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Sonntag, 13.06.2021

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Erst Mühlbach-Quellhöhle, dann Weltall: Astronautinnen trainieren für ISS

Der Höhlenverein „Karstgruppe Mühlbach“ trainiert mit den Astronautinnen - 14.05.2021 09:45 Uhr

In der Mühlbach-Quellhöhle sollen die beiden angehenden Astronautinnen trainiert werden.

07.02.2021 © privat


„Raumfahrt unter Tage“ heißt eine der Informationstafeln, die sich in der Dauerausstellung „STEIN.WASSER.HÖHLE“ in Mühlbach bei Dietfurt, der Erforschung der dortigen Mühlbachquellhöhle widmet. Eigentlich geht es dabei um das Höhlentauchen und allgemein die Befahrung von Höhlen.

Höhlenforschung und Raumfahrt

Doch sind sich Höhlenforschung und astronautische Raumfahrt manchmal verblüffend ähnlich, denkt man etwa an die Isolation in einem Biwak, minimale Privatsphäre, den fehlenden Tag-Nacht-Rhythmus, die kriechende Fortbewegungsart in der Enge und mehr, heißt es in einer Pressemitteilung des Höhlenverein „Karstgruppe Mühlbach“.

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Rund 200 Einsatzkräfte waren am Mühlbachquellsystem bei Dietfurt im Einsatz, nachdem ein 58-Jähriger in einer der Höhlen verunglückt war. Gemeinsam mit drei Forscherkollegen war er auf Erkundungstour gewesen. Er konnte nur noch tot geborgen werden, die anderen drei Personen blieben unversehrt.


All diese Herausforderungen müssten sowohl in einer Höhle wie auch in der ISS-Raumstation bewältigt werden. Und wer weiß, vielleicht gebe es schon bald sogar eine Höhlenbefahrung auf einem anderen Himmelskörper, sei es nun der Mond oder der Mars, auf dem man nach sogenannten „Biosignaturen“, also zu Stein gewordene Hinterlassenschaften von einst vorhandenen Lebensformen suche. Erfahrungen aus der Höhlenforschung könnten da durchaus nützlich sein.


Tödliches Unglück in Oberpfälzer Höhle: Erkundung war "reine Routine"


Dass es sich dabei nicht um reine Science Fiction handelt, bewiesen Trainingsprogramme der ESA und der NASA, die unter anderem auch Simulationen in Höhlen zum Inhalt haben.

Bisher keine Deutschen

Jeder kenne Bilder von Astronautinnen in der Internationalen Raumstation ISS und schon von früher im Space-Shuttles, doch dürfte es nicht bewusst sein, dass es bisher noch keine einzige Deutsche unter diesen Astronautinnen gab – obwohl schon jede Menge männlicher Kollegen in der Umlaufbahn waren. Im Jahre 2016 ergriff die Raumfahrtingenieurin Claudia Kessler die Initiative und gründete die Stiftung „Erste deutsche Astronautin gemeinnützige GmbH“ (www.dieastronautin.de). Sie fand, heißt es in der Pressemitteilung: Es sei Zeit für die erste deutsche Frau im All.

Unter 400 Bewerberinnen haben sich im Rahmen der Initiative zwei Frauen im Auswahlverfahren behauptet, nämlich die beiden Astronautinnen-Trainees Dr. Insa Thiele-Eich und Dr. Suzanna Randall. Hauptberuflich ist Suzanna Randall Astrophysikerin und Insa Thiele-Eich Meteorologin. Sie sind also beide Wissenschafts-Astronautinnen, das heißt, sie sollen in naher Zukunft zur ISS fliegen und dort wissenschaftliche Untersuchungen zu verschiedenen Themen durchführen, unter anderem zur Reaktion des weiblichen Körpers auf Schwerelosigkeit.

Mehrtägige Expedition

Die Stiftung „Erste deutsche Astronautin gemeinnützige GmbH“ trat auf der Suche nach einer geeigneten Örtlichkeit für ein Unter-Tage-Training auch an die Karstgruppe Mühlbach heran, heißt es, und diese habe sich bereit erklärt, eine mehrtägige Expedition in die Mühlbachquellhöhle durchzuführen. Es sollen fünf Tage lang, von der Außenwelt vollkommen isoliert, reale wissenschaftliche Arbeiten durchgeführt werden, die nach ihrer Auswertung auch einen großen Nutzen für die weitere Erforschung des über zehn
Kilometer langen Höhlensystems haben werden.

Geplant sind Sinterprobenahmen zur radiometrischen Datierung, Messungen von Radon- und Kohlendioxidgehalten in der Höhlenatmosphäre, Messungen an Zulaufgerinnen und vieles mehr. Die beiden angehenden Astronautinnen erhielten bereits eine umfassende Ausbildung zu Höhlenforscherinnen in praktischer wie in theoretischer Hinsicht. So absolvierten sie bereits im März eine dreitägige intensive Vorlesungsreihe per Video zu verschiedensten Themen der Speläologie. Unter den deutschen Höhlenforschern, die diese Vorträge referierten, befanden sich auch drei Mitglieder der gastgebenden Karstgruppe Mühlbach, die ihnen die Themenbereiche „Radon in Höhlen“, „Höhlenentstehung“ und „Höhlentauchen“ näherbrachten.
Mehr Informationen unter: www.muehlbachquellhoehle.de

nn/wof

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