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Neue Transport-Panne: Oberfranken-Impfstoff endgültig unbrauchbar

Erlangen und Nürnberg wollten Dosen übernehmen - Bei Transport tiefgefroren - 31.12.2020 08:23 Uhr

Der zum Start der Impfkampagne in Oberfranken zurückgehaltene Impfstoff ist nach einer neuen Transport-Panne endgültig nicht mehr zu verwenden.

30.12.2020 © Sven Hoppe, dpa


"Der Impfstoff kam einwandfrei in Oberfranken an", ist Johannes Eissing, Sprecher des Universitätsklinikums Erlangen, überzeugt. Das habe auch der Hersteller Biontech bestätigt.


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Zwar herrschte wegen fehlerhafter Temperaturaufzeichnungen zunächst Unklarheit, ob die Kühlkette eingehalten wurde. Doch selbst wenn die Temperatur kurzzeitig geringfügig über den zwei bis acht Grad eines Kühlschranks gelegen habe, sei der Impfstoff laut Hersteller noch drei Tage haltbar.

Klinikum Nürnberg wollte damit impfen

Deshalb entschlossen sich die Städte Nürnberg und Erlangen auch dazu, 500 der in Oberfranken zurückgehaltenen Dosen zu übernehmen. "Im Klinikum Nürnberg sollten damit Ärzte und Mitarbeiter geimpft werden", bestätigt Andreas Franke, Sprecher der Stadt Nürnberg. Gleiches sollte im Uniklinikum Erlangen passieren.

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Die oberfränkischen Landräte hatten zuvor abgelehnt, den Impfstoff trotz der Zusicherung von Biontech zu verwenden, weil sie noch Restzweifel an dessen Unversehrtheit hatten. "Unsere Ärzte hier waren sich noch unsicher. Was soll ich machen, wenn den Impfstoff niemanden verimpfen will?", fragt Lichtenfels' Landrat Christian Meißner.


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Der Impfstoff wurde deshalb am Dienstag zum Impfstofflager Erlangen gebracht, nachdem die Regierung die Abholung veranlasst hatte. In Erlangen wurde das Vakzin gründlich geprüft.

Unter null Grad transportiert

"Nach Einvernehmen mit der Qualitätskontrolle von Biontech wurde die Entscheidung getroffen, dass eine Freigabe der betroffenen Vials für die Applikation aus Sicherheitsgründen nicht erfolgen kann", erklärt Uniklinik-Sprecher Eissing.

Es konnte nicht sichergestellt werden, dass der Impfstoff die ganze Zeit über kontinuierlich die notwendige Lagertemperatur hatte. Dies lagt daran, dass der zuvor noch brauchbare Impfstoff beim erneuten Transport in elektrischen Kühlboxen eingefroren wurde, wodurch er nun endgültig nicht mehr wirksam ist.

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"Beim Weitertransport des Impfstoffes lassen die Aufzeichnungen des einen Datenloggers vermuten, dass die Transporttemperatur zeitweise unter null Grad gefallen ist", bestätigt die Regierung von Oberfranken. Bei zwei weiteren Transporten konnte die Transporttemperatur, unter anderem auf Grund eines möglicherweise nicht gestarteten Datenloggers, nicht nachvollzogen werden.

Künftig übernimmt privater Transporteur

Die Lieferungen sollen künftig auf Grund der steigenden Transportmengen komplett von einem privaten Transportdienstleister, der viel Erfahrung mit medizinischen Transporten hat, übernommen werden. Dadurch soll es von nun an keine Probleme mehr geben.

Der Impfstoff für Oberfranken war ursprünglich ordnungsgemäß am 26. Dezember in kontrollierten Kühltransportern von diesem Transportdienstleister aus Erlangen ins Impfzentrum nach Bamberg transportiert worden. Von dort wurde er durch das Technische Hilfswerk auf die Landkreise weiterverteilt.

Dabei wurden Kühlboxen verwendet. "Es handelt sich um elektrische Kühlboxen mit aktiver Kühlmöglichkeit, die auch für den Transport von Arzneimitteln Verwendung finden und für den Transport der Impfstoffe bayernweit eingesetzt werden", teilt ein Sprecher der Regierung von Oberfranken mit. Zusätzlich habe das LGL die elektrischen Kühlboxen stichprobenhaft überprüft und ihre Verwendungsfähigkeit für den Transport der Impfstoffe bestätigt.

Messgerät falsch platziert

Vor dem Transport wurde allerdings ein Gerät zur Temperaturüberwachung und -aufzeichnung falsch in den Kühlboxen platziert. Landrat Meißner erklärt das so: "Ich habe daheim auch so eine Kühlbox. Ins tiefe Fach kommt die Cola, da ist es am Kühlsten. Dann gibt es noch ein höher liegendes Mittelfach, da liegt bei mir die Milchschnitte. Der Impfstoff lag jetzt im tiefen Fach, das Messgerät im Mittelfach, in dem es natürlich wärmer ist." Außerdem wurde das Messgerät nicht wie eigentlich notwendig vorgekühlt, weshalb es zunächst erhöhte Temperaturen anzeigte.

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"Es ist höchst bedauerlich, dass der Start der Impfungen in Oberfranken am Sonntag holprig verlief und auch die ursprünglich zurückgestellten Impfdosen nicht mehr verwendet werden können. Angesichts der komplexen Anforderungen beim Umgang mit dem Impfstoff waren Probleme in der Praxis leider nicht ganz zu vermeiden" meint die oberfränkische Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz. Im Ergebnis gehe die Sicherheit der Menschen ganz klar vor.

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