"Komputer maschinen" und "Gestrüp scnittmeister"

Illegale Schrottsammler mal wieder auf Tour im Kreis Neumarkt

21.8.2021, 09:06 Uhr
Die Handzettel kündigen eine illegale Sammlung der „ungarischen Waschmaschinenbrigade“ an.

Die Handzettel kündigen eine illegale Sammlung der „ungarischen Waschmaschinenbrigade“ an. © Foto: Nicolas Damm

"Ungarische Sammlung, Chef!" Ein kleiner Mann kommt die Einfahrt herauf und drückt dem Hausherrn einen Zettel in die Hand. Den nächsten wird er beim Nachbarn in den Postkasten stecken. In den letzten Jahren sind die Sammler, die im Volksmund seit Jahrzehnten auch als "ungarische Waschmaschinen-Brigade", wieder regelmäßig im Landkreis Neumarkt unterwegs. Ihr Motto: "Wir nehmen, was Sie nicht brauchen!"

Der Zettel mit einer Liste vieler Gegenstände (von der Vase bis zum ganzen Auto), die der Empfänger zum Abholen herausstellen kann, hat sich über die Jahre kaum geändert. Nur das Abholdatum wird jeweils aktualisiert, auch werden Rechtschreibfehler gefühlt weniger.

Doch amüsieren sich wohl die meisten bei der kurzen Lektüre, bei "Komputer maschinen" und "Gestrüp scnittmeister". Doch wird sich der ein oder die andere an den alten Staubsauger, Autoreifen oder Lattenrost im Keller erinnern. Wäre doch eine bequeme Gelegenheit, das Zeug loszuwerden.

Aber ist die Sammlung überhaupt beim Landkreis angemeldet, sprich legal? "Natürlich nicht", sagt Roland Hadwiger, der Leiter der Abfallwirtschaft am Neumarkter Landratsamt. Seine Kollegen vom Staatlichen Abfallrecht hätten auch schon die Polizei geschickt.

Doch droht den Sammlern, sollten sie mit Ware erwischt werden, allenfalls ein Bußgeld. "Meist haben sie gar kein Geld", sagt Hadwiger. "Auf dem Zettel steht ja auch keine Kontaktadresse. Es ist ein Katz-und-Maus-Spiel."

Keine Ahnung, was mit dem alten Zeug passiert

Bleibt der Appell an die Vernunft der Bürgerinnen und Bürger: "Keine Ahnung, was mit dem alten Zeug passiert. Das kann auch im Wald landen, wenn sich die dubiose Brigade davon keinen Profit verspricht." Zu allem Überfluss könnte sogar der abgebende Bürger in die Bredouille geraten, warnt Roland Hadwiger.

Sollte ihm nämlich der frühere Besitz oder die Abgabe des Schrott-Teils nachgewiesen werden, drohe ihm selbst ein Bußgeldverfahren. Vor allem bei Elektrogeräten, denn diese müssen auf Wertstoffhöfen abgegeben werden.

Also lieber der Versuchung widerstehen und sich um eine fachgerechte Entsorgung kümmern. Die Abfallwirtschaft im Landkreis Neumarkt hat im Internet alle erdenklichen wegwerfbaren Gegenstände und Geräte samt richtigem "Entsorgungsweg" aufgelistet.

Und noch einen Argument gegen die illegalen Sammlungen kann Roland Hadwiger ins Feld führen: Wer etwas herausrückt, schadet am Ende noch seinem eigenen Geldbeutel.

Denn mit wertvollen, recycelbaren Rohstoffen generiert die Abfallwirtschaft Einnahmen, wovon dann auch der Landkreisbürger über gegebenenfalls niedrigere Müllgebühren wiederum profitiert. "Andernfalls hat keiner was davon", so Hadwiger. Außer der Waschmaschinenbrigade.

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