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Echter Knochenjob: So sieht ein Tauchgang im Klärschlamm aus

Tauchgang mit 40 Kilogramm schwerer Ausrüstung - 23.10.2020 13:34 Uhr

Schutzanzüge und Helme schützten die Taucher vor der stinkenden Brühe. Der Sauerstoff kam aus Flaschen, die sie auf dem Rücken trugen.

22.10.2020


Die auf 3600 Einwohnerwerte ausgelegte Kläranlage in einer Talsenke zwischen Kemnathen und Wissing gibt es seit 1996. Auf der Grundlage einer Zweckvereinbarung wird sie gemeinsam von den Gemeinden Breitenbrunn und Seubersdorf betrieben. Die zu reinigenden Abwässer kommen zu etwa einem Drittel aus dem Bereich von Breitenbrunn, zu zwei Dritteln aus verschiedenen Ortsteilen von Seubersdorf.


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Den Mittelpunkt der Anlage bildet das 1550 Kubikmeter fassende, 20 Meter im Durchmesser große und fast fünf Meter tiefe Belebungsbecken. Dort verrichten normalerweise Bakterien ihre Arbeit, reinigen die Abwässer von Verschmutzungen, indem sie sich von den Inhaltsstoffen ernähren.

Nach 24 Jahren war es nun an der Zeit, das Becken gründlich zu kontrollieren und zu reinigen. Die Arbeit, die dabei ein Berufstaucher in der nicht gerade nach Parfüm duftenden Brühe verrichten muss, hat nicht nur einen gewissen Ekelfaktor, sie ist zudem ein echter Knochenjob.

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Für die beiden Taucher und den Signalmann der Firma Berufstaucher-Bayern aus Regenstauf, die nach Kemnathen dazu gekommen waren, ist der Einsatz etwas Alltägliches. Vier zwischen einer und zwei Stunden andauernden Tauchgänge erledigen die speziell ausgebildeten und extrem fitten Männer pro Tag.

Im Abwasser ist es dunkel

Eingehüllt in eine gut und gerne 40 Kilogramm schwere Tauchausrüstung, bestehend aus einem absolut dichten Anzug, einem Helmtauchgerät und einer Sauerstoffflasche auf dem Rücken, stiegen sie hinab in die Dunkelheit des Abwassers, in dem es wesentlich schwerer ist, sich zu bewegen, als in klarem Wasser.

Mit der Außenwelt verbunden waren die Taucher dabei über eine Sicherungsleine und über Schläuche, die eine laufende Frischluftzufuhr und einen ständigen Funkkontakt mit dem Signalmann gewährleisteten.

Industrietaucher stiegen ins Belebungsbecken der Kläranlage Kemnathen, um Ablagerungen zu entfernen. Nach dem Tauchgang wurden sie von Kollegen von oben bis unten abgespritzt.

22.10.2020 © Foto: Werner Sturm


Bei der Reinigung entfernten die Taucher die Ablagerungen und nicht in ein Belebungsbecken gehörenden Materialien mit Wasserdruck und saugten sie ab in einen bereitstehenden Tankwagen einer Kanalreinigungsfirma aus Triesdorf.

Von dem Tankwagen wurde das Überlaufwasser in das Kanalsystem zurückgeleitet. Der anfallende Klärschlamm wird anschließend in der Kläranlage gelagert und getrocknet, um dann einer geordneten Entsorgung, sprich Verbrennung, zugeführt zu werden. Meist ist es übrigens eine unappetitliche Kombination aus Haaren, Klopapier und anderen Faserresten, die durch das Abwasser in die Kläranlage gelangen.

In dem Belebungsbecken halten Rührwerke das Gemisch aus Belebtschlamm und Wasser ständig in Bewegung, damit es sich nicht absetzt. Lagert sich Schlamm auf den Belüftern ab, kann dadurch das Abwasser nicht mehr ordnungsgemäß gereinigt werden.

Im Zuge der Reinigung wurden deswegen laut Klärwärter Thomas Gehr, der sich mit Klärwärter Lukas Friedl um die reibungslose Funktion der Abwasseranlage in Kemnathen sowie der weiteren Kläranlage in Breitenbrunn kümmert, auch die Belüfterkerzen von allerlei Verschmutzungen befreit. Außerdem wurden die abgenutzten Gummiüberzüge der Kerzen durch neue ersetzt.

"Die Reinigung der Kläranlage durch professionelle Industrietaucher hat den Vorteil, dass die dafür notwendigen Arbeiten während des laufenden Betriebs erledigt werden können", erklärte Gehr. Die Kosten zwischen 7000 und 10 000 Euro werden im Verhältnis der Nutzung auf die beiden Kommunen aufgeteilt.

WERNER STURM

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