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AHA-Regel sorgt für einen Winter ohne Schniefnasen

Apotheken verkauften unter anderem deutlich weniger Nasensprays - 02.03.2021 06:29 Uhr

Mit Grippe oder einer fiebrigen Erkältung gehört man ins Bett. In diesem Winter können sich wegen der Corona-Schutzmaßnahmen Grippe- und Erkältungsviren aber viel weniger verbreiten und die entsprechenden Medikamente werden viel seltener in den Apotheken nachgefragt.

01.03.2021 © Foto: Maurizio Gambarini/dpa


Das zeigen auch die Zahlen der vom Robert-Koch-Institut RKI betriebenen Internetseite "GrippeWeb". Seit September liegt die Zahl der akuten Atemwegserkrankungen deutlich unter den Werten des Vorjahres. Anfang Februar meldeten die beteiligten Arzt-Praxen so viele, oder besser gesagt so wenige, akute Atemwegserkrankungen wie im Frühsommer 2020.

Dies merken auch die Apotheken, die deutlich weniger Nasensprays, Schnupfenmittel, Schleimlöser und Hustensäfte verkaufen. "Die Indikation der klassischen Erkältung tritt in einer anderen Größenordnung auf" , sagt Ingrid Popp, Sprecherin der Apotheker im Landkreis Neumarkt.

Notbetreuung in den Kitas, Homeschooling und nicht zuletzt die ausgefallenen Faschingsfeiern: "Die Erreger können sich nicht verbreiten wie in den Jahren vor der Pandemie." Wie sich dies auf einzelne Apotheken auswirke – das hänge von dem Standort und den unternehmerischen Entscheidungen des jeweiligen Apothekers ab, sagt Popp.

Nasenspray und Schleimlöser sind viel seltener gefragt

Der Neumarkter Apotheker Peter Dorfner lässt sich ein wenig in die Bücher schauen. Beim Nasenspray sei der Umsatz auf ein Drittel des Vorjahresumsatzes zurückgegangen. Von Schleimlösern werde in seinen Apotheken rund 75 Prozent weniger verkauft.

Übrigens nicht erst in diesen Monaten. Schon im Frühjahr 2019 sei die erwartete zweite Erkältungswelle ausgeblieben.

 

"Das ist für die Volkswirtschaft gut, weil weniger Krankentage anfallen und gesunde Mitarbeiter leistungsfähiger sind", sagt Dorfner. Doch betriebswirtschaftlich ist es ein Problem.

Die Lager in den Apotheken sind voll

Die Medikamente wurden bereits im Frühjahr 2020 bestellt. Nun ist das Lager voll. "Wir haben einen Vorrat für die nächste Saison", sagt Dorfner.

Beklagen will er sich nicht. "Da darf kein falscher Zungenschlag entstehen." Zumal die Apotheken ja nicht nur vom Nasenspray und Hustensaft leben, sondern die Grundversorgung der Bevölkerung mit Medikamenten sicherstellen.

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Im Corona-Jahr kam noch etwas hinzu: Das Gesundheitsministerium hat die Verteilung der FFP2-Masken an Risiko-Gruppen den Apotheken übertragen. Auch sollen sie Anlaufstelle für Corona-Schnelltest sein.

Die Schnupfen-Flaute trifft ein Neumarkter Unternehmen, das in den vergangenen Jahren besonders starkes Wachstum aufwies: Bionorica, einen Global Player im Bereich der Phytopharmaka mit weltweit 1700 Beschäftigten, davon über die Hälfte in Neumarkt.

Noch 2019 verkaufte Bionorica 11 Millionen Packungen Sinupret

2019 erzielte die Bionorica-Gruppe einen Umsatz von 333,3 Mio. Euro. "Allein von Sinupret, dem meistverkauften pflanzlichen Arzneimittel Deutschlands, setzten deutsche Apotheken 2019 mehr als 11 Millionen Packungen ab", heißt es in der Unternehmensmitteilung vom März vergangenen Jahres, kurz vor dem ersten Lockdown.

Wie sich der Absatz des Schnupfenmittels seitdem entwickelt hat, teilt das Unternehmen nicht mit.

Man wolle der Bilanzpressekonferenz nicht vorweggreifen, schreibt Unternehmenssprecher Leon Pfeufer. Sie findet am kommenden Mittwoch, 3. März, statt. Corona-konform als Video-Veranstaltung.

HAUKE HÖPCKE

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