Samstag, 14.12.2019

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Derby is Love #1: Blumen für Charly Mai

Fantastischer Auftakt der NN-Kolumne zum Lokalvergleich - 19.11.2019 21:38 Uhr

Darf nie fehlen: das gemeinsame Banner zum fränkischen Fußball-Derby. © Foto: Stefan Hippel; Montage: Bronislav Hava


Sonntag, 24. November. Nachdem der letzte Fan, trunken von der Magie des Nachmittags, den rot-schwarzen Fanschal in der rechten, den weiß-grünen in der linken Hand schwenkend, durch den letzten Sicherheitsring geschwankt war, atmete Frank Türr erleichtert durch. Als Fußballprofi hatte er sowohl für den 1. FC Nürnberg als auch für die SpVgg Greuther Fürth gespielt, als Polizist und Einsatzleiter war er an diesem Sonntag dafür zuständig, dass es nicht zu Zusammenstößen zwischen den Fans der beiden fränkischen Zweitligisten kam. "Wir hatten 800 Beamte im Einsatz, zehn Wasserwerfer und acht Therapiehunde zur Deeskalation. Wir waren wirklich auf alles vorbereitet", sagte Türr, "aber dann kam alles ganz anders."

Um 9.30 Uhr hatten sich wie geplant 1000 Club-Fans an der U-Bahnhaltestelle Stadthalle getroffen. Auf den ersten Blick aber war zu erkennen, dass diesmal kein martialischer Marsch durch Fürth folgen würde. Ihre schwarze Kleidung hatten die Fußballfreunde zu Hause gelassen, sie trugen stattdessen neonfarbige Ski-Overalls, bunte Sonnenbrillen und Federboas. Empfangen wurden sie von der Frauen-Union Poppenreuth, die trotz der frühen Stunde bereits Aperol Spritz und Bellinis ausschenkte. Angesichts der ausgelassenen Stimmung entschied sich Türr dagegen einzugreifen und dafür, dem Wunsch des Capos der "Banda di Amici di Fürth" zu entsprechen und die Route ins Stadion der Fanfreundschaft in Fürth kurzfristig zu ändern.

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(Stadt-)Grenzgänger: Sie waren für Club und Kleeblatt aktiv

Der 1. FC Nürnberg und die SpVgg Greuther Fürth: zwei Vereine, zwischen denen sich die Franken meist schon in frühester Kindheit entscheiden müssen. Beide Klubs ins Herz zu schließen, gelingt nur den wenigsten. Wir stellen Akteure vor, die auf beiden Seiten der Stadtgrenze aktiv waren.


Und so kam es, dass fröhlich singende Nürnberger ("Alle Blumen blühen, alle Blumen blühen, selbst das Fürther Kleeblatt . . .") Hand in Hand mit Fürthern über das Ertl-Erhardt-Sportfeld zum Grab von Charly Mai zogen, um einen Kranz niederzulegen, und dann zum Stadion, ausgelassen winkend vorbei an den Wasserwerfern. Die Weiß-Grünen würdigten "Marek, euer Mintal!", die Rot-Schwarzen trugen den vor Glück weinenden Helmut Hack in den Vip-Raum, wo seine Gattin Karin bereits mit einem frischen Käsekuchen auf die Festgemeinde wartete. "Hätte ich gewusst", sagte ein staunender Club-Ultra, "wie gut das schmeckt, hätte ich doch nie . . ." Den Satz brach er ab, weil ihn der milde lächelnde Einsatzleiter Türr rechtzeitig daran hinderte, eine Straftat einzugestehen.

Auf den Rängen wurden danach durch die Schleusen geschmuggelte Konfettikanonen gezündet. 90 Minuten, fair verteilte acht Tore und das frenetisch in der 94. Minute bejubelte Geständnis des Club-Stürmers Michael Frey, im Strafraum über seine eigenen Füße gestolpert zu sein, stellte Trainer Jens Keller nach seinem ersten fränkischen Derby mit großen Augen fest: "So, genau so sollte Fußball immer sein." 

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Faszination Frankenderby: Rivalen seit über 100 Jahren

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