posten und sich weiterentwickeln, hat die Referendarin viele Regeln aufgestellt. Der Postingtext muss zum Beispiel eine Mindesttextlänge haben, natürlich grammatikalisch richtig formuliert sein und einen gehaltvollen Inhalt bieten. Einmal pro Woche analysiert die Oberfränkin dann im Unterricht gemeinsam mit ihrer Klasse, was gut oder schlecht lief. "Wenn jemand eine Frage hat, kann er mir aber immer eine Nachricht schreiben – egal wann", sagt sie.

SPORTUNTERRICHT ___________________________________________________ Heute geben wir euch einen Einblick in die letzte Sportstunde des Schuljahres. Wie der Sportlehrer schon am Anfang des Jahres den Jungs versprach, würden wir irgendwann noch Fußball spielen.⚽ Da wir dies noch nicht umgesetzt hatten, war es dann endlich soweit. Obwohl wir nur 7 Jungs waren, die aktiv am Sportunterricht teilnahmen, teilten wir uns in 2 Gruppen auf und legten los. Auch unser Sportlehrer🏋🏼 sprang mit ein, sodass wir zwei gleichstarke Teams bilden konnten. Nachdem das Spiel bereits eine Stunde lief, beendete der Lehrer den Unterricht, nachdem er uns noch einige Informationen über das Aditum Sport in der Oberstufe gegeben hatte und wir Fragen stellen konnten. Im Nachhinein für die Jungs eine sehr schöne Sportstunde und die Mädels waren auch froh, weil sie kein Sport hatten, da ihre Lehrerin nicht da war, und konnten sich Nachmittags erholen.☀ Uns würde interessieren, wie bei euch die Sportstunden ablaufen/liefen und würden uns über eine Antwort in den Kommentaren freuen! _____________________________________________________ #sports #thebloggingproject #unterricht #fußball #soccer #project #school #pupils #teacher #instagram #wednesday #summer #schüleralltag #adidas #goal #lehrer #schüler #fallrückzieher #schule Werbung, da Markennennung

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Die Postings der Schüler haben im Schnitt mehr als 600 Likes und die Abonnenten-Zahl liegt bei mehr als 1800 – für das Projekt ein großer Erfolg, sagt Stadter. Schließlich läuft der Account erst seit dem dem 9. Juli 2019. Den Erfolg macht die Lehramtsanwärterin nicht an der Follower-Zahl fest, sondern am Lerneffekt der Schüler.

Wie es mit "thebloggingproject" weitergeht, entscheidet sich erst nach dem Schuljahr. Eine weitere Lehrerin aus der Region will im kommenden Jahr ein ähnliches Projekt starten und hat sich bereits bei Stadter erkundigt. Ihre Schüler wollen sowieso weitermachen. Und Franziska Stadter? "Mir sind das Projekt und die Schüler ans Herz gewachsen, da kann ich gar nicht aufhören, auch wenn ich im kommenden Jahr höchstwahrscheinlich an einer anderen Schule unterrichten werde." Der Kontakt besteht ja ohnehin über Instagram. Ganz digital, und ganz ohne Heft.

 

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