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800 Bewohner in Nürnberger Seniorenheim - und keiner ist geimpft

Wohnstift am Tiergarten drängt auf baldigen Termin - 18.01.2021 10:08 Uhr

Im Wohnstift am Tiergarten herrscht wie in vielen anderen Senioreneinrichtungen Besuchsverbot. Man will damit die Infektionsgefahr mit Covid-19 verringern.

15.01.2021 © Michael Matejka


Das Wohnstift am Tiergarten hat rund 800 Bewohner sowie 300 Mitarbeiter. Dort ist bislang keine einzige Impfdosis angekommen. "Wir werden mit Fragen von unseren Senioren und von Beschäftigten bombardiert", erklärt Wolfgang Strittmatter, Vorstandsvorsitzender des Wohnstifts, "schließlich waren wir ein Hotspot. Wir hatten in Spitzenzeiten 85 Corona-Positive im Stift, 38 in der stationären Pflege, und 35 positiv getestete Mitarbeiter. " Leider musste man auch 39 Sterbefälle beklagen.

Besuchsverbot als Schutz

Mittlerweile werden die Beschäftigten dort zweimal wöchentlich getestet, die Bewohner einmal. Weitere Maßnahmen wie etwa ein Besuchsverbot sollen neue Corona-Ausbrüche verhindern. "Wir haben alles selbst organisiert und bekamen keine Hilfe von der Stadt, vom Land oder Bund", betont Strittmatter verärgert. In einem Brief an die Stadt fordert er Unterstützung.

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Dass die Impfteams nach derzeitiger Planung am 25. Januar in das Seniorenstift kommen, hält er für unbefriedigend. Er sieht ein, dass "wegen der desaströsen Belieferung durch den Bund" Medikamentenknappheit herrscht. Doch wenigstens die 90 Patienten in der stationären Pflege hätte man seiner Ansicht nach als Hochrisiko-Gruppe vorziehen müssen. "Wie viele sterben noch, weil kein Impfstoff kommt?"

Kein Gießkannen-Prinzip

Christine Schüßler, Koordinatorin des Nürnberger Impfzentrums, äußert Verständnis für die Ungeduld von Heimbetreibern wie auch von der Bevölkerung insgesamt. Sie weist darauf hin, dass die bislang gelieferten Impfdosen auf Krankenhäuser, Rettungsdienste, ambulante Pflege, niedergelassene Ärzte und Seniorenheime verteilt werden mussten. Sie gehören alle zur Gruppe mit der höchsten Priorität.

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Bei den Seniorenheimen habe man die Impfdosen nicht im Gießkannen-Prinzip auf alle Einrichtungen verteilt, sondern einzelne Einrichtungen komplett durchgeimpft. Zwei Drittel der Nürnberger Heime haben Covid-Erkrankte. Zunächst konzentriere man sich auf die besonders stark betroffenen Häuser. Im Pool der zehn Heime, die als nächstes vorgesehen sind, ist auch das Wohnstift am Tiergarten.

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